Nicht der Berg ist es, den man bezwingt, sondern das eigene Ich.
 Sir Edmond Hillary 


1. 2. 2015 - Seine Majestät himself, Cerro Torre gibt sich die Ehre

Wie so oft wurde ich schon vor dem Sonnenaufgang munter und wagte mal einen Blick nach draußen. Es war fast windstill und nur kleine "Wölkchen" umhüllten Cerro Torre. Seine schmale Gipfelflanke zeigte er jedoch. Eine gute Gelegenheit, vielleicht die Einzige am heutigenTage diese Felsnadel auf ein Foto zu bannen. Ich brach also auf um auf dem Moränenkamm zu gehen während in den anderen 16 Zelten noch tiefster Frieden herrschte. Wieder zurück im Zelt kuschelte ich mich noch einmal in den Daunenschlafsack, denn der Morgen hier oben (640 m) ist doch etwas frisch. Dann warte ich doch lieber warm eingepackt bis die Sonne hoch genug steht und ihre Strahlen genügend Wärme liefern.

Nach dem zweiten Aufstehen 8.30 Uhr konnte ich beim Blick auf Cerro Torre feststellen, dass er nun fast vollständig wolkenfrei gen Himmel ragte. Also lies ich das Frühstück zunächst ausfallen und kletterte über den Kamm einer Seitenmoräne zum Mirador Maestri. Von dort bietet sich ein umfassender Panoramablick auf die Laguna Torre, den Glaciar Grande und die gesamte Gipfelfront zusammen mit Cerro Torre. 

Obwohl sich das Wasser der Laguna Torre leicht kräuselte, war kaum ein Luftzug zu spüren. Bei dem Wind von gestern, wäre diese Tour über den Kamm der Moräne wahrscheinlich nicht möglich gewesen. Jetzt am Morgen war ich der Tageserste der diese Tour ging, die Tagestouristen starteten wahrscheinlich jetzt erst in El Chalten und von den Zeltplatzleuten sah ich niemand auf der Tour. Ich hatte also die freie Auswahl der besten Fotoplätze und konnte mich mit dem Fotoapparat austoben.

Wieder zurück gab es dann das verspätete Frühstück, oder ist es 11 Uhr schon in vorgezogenes Mittagessen? Wie auch immer. 12.30 Uhr schulterte ich den Rucksack zur nächsten Wanderetappe meines geplanten Rundkurses.

Campamento de Agostini - Campamento Poincenot (3,5 h, 10 km)
Dsas erste Teilstück kannte ich schon vom Vortag, denn es ging bis zum Abzweig den gleichen Weg zurück. Diese 50 Minuten gehen noch ziemlich leicht von der "Hand". Vom Abzweig an wird dann eine "Schweißetappe" daraus. Zumindest die ersten 45 Minuten geht es straff bergan. Danach flacht der Wegverlauf ab und man erreicht zuerst die Laguna Hija. Der Tochtersee hat einen Kiesstrand, eine Halbinsel und mitten im See eine Miniinsel. Bei Sonnenschein lädt er sicher zu einer Rast ein, nach dem anstrengenden Aufstieg. Eine schmale Landbrücke grenzt diesen See von der größeren Laguna Madre ab. Hoch oberhalb dieses Sees verläuft der Wanderweg. Wegen eines grau bewölkten Himmels konnten die fehlenden Sonnenstrahlen über die Farbe der Wasseroberfläche keinen Farbtupfer in die Landschaft setzen.

Aber nun betrat Monte Fitz Roy mehr und mehr die Bühne, indem er sein Bergpanoramas immer weiter preis gab. Diese Aussichten spornten noch einmal an, den Campamento Poincenot bald zu erreichen. Dieser Campplatz ist nach Jaques Poincenot, einem Mitglied der französischen Expedition im Jahre 1952, der am 2. Februar die Erstbesteigung gelang. Er soll beim Versuch den Rio Fitz Roy zu überqueren von der Strömung erfasst worden sein, so die offizielle Version. Diese Expedition vermaß das Gebiet um den Fitz Roy und gab einigen Gipfeln neue Namen. So tragen die Granitnadeln um den Fitz Roy heute die Namen des verunglückten Poincenot und von drei berühmten Piloten, Saint Exupery, Mermoz und Guillaumet, die für die erste argentinische Luftpost, Aeropostas Argentinas, Pionierarbeit geleistet haben (Outdoor, Sylvia Seligmann, Argentinien Patagonien Monte Fitz Roy). 
Nach dem Überqueren einer kleinen Brücke ist es nicht mehr weit. Der Campamento Poincenot liegt windgeschützt in einem Waldstück mit alten Südbuchen. Da er sehr beliebt ist, stehen dort auch im Sommer viele Zelte der Trekker und es herrscht Hochbetrieb. 

Ich baute mein Zelt auf und freute mich danach einige Kalorien in Form von Brot und Käse nachschieben zu können. Da ich etwas fröstelte und mich antriebslos fühlte, hüllte ich mich im Zelt in den Schlafsack und dusselte vor mich hin. Es gab natürlich noch etwas zum Abendessen, aber viel mehr habe ich an diesem Abend nicht mehr geschafft.

2. 2. 2015 - 63. Jahrestag der Erstbesteigung des Monte Fitz Roy

Um die Zeit der Morgendämmerung entstand kurzzeitig etwas Betriebsamkeit in und um die Zelte auf dem Campamento Poincenot. Es sollte keinen Frühstart in den Tag sein, oder gar ein Wettlauf um die besten Campplätze auf den umliegenden Campamentos. Es drehte sich wieder einmal um einfache aber sehr hohe Granitfelsen. Diesmal waren es die Türme des Fitz Roy Massivs: Monte Fitz Roy (30405 m), Aguja Poincenot (3002 m), Aguja Mermoz (2732 m), Aguja Guillaumet (2579 m) und Aguja Saint-Exupery (2558 m). Im Osten bemalte die Strahlen der aufgehenden Sonne die hohen Wolken. Wenn die Sonne an der Stelle wo sie heute ihre Strahlen über den Horizont schiebt nich von Wolken verschleiert wird, dann könnte es wieder mit dem rötlichen Glühen der Granittürme etwas werden. Alle die aus dem Schlafsack gekrabbelt waren, warteten gespannt auf dieses kurze Schauspiel. Leider diesmal vergeben. Für die rötliche Färbung der Wolkenbänke reichte es noch. Einige Minuten später legten sich die Wolken am Horizont vor die Sonne. Morgen gibt es eine neue Möglichkeit, denn ich hatte mich schon entschieden den Zeltplatz heute nicht zu wechseln, denn ich wollte alles auf eine Karte setzen und gegen 5 Uhr schon zur Laguna Los Tres aufsteigen und wenn ich Glück hatte das Fitz Roy Massiv im morgendlichen "Andenglühen" zu sehen.

Deshalb war heute nach dem Frühstück die Wanderung zur Laguna de Sucia dran. Dieser Weg wird mit ca. 70 Minuten beschrieben. Er weist gerade mal 135 Höhenmeter aus, die zu überwinden sind. Trotzdem ist es eine leicht anspruchsvolle Wanderung. Wählt man den kürzeren Weg, denn muss irgendwann der Rio Blanco gefurtet oder über die Steine hopsend überquert werden. Ich fand eine geeignete Stelle zum Hopsen. Ich verpackte alles, was nicht nass werden sollte in meinen Tagesrucksack und ging noch einmal die Schrittfolge bis zur schwierigsten Stelle durch. Falls es schief ginge, wäre dieser Ausflug erst einmal beendet, denn dann mussten Sachen getrocknet werden. Es ging schließlich alles gut, so dass ich den Weg über groben Flussschotter und junge Felsen fortsetzten konnte. Das konnten die Granitfelsen gewesen sein, die ich vor Tagen schon aus sehr großer Entfernung sah und für Wohnbebauung von El Chalten hielt. So kann man sich täuschen.

Wenig später war dieses schwierige Vorankommen erledigt und ich stand vor der Schlüsselstelle dieser Tour. Der Rio Blanco zwängt sich durch ein schmales Felsentor. Unmöglich sich dort auch noch durch zu quetschen. Es stand eine kurze Kletterpartie über den nackten Fels an. Nach der internationalen UIAA-Klassefizierung entsprach der Schwierigkeitsgrad Stufe I-II (Outdoor, S. Seligmann, Argentinien Patagonien: Monte Fitz Roy). Also keine besondere Herausforderung für Geübte. 

Danach mussten das Felsenbrockentrümmerfeld überwunden werden. Hervorragende Trittsicherheit war nun beim "Boulderhopping" das oberste Gebot. Der Blick nach unten auf die Füße wird leider immer wieder abgelenkt durch das sich weitende "Amphietheater um die Laguna Sucia auf Logen- und Rangplatzhöhe. Das "Parkett" war noch nicht sichtbar. Ein, zwei kleine Anhöhen später war auch das "Parkett" mit der Laguna Sucia sichtbar. Ihr entsprang der Rio Blanco. 

Warum der See vor den steil aufregenden Felsen, den hängenden Gletschern und dem Zackenpanorama des Monte Fitz Roy Massivs "schmutziger See" genannt wurde, erschließt sich mir nicht. Natürlich ist er durch den Gletscherschliff trüb. Aber gerade das macht ihn ja so besonders smaragdgrün bei Lichteinfall.

Der See, das atemberaubende Großbildpanorama und das Warten auf das Gletschergrollen, wenn einige Tonnen Gletschereis abbrechen und donnernd über die Felsen rollen, um denn 300 m tiefer in die Laguna einzutauchen, machen diese Wanderung zu etwas Besonderem.

Ich konnte mich lange nicht satt sehen, aber der Mittagshunger trieb an beim Rückweg. Leider fand ich die vormittägliche "Hopsestelle" über den Rio Blanco nicht mehr, so folgte ich dem rechten Flussufer bis zur kleinen Holzbrücke. Es geht also auch einfacher und ohne kurzzeitiges "Herzrasen" über den Rio Blanco.

Mittlerweile war ein richtig schöner und warmer Sommertag im Gange, so dass die Entscheidung nicht zum nächsten Campamento weiter zu ziehen, richtig war. Faulenzen durfte nun auch mal erlaubt sein. Zwar würde sich dadurch mein morgiger Rückweg nach Cl Chalten um 75 Minuten verlängern. Insgesamt ist der Rückweg mit 8 km immer noch kürzer als die Rucksacktouren mit Zeltplatzwechsel der vergangenen zwei Tage.

Nun sitze ich im Schatten einer Südbuche mit dem Blick auf das Fitz Roy "Zickzackmassiv" und habe in meinem Campingstuhl die "Faulenzerhaltung", Beine ausgestreckt und die Arme schlaff nach unten hängend. Nur für den Kopf bräuchte ich noch eine Anlehne, denn den muss ich alleine halten.

Der höchste Zacken dieses Granitmassivs wurde von Perito Moreno 1877 entdeckt. Die Tehuelche-Indianer nannten den Gipfel "Chalten" - Rauchender Berg, wegen seiner nahezu ständig vorhandenen Wolken. Perito Moreno benannte ihn nach dem englischen Kapitän Robert Fitzroy. Charles Darwin reiste auf seinem Schiff, der Beagle, nach Südamerika und kam schließlich zu dem Schluss, dass Patagonien "Teufelsland" sei und seine Bewohner hielt er für "Affenmenschen". War diese Aussage eines Wissenschaftlers mit am systematischen Genozid der Ureinwohner Südamerikas durch die europäischen Einwanderer schuldig?

1937 scheiterte die erste Expedition zum Gipfel des Monte Fitz Roy durch eine italienische Gruppe von Bergsteigern. Auch alle in den 40iger Jahren unternommenen Gipfelversuche scheiterten. Erst am 2. Februar 1952, heute vor 63 Jahren, gelang den Franzosen Lionel Terray und Guido Magnone die Erstbesteigung, nachdem sie sich 1951 noch vergebens darum bemühten. (Outdoor, S. Seligmann, Argentinien Patagonien: Monte Fitz Roy)

3. 2. 2015 - Mit einem breiten Grinsen im Gesicht

4.50 Uhr klingelt der Wecker an meiner Armbanduhr und ich höre ihn sogar. Ein Blick hinaus durch die Wipfel der Bäume auf den Sternenhimmel. Danach ging es schnell wie bei einem Manöver. 5 Uhr verlies ich den Campamento Poincenot in Richtung Laguna los Tres Es herrschte stock finstere Nacht aber ich musste bald meine Stirnlampe herausholen, da ich die Unebenheiten auf dem Trail nicht früh genug sah. Zügigen Schrittes nahm ich in 20 Minuten den ersten Kilometer. Für den zweiten Kilometer benötigte ich die doppelte Zeit. Das ist schon mal ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Trail kein Zuckerschlecken ist, auch wenn er nur zwei Kilometer lang ist und man zunächst glaubt das einfach weg zu stecken. 

Als der Anstieg heftiger wurde, kam ich mächtig in den Bereich der "schweren Atmung" hinein. Der Pfad schlängelte sich eine steile Gebirgsflanke hinauf. Dabei hatte man ihn schon etwas entschärft und Serpentinen mit Natursteinstufen angelegt. Aber bei der Geländesteilheit fallen auch Steinstufen sehr schwer. Auf dem Trail herrschte schon geschäftige Betriebsamkeit, was man an der Anzahl der Lichter auf dem Trail in der Dunkelheit gut erkennen konnte. Obwohl ich mich zur Mäßigung beim Aufstieg entschied, denn ich wollte ja nicht "klitschnass" oben ankommen, da ich nur meine Daunenweste, Handschuhe und Wollmütze als zusätzliche Kleidungsstücke im Tagesrucksack dabei hatte, falls es beim Warten auf den Sonnenaufgang etwas kühler werden sollte. 

Und das war gut so, denn nach gut einer Stunde hatte ich auch den letzten Moränenhang erklommen. Zuvor gab es schon einen kleinen "Wau-Effekt", denn beim Umgehen einer Felsstufen auf einem flacheren Trailabschnitt taucht wie aus dem Nichts heraus plötzlich Monte Fitz Roy vor mir auf. Da die Morgendämmerung am östlichen Himmelsrand schon deutlich vorangeschritten war und die Felsgruppe aus hellem Granit besteht, strahlte er mich förmlich an und schien mich zu dem bevorstehenden Morgenereignis begrüßen zu wollen.

Ich hatte noch genügend Zeit wieder zu Atem zu kommen und die Fotoausrüstung in Position zu stellen. Für die Müsliriegelbelohnung als Frühstücksersatz gab es auch noch Gelegenheit. Der Rest bestand aus Warten, bis die ersten Morgenstrahlen der Sonne die Granitfelsen des Monte Fitz Roy Massivs trafen. Bis dahin betraten immer mehr Frühaufsteher den Moränenkamm.

Dann war es soweit und die ersten Strahlen der Sonne trafen auf den 2000 m senkrecht in den Himmel ragenden Fels und tauchten ihn in ein liebliches rötliches Licht. Da war er wieder der "Wauuuuuu-Effekt" mit anschließendem offen stehendem Mund. Ich bin gespannt, ob die Fotos dieses Ereignis einigermaßen Wiederspiegeln können.

Insgesamt hielt ich mich 4 h da oben auf, denn ich fand in der umgebenden Bergwelt aus Fels, Gletschern und Lagunen unzählige Fotomotive. Auch eine Bergsteigerseilschaft konnte ich lange beim Aufstieg über den Los Tres Gletscher beobachten. Möglicherweise war eine längere Schönwetterperiode angebrochen, die sie zur Besteigung des Monte Fitz Roy nutzen wollten. Erst 11 Uhr begann ich mit dem Abstieg, da waren die meisten Frühaufsteher schon lange wieder auf dem Rückweg und die ersten Tagestouristen, die diese Tour von El Chalten aus gehen, waren noch unterwegs zu ihrem Tagesziel. 

Beim Abstieg ging es leichter voran, wobei ich aus Erfahrung weiß, dass man die Konzentration auf die Schritte hochhalten muss, damit man die Sturzgefahr minimiert. Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass ich den Rest des Tages mit einem breiten Grinsen im Gesicht unterwegs war. Erst recht als mir die Aufstiegswilligen Schweiß gebadet, die Maschinen liefen auf Vollast, entgegen kamen. Mit einem fröhlich Hola! begrüßte ich alle. Die meisten hatten noch Puste und grüßten zurück. Aber bei einzelnen, war das nicht mehr drin. 

12 Uhr konnte ich dann mein "Frühstücks-Mittagessen" zubereiten und 14 Uhr begann ich den Marsch nach El Chalten. Mit meinem Gepäck an den Schultern war ich nun derjenige, der von den Tagestouristen mit ihrem leichten Tagesrucksack oder nur mit Wasserflasche bewaffnet, belächelt wurde. Auch die im Laufe von 3 h immer schwerer werdenden Rucksackkilos konnten diesen Tag nicht mehr trüben, denn das Grinsen im Gesicht war immer noch da und die Sonne strahlte weiterhin von einem fast makellos blauen Himmel herunter. Selbst dann nicht, als ich den Panoramablick auf das Fitz Roy Massiv vorerst hi2. 2015 - Seine Majestät himself, Cerro Torre gibt sich die Ehrenter mir zurücklassen musste. Dafür trat die Aussicht in Tal des Rio Vueltas in den Vordergrund. Dieses Tal hatte ich Tage zuvor, auf der Straße im Talgrund vom Lago del Desierto kommend, schon einmal durchschritten.

Nach dem Zeltaufbau gönnte ich mir Brot mit Dulce de Leche, der "Nutella Südamerikas". Diese süße Belohnung hatte ich mir verdient.

4.-7. 2. 2015 - Warum geht das nie ohne Hundebiss ab?

Für den 4. 2. 2015 hatte ich ein Busticket nach El Calafate gebucht. In solchen Touristenzentren zahlt es sich immer aus, wenn man zeitig genug weiß was man will, dann kann man die Ticketbuchungen ohne Stress bewältigen und muss nicht nehmen was, oder besser gesagt, wann "etwas übrig" ist. Das schränkt möglicher weise den persönlichen Entscheidungsspielraum ein, falls man plötzlich doch etwas länger vor Ort bleiben möchte. Ich sage mir dann immer, was verpasse ich schon? Der nächste Ort hält garantiert das nächste Abenteuer bereit.

Mit einer halben Stunde Verspätung startete der zweistöckige Bus auf die knapp über 200 km lange Tour nach El Calafate.

Dieser Ort am Südufer des Lago Argentino hat sich in den letzten Jahren wegen des Tourismus stark ausgeweitet und zählt heute 22.000 Einwohner. Ihren Namen verdankt sie dem Calafate-Strauch mit seinen blauen Beeren. Wer davon nascht, der kommt nach Patagonien zurück, so eine alte Weisheit der Ureinwohner dieser Region. Die strategisch günstige Lage zwischen dem Paque Nacional Torres del Paine (Chile) und der Capital National del Trekking, El Chalten, im nördlichen Teil des Parque Nacional Los Glaciares aber vor allem der nur 80 km entfernte Gletscher Perito Moreno beflügelte "touristische Zugpferd" die Entwicklung von El Calafate. Jenseits der aufgepeppten Touristenhauptstraße Avenida Liberatador lässt die "Hochglanzpracht" der Stadt schnell nach. Aber schön an zu sehen ist die Prachtstraße, gespickt mit Restaurants, großen und kleinen Souvenierläden und Tour-Agenturen, durchaus. Einen Bummel rauf und runter mit dem Durchstöbern der Auslagen ist sie allemal wert. 
Vom zentralen Busbahnhof zog ich meinen nun "Deichsel losen" Fahrradanhänger hinter mir her und fand das Hostel mit Hilfe der Stadtplaninformationen, die ich von den freundlichen Damen der Touristinformation im Busbahnhof gereicht bekam.
 
Das I Keu Ken Hostel war nun für die nächsten 4 Nächte mein Ruhepol. Den ganzen Tag die Füße hoch legen und chillen, war nicht angedacht, denn ich hatte das "kleine Programm" zu füllen, bestehend aus Wäsche waschen oder -lassen, Schuhe reparieren, Prachtstraßenbummel, Verkauf des Fahrradanhängers, Essen besorgen und zubereiten, Pläne schmieden für die Zeit nach Patagonien, Recherchieren von Möglichkeiten, Ticketkäufe für Flugzeug und Busse, Bilder sichern auf der mobilen Festplatte und Lücken im Tagebuch füllen. Mehr habe ich mir nicht auferlegt, denn ich wollte ja mal keinen "Fulltime-Job", wie in den letzten Wochen.

Der Zeitgestaltung nach Patagonien widmete ich mich zuerst. Sehr schnell erzielte ich Klarheit darüber, dass die Zeit bis zu meinem Flug von San Carlos de Bariloche nach Buenos Aires ausreichte, um das Ende der Welt (Fin el Mundo) in Ushuaia auf Feuerland zu erreichen. Zack, zack wurden die Eckpfeiler dieses bisher nicht geplanten Reisebausteins organisiert. Mit dem Verkauf des Fahrradanhänger hatte ich zunächst kein Glück, da ich den Fahrradladen mehrfach geschlossen vorfand und keine Öffnungszeiten vermerkt waren. Erst nach mehreren Anläufen erhielt ich die Information, dass der Fahrradhändler kein Interesse hegte, aber ich solle es mal beim Chef des Hotels Sierra Nevada, 8 Blocks weiter die Hauptstraße entlang nach Westen versuchen, dieser suche einen Fahrradanhänger. Die freundliche Rezeptionistin gab mir für den nächsten Tag einen Termin mit Senior Bellini.

Das schließen der Lücken im Tagebuch fiel nicht ganz so leicht, da teilweise schon mehrere Wochen ins Land gegangen waren und die Erinnerungen nicht mehr Tau frisch waren. Alle anderen Dinge passten irgendwie noch dazwischen, ohne dass das in Stress ausartete.

Leider hatte ich beim Termin mit Senior Bellini kein Meisterstück von deutscher Gründlichkeit und Pünktlichkeit abgeliefert. Aber der Herr war sehr freundlich und empfing mich in lässiger Freizeitkleidung. Was kann man denn für einen neuwertigen, aber auf der Carretera Austral mächtig in Mitleidenschfaft gezogenen Fahrradanhänger aus deutscher Produktion verlangen? Den Neupreis von170,- €, ausgeschlossen? 50% oder mehr oder weniger? Meine Rechnung ging so: 170,-€ + Transportkosten (70,- € Frankfurt-Santiago, 60,-US$ Santiago-Puerto Montt). Unterm Strich großzügig gesehen 300,- US$ minus 50% Abnutzung, macht 150,- US$. Wir bauten vor seinem Privatgrundstück die Kupplungsvorrichtung an sein Fahrrad, hingen den Hänger an und er drehte eine Proberunde. Hinter der Grundstücksgrenze mit einem Gitterstabzaun tobte derweil sein deutscher Schäferhund. Irgendwie bin ich beim Montieren zu nah an den Zaun herangekommen. Die tobende Bestie schob den Kopf durch die Gitterstäbe und biss mich in den "Arsch". Autsch, gleich mal nach schauen wie die Wunde aussieht. Es waren nur leichte Kratzer auf der linken Pobacke zu sehen, aber die Hose hatte nun ein "Briefträgerloch". Der Hund wäre gesund und gegen Tollwut geimpft. Ich war es auch, so dass wir zum geschäftlichen Teil kamen. Ich präsentierte ihm meine Rechnung und er akzeptierte völlig überraschend anstandslos. Hatte der "Arschbiss" seines Hundes den Ausschlag gegeben?

150,- US$ + die mindestens 70,- € fälligen Transportkosten für einen Rückflug nach Deutschland sollten doch für die Neuanschaffung eines Fahrradanhängers reichen. Alle hatten von diesem Deal etwas davon. Vor allem ich, denn ich hatte eine lädierte "Arschbacke" und eine kaputte Hose. Dumm gelaufen, würde der Eine oder Andere dazu sagen.

Und zu guter Letzt mal was sehr schönes, denn Peggy befand sich bereits im Anflug auf Argentinien und es würde nicht mehr sehr lange dauern, bis sie in El Calafate landete. Genug Zeit um beim Autoverleiher Alamo in der Stadt noch den Mietwagen abzuholen und zum "Flughafendate" zu fahren.

8. 2. 2015 - Perito Moreno Gletscher

Als erstes Highlight stand der Besuch der Gletscherfront des wahrscheinlich bekanntesten und imposantesten Gletschers Südamerikas, dem Perito Moreno Gletscher, an. Diesen erreicht man von El Calafate aus über die Routa Nr. 11 Richtung Westen nach ca. 80 Kilometern. Also keine unmenschliche Entfernung im weiten Patagonien für eine Tagestour. Wir konnten es also ruhig angehen lassen und den Vormittag entspannt mit einem Frühstück im Hostel beginnen. Nach einigen Verpflegungsbesorgungen starteten wir erst am frühen Nachmittag unsere Tagestour. 
Schon nach 7 Kilometern gab es den ersten Zwischenstopp am Glaciarium. Dort konnten wir uns auf die Begegnung mit dem fließenden Eis einstimmen und einige interessante Einblicke in die Welt der Gletscher gewinnen. Das Campo de Hielo Sur ist die Geburtsstätte einer Vielzahl von Gletschern die als zäher Eisstrom aus den schneereichen Hochlagen zu Tal fliesen. Dieser Teil der Südamerikanischen Anden bietet den vom Südpazifik heran rauschenden feuchten Westwinden die Stirn und zwingt sie zum Aufsteigen. Bei ihrem Weg über das Gebirge kühlen sie ab, kondensieren und bilden dicke niederschlagsreiche Wolkenpackete aus denen es in den Hochlagen im Jahresverlauf Meterweise schneit. Schicht auf Schicht lagerte sich übereinander. Danach durchläuft jede Schneeflocke eine Methamorphose vom filigranen Eisgebilde über den körnigen Firn zum kompackten Gletschereis. Das besondere daran, auch Wasser in fester Form kann fließen. So lauten seine Traumfigurmaße des Perito Moreno Gletschers heute 30-5-60, was bedeutet, 30 km Länge, 5 km Breite und durchschnittlich 60 M Höhe an seiner Gletscherstirn. Der Perito Moreno Gletscher hält nicht so viel von globaler Erwärmung und Gletscherabschmelzung, denn er behält seine Ausmaße weitestgehend konstant. Ab und an rückt er auch weiter vor. Zwischen 1917 und 2012 hat er so 19 mal den Brazo Rico, einen Seitenarm des Lago Argentino abgeriegelt (Lonely Planet). Dem steigenden Wasserdruck konnte er nie dauerhaft standhalten, so dass das entstandene Gletschertor jeweils spektakulär mit lautem Getöse einstürzte.
 
Der Gletscher soll pro Tag ca. 2 m weiter vorrücken (Loneley Planet), so dass es an seiner Kilometer langen Gletscherstirn häufig sehr spektakulär wird, wenn hohe Eistürme abbrechen und tosend in den Lago Argentino stürzen. An jenem Abend unseres Besuches standen wir mit einem jungen argentinischen Pärchen verlassen von den hunderten Tagestouristen auf der Aussichtsplattform in ungefähr 600 m Entfernung vor der hochhaushoch aufragenden Gletscherstirn. Die Frau hielt ihren Fotoapparat ständig "schussbereit" auf die höchsten Gletschertürme. Ich dachte noch, dass sie ja sehr großes Vertrauen in ihre Vorsehung hat, dass gerade jetzt dieser Teil der Eistürme abbricht. Ich hatte am Ende zwei Fotos. Ein Foto vor dem Eisfall und ein Foto nach dem Eisfall. Sie hatte eine Videosequenz vom Einsturz eines riesigen Eisturmes. Wir waren zwar Zeugen dieses lauten Spektakels, hatten aber keines unserer Aufnahmegeräte "schussbereit". Peggy bat sie, uns dieses Video per Mail zu schicken. Sie versprach uns dies im Austausch mit meinen Vorher-Nachher-Bildern zu tun. Wir sind gespannt darauf, ob es klappt. 

Später, als wir unser Abendessen bereiteten, waren wir sogar ganz allein auf der Aussichtsplattform, aber einen weiteren Eisfall aus allernächster Nähe bekamen wir nicht mehr zu Gesicht. Lediglich das Getöse weiter entfernter Eisstürze drang gelegentlich an unsere Ohren.

Da sich die Wolken immer weiter auflösten, bestand am nächsten Morgen die Möglichkeit den Sonnenaufgang über dem Perito Moreno Gletscher von einer Aussichtsplattform zu erleben. Einziges Problem - wir befanden uns in einem Nationalpark. In diesen ist, so glaube ich weltweit, kein Camping möglich. Auch das Übernachten im Auto auf dem Parkplatz war uns zu heiß, so dass wir, wie von der Nationalparkverwaltung per Aushang mitgeteilt, die Aussichtsplattform 22 Uhr verließen und zu nächtlicher Stunde auch wieder die Grenze des Südlichen Teils des Parque Nacional Los Glaciares erreichten.

9.-13. 2. 2015 - Es geht noch einmal nach El Chalten

Die Wettervorhersage für El Chalten (PN Los Glaciares - Nordteil) und den PN Torres del Paine unterschieden sich dahingehend, dass im Gletscher NP besseres Wetter vorhergesagt wurde. Deshalb entschieden wir uns zunächst nach El Chalten zu fahren, obwohl ich es gerne anders herum gehabt hätte, um wegen der Entfernung und dem nötigen Grenzübertritt (Argentinien/Chile) nicht mit dem Abflugtermin von Peggy Zeitprobleme zu bekommen.

Wir folgen zunächst der Routa 11 am Südufer des Lago Argentino. Am östlichen Seeufer stößt diese Straße auf die Routa 40 auf die wir nach Norden abbogen und später das Ostufer des Lago Viedma erreichten. 21 km später verlassen wir die Routa 40 Richtung Nordwesten wieder und folgen der Routa 23 lange am nördlichen Seeufer bis die Straße sich vom Seeufer entfernte. Kurven spielen auf diesem Stück eine untergeordnete Rolle, denn der Straßenverlauf wurde hier offenbar mit dem Lineal gezogen. Gut so, denn wir hatten lange vor El Chalten den Blickfang des Fitz Roy Massivs vor uns. 

An der Nationalparkverwaltung hielten wir zuerst, um aktuelle Informationen zur Wetterentwicklung zu erhalten. Für die folgenden 2 Tage sollte der Wind ziemlich heftig wehen, deshalb bauten wir unser Zelt auf dem Zeltplatz El Relincho hinter einem Windschutzzaun auf, da der Wind schon jetzt heftig war. In der Reception/Aufenthalts- und Küchengebäude konnten wir windgeschützt unser Abendmahl bereiten und die Energiereserven unserer elektronischen Aufnahmegeräte für die kommende Mehrtageswanderung aufladen.

Am nächsten Vormittag starteten wir bei strahlendem Sonnenschein zur Laguna Torre, nachdem wir beim Frühstück mit einer deutschen Familie ins Gespräch kamen, die seit einigen Jahren in Santiago de Chile lebte, da die Frau an der Deutschen Schule als Lehrerin arbeitete. Eine gute Gelegenheit einige Infos zum Auslandslehrereinsatz zu erhalten. Ihr Credo über ihre Erfahrungen bei diesem Auslandslehrereinsatz lautete: "Ich habe noch nie so viel, aber auch noch nie so gern als Lehrerin gearbeitet". Das klang vielsagend. Sie konnte uns die Deutsche Schule in Santiago de Chile wärmstens ans Herz legen.

Am Mirador los Torres mussten wir wie vermutet feststellen, das der Gipfel des Cerro Torre wieder einmal hinter dicken Wolken versteckt blieb. Es war sogar noch schlimmeres zu befürchten, denn die Wolkenwand über dem Cerro Torre rückte Unheilbringend immer näher. Einzelne Regentropfen trieb der heftige Wind schon heran. Wir schafften es gerade noch so vor dem einsetzenden Dauerregen unser Zelt auf zu bauen. Später zogen wir es außerdem vor unser Tarp noch zusätzlich zu spannen um ein trockenes Plätzchen für die Essenzubereitung zu erhalten.

Die ganze Nacht und den nächsten Vormittag hielt der Regentropfentrommelwirbel noch an und ein Aufstieg auf den Mirador mit Traumblick zum Cerro Torre erübrigte sich damit. Nach dem Frühstück hüllten wir uns noch einmal in unsere Daunenschlafsäcke und warteten die Wetterentwicklung mit einem Vormittagsschläfchen ab. Wie erhofft, lies der Regen nach und hörte später ganz auf. Zu unserer Überraschung stimmte die Vorhersage von aufkommendem Starkwind nicht.

Erst am frühen Nachmittag brachen wir zum Campamento Poincenot auf. Zu unserem Vorteil setzte sich die Wetterbesserung immer weiter fort und als der Fitz Roy mehr und mehr die "Bühne" betrat konnten wir über diesen steil aufragenden Granitklotz nur so staunen. Zwar jagten noch Wolken über und um die Gipfelregion, aber weiter in östlicher Richtung lösten sich die Wolken allmählich auf. Nach unserer Ankunft auf dem Campamento Poincenot umspielten immer noch Wolken die Gipfelregion, boten aber ein schnelles Wechselspiel von sich verändernden Wolkenverhältnissen.

Wir hatten uns entschieden am Campamento Poincenot zu bleiben, da es von da aus möglich war interessante Abstecher zu wandern. So kannte ich den Abstecher zur Laguna Piedras Blancas und dem gleichnamigen Gletscher noch nicht. Den Tag begannen wir aber noch vor dem Sonnenaufgang, denn die Chance rot leuchtende Felsen in der aufgehenden Morgensonne zu sehen, übte eine Große Anziehungskraft auf uns aus. Obwohl die Nacht und und der Morgen sehr frisch waren, krabbelten wir aus unseren Schlafsäcken und brachten unsere Kameras in Stellung, denn das "Rotlichtspektakel", wenn es überhaupt stattfand, dauerte nur wenige Minuten. Die Wolken begannen sich über dem Fitz Roy Massiv leicht rötlich zu färben, aber auf die Färbung der Felsen warteten wir leider an diesem Morgen vergebens. Wahrscheinlich waren zu viele Wolken am östlichen Horizont unterwegs.
Etwas enttäuscht vergruben wir uns noch einmal tief in unsere Daunenentüten und schliefen noch einmal richtig ein. Erst um 10 Uhr war der Frühstückshunger so übermächtig, dass wir den ersten Löffel Porige kaum erwarten konnten.

Abgefüttert starteten wir um die Mittagszeit zur ersten Abstechertour. Zunächst folgten wir dem Weg Richtung Laguna Los Tres. Nach der Brücke über den Rio Blanco führte der Weg in den Wald und bog dort ab. Der Trail folgte dem Rio Blanco Fluss abwärts bevor er in ein Seitental abzweigte. Von da an war immer mal wieder leichtes Klettern über oder um Einfamilienhaus große Granitbrocken und Boulderhopping über "junge Felsen" nötig, um der Laguna Piedras Blancas näher zu kommen. Sehen konnten wir sie noch nicht, aber der hoch über uns aufragende mächtige gleichnamige Hängegletscher und der Gletscherabfluss legten uns die nahe Existenz einer Gletscherlaguna nahe. Gewaltig welche Arbeit der Gletscher in der Vergangenheit geleistet hatte, denn die mächtigen Seitenmoränen die neben uns hoch aufragten, enthielten riesige Gesteinsbrocken. Ab und an musste sich so ein Klotz Richtung Schwerkraft in Bewegung setzten, denn am Talgrund gab es eine "Granitklotzvollversammlung", da das feinere Material vom Niederschlag ausgewaschen und vom Gletscherabfluss weiter transportiert wurde.

Der Anblick des mächtigen Hängegletschers über der Laguna war schon sehr imposant. Nach einigen Fotos traten wir den Rückweg an, denn wir hatten noch einen zweiten Tagesabstecher vor.

Zurück am Campamento gab es einen kleinen Mittagslunch. Danach brachen wir zur Laguna Sucia auf. Nach der Brücke über den Rio Blanco zweigte der Trail zu dieser Laguna in die entgegengesetzte Richtung zur Laguna Piedras Blancas ab. Allerdings gab es kein Hinweisschild. Am rechten Ufer folgten wir nun dem Rio Blanco Fluss aufwärts teilweise anstrengend über große Flussschotterbrocken bis zur Schlüsselstelle dieser Tour. Eine Kletterpartie im 1-2 Schwierigkeitsgrad war nötig dieses Minidurchbruchstal zu überwinden. Dann folgte wieder Boulderhopping am unteren Rand der Gletschermoräne. Dieser Abschnitt ist nicht ganz ungefährlich, da große Brocken über uns aus der Moräne ragten und hoffentlich für den Moment unserer Anwesenheit auch da blieben. 

Die Laguna Sucia bot wieder einen sehr beeindruckenden Anblick mit den steil aufragenden Granitwänden und der über der Laguna thronenden breiten Hängegletscherfront.
Auch diesen Rückweg meisterten wir ohne Probleme.

Wir haben hoch gepokert und alles auf die letzte Karte gesetzt. Und es hat wieder mal geklappt, denn der nächtliche Himmel zeigte sich an diesem Tag 5 Uhr morgens Sternen übersät. Eine gute Gelegenheit den Sonnenaufgang an der Laguna Los Tres an der Basis des Monte Fitz Roy zu erleben. 5.15 Uhr waren wir mit zig Gleichgesinnten auf dem Weg. Der schmale Schein unserer Stirnlampen wies uns den rechten Weg. Dieser erforderte bald einen ziemlich hohen Kraftaufwand um die zunehmende Steigung zu überwinden. "Mit Geduld und Spucke fängt man jede Mucke", so dass auch wir nach ca. einer Stunde Kniedurchdrücken den obere Rand der Gletschermoräne erreichten. Dort strahlten uns schon die im Morgenlicht hell leuchtenden Granittürme des Fitz Roy Massivs an. Wir warteten gespannt auf den Moment, bis die ersten Sonnenstrahlen den Morgenschatten Stück für Stück vertrieben und die Granittürme sich im leuchtend rötlichen Farbton zeigten. Ein paar Wolkenfelder am Morgenhimmel verhinderten zwar das absolute "Rotlichtereignis", aber ein Erlebnis ist es trotzdem immer wieder zu beobachten wie die Felsen innerhalb kurzer Zeit ihren Farbton änderten. Diesmal war es sogar sehr windstill, so dass es sich lohnte, dass Spiegelbild des Monte Fitz Roy in der Laguna los Tres zu fotografieren. 

Nach dem Blick auf die weit unter uns liegende Laguna Sucia begaben wir uns auf den Rückweg, der wieder einmal von einem breiten Grinsen in unseren Gesichtern begleitet war. 
Am frühen Nachmittag erreichten wir nach einem Traumtag den Zeltplatz El Relincho in El Chalten, wo wir Finger dick bestrichenes Brot mit Orangenmarmelade und Dulce de Leche genossen und uns den Schweiß der vergangenen Tage herunter duschten. 
Ein kleiner Spaziergang durch den Ort machte wieder Hunger auf ein Pastagericht bevor wir in unserem Zelt zufrieden in die Schlafsäcke krabbelten.

14. 2. 2015 - Wer kann die meisten Bananen essen?

Heute zum Valentinstag stand für uns der Wechsel in ein anderes Trekkinggebiet an. Die Luftlinienentfernung zum Parque Nacional Torres del Paine im Süden des Campo de Hielo Sur in Chile ist nicht so entsetzlich hoch. Aber die tatsächliche Erreichbarkeit ist nur über das Straßennetz möglich. Da kommen ca. 400 km zusammen plus ein internationaler Grenzübertritt. Dafür dürfte ein ganzer Tag drauf gehen. Noch ein paar Obst- (Bananen, Apfelsinen) und Gemüsevorräte (Tomaten, Paprika und Gurke) ergänzt und ab ging es mit einer steifen Briese Rückenwind hinaus in die endlosen Weiten des argentinischen Patagoniens. Es wurde dann für Stunden ziemlich langweilig, denn visuelle Highlights hat das argentinische Patagonien östlich des Anden Hauptkammes nicht überreichlich zu bieten. Vielen Fahrzeugen begegnet man auch nicht. Erst ab dem Abzweig nach El Calafate wurde die Fahrzeugdichte etwas höher. Ab und an quälten sich Fahrradtrekker im Wind über die Straße mit sehr viel Zeit um darüber nach zu denken, was sie da gerade taten.

Teilweise verläuft die Strecke auf der legendären Routa 40. Wir durften mit unserem Mietwagen die Routa 40 ab El Cerrito als Abkürzung nicht nutzen, da die Straßenbedingungen (Gravel Road) sehr schlecht sein sollen. Für uns ging es auf Asphalt weiter bis Esperanza, der einzigen Gelegenheit weit und breit um Nachzutanken. Dementsprechend reichlich war der Andrang an dieser Tankstelle.

Ab Esperanza führte die Straße wieder nach Westen bis sie kurz vor der argentinisch-chilenischen Grenze nach Süden abbog. Ein 6 km langer Gravel Road-Abzweig führte zum argentinischen Grenzposten. Dieser sah ziemlich verlassen aus, denn nur wenige Autos hielten dort und die Grenzformalitäten waren schnell erledigt. Dann ging die Fahrt weiter zum chilenischen Grenzort Cerro Castillo. Dort erwartete uns eine Menschenschlange an den Schaltern, denn ein Bus nach dem Anderen traf an diesem Grenzposten ein. Auch die Erkenntnis, dass nach Chile kein frisches Ost und Gemüse eingeführt werden darf, erwachte wieder in meinem Gedächtnis. Darüber wachen sehr penibel die Angestellten des Landwirtschaftsministeriums. Ich wußte das zwar, hatte es aber irgendwie wieder verdrängt. Nun war guter Rat teuer. Wir gingen zum Auto zurück und begannen unser Bananenwettessen (6 Stück). Wer würde wohl die meisten davon schaffen? Peggy schaffte eine und ich zwei ohne mit der Wimper zu zucken, bei allen Weiteren vermehrte sich der Bananenbrei irgendwie immer mehr in unserem Mund. Das frische Gemüse händigten wir der Beamtin freiwillig aus, denn unser Bedarf an etwas Frischem war bereits randvoll gedeckt. Schade drum, aber nicht zu ändern. Nun erfüllten wir die Bedingungen für einen problemlosen Grenzübertritt, denn die abgepackten, bereits der Verarbeitung unterlegenen Nahrungsmittel nickte die Beamtin beanstandungslos ab.

Nun wieder im chilenischen Teil Patagoniens rollten wir den Bergen zunächst wieder auf Asphalt entgegen. Am Lago Sarmiento ging es dann weiter auf der Gravelroad. Dafür waren wir aber im "Freiluftgehege" des patagonischen Zoo`s unterwegs, denn rechts und links der Straße fehlten die Zäune als Kennzeichnung von Privatbesitz und Weidelandbegrenzung, so dass wir sehr vielen Guanacos am Straßenrand begegneten. Sogar einige Nandus (Straußen ähnlicher flugunfähiger Vogel Südamerikas) konnten wir beobachten. Dann waren wir auch schon an der Laguna Armaga die einige Flamingo Kolonien als Überraschung präsentierte (das soll ein sehr seltenes Ereignis sein).

Wenig später erreichten wir an der Porteria Laguna Amarga die Grenze zum Parque Nacional Torres del Paine. Dort durften wir dann den Parkeintritt von 36.000 chilenischen Pesos bezahlen. Der Weg war nun frei zu unserem angestrebten Tagesziel Hotel, Refugio y Campamento Las Torres. Dieses lag komischer Weise innerhalb der Nationalparkgrenzen auf einem riesigen Privatgelände.

Unsere Taktik sah folgender Maßen aus, um so viel wie möglich vom "Trekking-W" zu schaffen. Die schwierigen Aufstiege zur Basis der Torres und zum Campamento Britanico bzw. dem Mirrador wollten wir nur mit Tagesgepäck angehen und jeweils zum Zelt zurückkehren. Zwischen den beiden Aufstiegen waren dann nur zwei Wandertage unter Vollast (Zelt, Schlafsack, Verpflegung,...) zwischen dem Hotel Las Torres und dem Refugio y Campamento Los Cuernos bzw. Campamento Italiano zu bewältigen um zu unserem Mietwagen zurück zu gelangen. Da wir keine Ahnung davon hatten, ob es möglich war, am Ende des "W" mit öffentlichen Bussen zum Mietwagen problemlos und ohne Zeitverzug zurück kehren zu können, ließen wir uns auf dieses Wagnis nicht ein und verzichteten mit der Wanderung zum Glaciar Grey auf den letzten Schenkel des "W", denn wir hatten ja schon den Perito Moreno Gletscher als "Non Plus Ultra" der Gletscher dieser Region gesehen.

15. 2. 2015 - 525 Minuten auf der "Ameisenstraße" zu den Torres del Paine und zurück

Auf der Königsetappe waren wir 8.45 h (mit Pausen) auf Schusters Rappen unterwegs um das Highlight des Parque Nacional Torres del Paine mit eigenen Augen zu sehen. Dabei waren wir überrascht, wie viele Trekker diesen Weg pro Tag auf sich nehmen, denn dieser Trail ist wirklich kein Sonntagsspaziergang. Die Entscheidung diese 18 km nur mit Tagesrucksack zu absolvieren, war eine gute Entscheidung, obwohl sich die Traillänge als Tageswanderung dadurch verlängerte. Die Alternative wäre gewesen, mit dem kompletten Wanderrucksack bis zum Refugio Chileno (2 h fast ausschließlich bergan) oder noch weiter bis zum Campamento Torres (noch einmal 1,5 h) zu wandern. In letzterem Fall wäre die "Anreise" zur Basis der Torres del Paine mit einer Stunde steil bergan wandern sehr schnell zu erreichen gewesen. Allerdings "bezahlt" man das Hinaufschleppen des Rucksackes bis zu den Zeltplätzen mit Millionen von Schweißtropfen und mindestens 2 Wandertagen.

Wir entschieden uns vor allem aus Zeitmangel für die Eintagesetappe vom Refugio las Torres aus. 10.10 Uhr waren wir frohen Mutes auf der Strecke und konnten an Hand der Tourbeschreibung (Outdoor-Der Weg ist das Ziel, Dirk Heckmann, Chile: Torres del Paine Circuito) nur erahnen, was uns bevor stand. Vor uns und hinter uns waren zig andere "mutige" Wandersleute mit dem gleichen Ziel unterwegs. Es sah von weiten wirklich wie eine "Ameisenstraße" aus. Je weiter wir aufstiegen, kamen uns auch die "ganz Fitten" mit ihren schwer bepackten Rucksäcken bergab entgegen. Der Trail führte über einige "Vorhügel" ins Valle Ascencio hinein und folgte zunächst weit oberhalb dem Rio Ascencio. Hinter einer Felskuppe traf uns dann die volle Breitseite des kalten Fallwindes. Bei einem bereits jetzt durchgeschwitzten T-Shirt keine angenehme Begleiterscheinung. Also schweißnasses T-Shirt ausgezogen und zum Trocknen an den Tagesrucksack gehängt und die Softshell übergestreift. Bergauf-bergab erreichten wir das Refugio Chileno und nach einer kurzen Rast folgten wir weiter der "Ameisenstraße". 

Das T-Shirt war im Wind längst wieder getrocknet und der Fallwind im Wald nun nicht mehr so stark zu spüren. Weiterhin beraubte uns der Wegverlauf unserer Kräfte. Aber auch die Gleichgesinnten hatten schwer zu schuften um eine Anhöhe nach der anderen zu nehmen. Falls doch noch eine/r dabei war, der mit dem Wegprofil bisher keinerlei Probleme hatte, bekam sie kurz nach dem Passieren des Campamento Torres definitiv. Denn der Weg bog nun ab zur Basis der Torres del Paine. Ab diesem Moment war definitiv Schluss mit "lustig". Im "Schneckentempo" schoben sich nun die "Wanderameisen" über das Geröllfeld und durch die Miniwaldflecken steil bergan. Höhenmeter um Höhenmeter wurde schwer erkämpft bis der Geröllwall erklommen war. Dann fiel der Blick endlich, endlich auf die Laguna, den Glaciar Torres und die Granittürme der Torres del Paine. Sie gaben dem Nationalpark ihren Namen. Ab und an erhellte die Sonne durch ein paar Wolkenlücken die Basis der Granittürme. Über diese rannen, glänzenden Bindfäden gleich, hunderte Wasserrinnsale in die Laguna. Diese wiederum leuchtete türkisblau. Der helle Granit der Torres und die unterschiedliche Färbung der umgebenden Bergflanken komplettierten das Farbeninferno. Für diesen Anblick hatte sich jeder einzelne Schweißtropfen gelohnt. Windgeschütz genossen wir diesen Anblick während einer längeren Pause.

Irgendwann muss es aber dann doch sein, Abschied nehmen. Zum Einen bekommt man diesen Anblick nicht so einfach wieder geboten und zum Anderen weiß man, welcher Rückweg einem bevor steht, denn lange Zeit bergab Wandern ist auf Dauer auch sehr anstrengend. 

Froh, auf der "Ameisenstraße" auch diesen Teil der Tageswanderung gemeistert zu haben, gönnten wir uns auf den letzten Metern ein Eis als Teilkalorienspende. 

16. 2. 2015 - Wie weit tragen uns unsere Beine Heute?

Nach der gestrigen anstrengenden Tagesetappe stand für heute der Zeltplatzwechsel an. Welcher Campamento es sein würde, hing ganz wesentlich von unserer Kondition ab. Die erste Zeltmöglichkeit gab es am Refugio Cuernos nach 11 km oder mindestens 4,5 h. Dieser Zeltplatz war kostenpflichtig. Mit 15 US$ pro Nacht und Person mussten wir rechnen, denn noch am Morgen wurden wir auf unserem bisherigen Campplatz zu eben diesen Konditionen abkassiert. Würden wir es aber bis zum Campamento Italiano schaffen, wäre der Campplatz sogar kostenfrei. Das liegt daran dass große Teile der Trailverläufe über Privatland führen. Die Eigentümer beschäftigen sich schon lange nicht mehr mit der Schafzucht, sondern betreiben auf ihrem Gelände Hotels, Refugios und Campingplätze mit der dazu gehörigen Infrastruktur. Campamentos die im Nationalparkgelände liegen sind indes kostenfrei, da ja schon ein Eintritt in den Nationalpark gezahlt wurde. Allerdings sind die Nationalpark-Campamentos wesentlich kraftaufwendiger zu erreichen.

Unseren Leihwagen konnten wir auf einem Parkplatz in der Nähe des Hotels abstellen und 
von da aus nahtlos auf den Wanderweg gelangen. Dieser führte am Fuss der steil aufragenden Gebirgsflanke des Torres del Paine NP entlang und erreichte bald den Lago Nordensskjöld. In einem munteren Auf und Ab verlief der Trail jetzt weit oberhalb der Uferlinie des Sees. Zwischen 149 m und 278 m über dem Meeresspielel bewegte sich jetzt das Geländeprofil. 

Es zeigte sich bald, dass wir nicht besonders zügig unterwegs waren. Der gestrige Tag steckte wohl noch in unseren Knochen. So fiel ziemlich zeitig die Entscheidung die erste Campmöglichkeit zu nutzen. Bis dahin musste aber noch einige Höhenmeter auf teilweise steinigem Geläuf erklommen, einige Wasserläufe überquert und die Selbstmotivation immer wieder aktiviert werden. Als Belohnung gab es immer wieder tolle Panoramaausblicke auf den Lago Nordensskjöld und seinem gegenüber liegenden Ufer. Dort konnten manchmal die bogenförmigen Gebirgsfaltungen sehr schön nachvollzogen werden, In der Thermik kreiste ein Adler und schraubte sich schwingungslos höher und höher. Auf dem See trieben Windböen Wasserhosen von einem Ufer zum anderen und die Windböen am Ufer hörte man schon von weitem die Gebirgsflanke herunter rauschen. Später erregten die Cuernos (Hörner) die Aufmerksamkeit des Wandervolkes. Einzigartig auf dieser Welt, überlagern die Reste von dunklen Sedimentschichten den hellen Granit. Weis man, dass Granit tief in der Erdkruste aus einer vulkanischen Gesteinsschmelze entsteht und in manchen Gebirgen die höchsten Punkte bildet, dann kann man ungefähr erahnen, welche gigantischen Kräfte bei einer Gebirgsbildung wirken.    

15.15 Uhr war es geschafft, denn urplötzlich, weil nicht lange vorher sichtbar, erreichten wir das Refugio und Campamento Cuernos. Mit der Suche nach einer nicht reservierten Zeltplattform hatten wir noch Glück. Später eintreffende Wanderer hatten da schon größere Probleme einen geeigneten Platz für ihr Zelt zu finden. Während wir dem Treiben gelassen zuschauen konnten, rauschte immer wieder mal eine Windböe heran und versuchte unser Zelt davon zu tragen. In diesem Zusammenhang erwiesen sich die Metallösen an den Ecken der Zeltplattform als sehr nützlich.

17. 2. 2015 - Die unberechenbare Witterung macht einen Strich durch unsere Rechnung

Es war eine unruhige Nacht, denn immer wieder rauschten die Windböen heran und brachten unser Zelt in Wallung. Als es dann dämmerte und die Zeit zum Aufstehen näher rückte zogen über das Valle del Frances dicke Wolken heran, aus denen auch Regen fiel. Im Zusammenspiel mit den vorerst letzten Sonnenstrahlen entstand vor den Cuernos ein schöner Regenbogen.

Damit war aber unsere Planung zum Campamento Britanico auf zu steigen vorerst gestorben, denn die Sichtverhältnisse waren sehr schlecht und den Aufwand nicht wert. Also verzogen wir uns zum Frühstück in die Trekkerküche und wollten dort auf besseres Wetter warten.  
Dies geschah jedoch an diesem Tag nicht mehr, denn der kalte Westwind trieb immer wieder Regen schwere Wolken heran. Wir hatten von Stunde zu Stunde weniger Lust uns dieser Witterung aus zu setzten. Stattdessen wurde es in der Trekkerküche ein Faulenzertag. Ich übernahm die Funktion des Ofenmeisters, entfachte im Stahlofen ein wärmendes Holzfeuer und widmete mich mehrheitlich der Ergänzung der bislang unvollendeten Erlebnisberichte für die Homepage. 

18./19. 2. 2015 - Wir brechen unvollenderter Dinge unsere Zelte im Torres del Paine ab

Der Blick aus dem Zelt an den Morgenhimmel verheißt immer noch keine Sichtverhältnisse in den Hochlagen die den langen Anmarschweg und schweren Aufstieg zum Campamento Britanico/Mirrador zu einem visuellen Highlight werden zu lassen, so dass wir beschlossen unsere "Zelte" im PN Torres del Paine ab zu brechen. Zwar kann es mit einem Wetterumschwung in alle Richtungen hier sehr schnell gehen, aber so recht glauben wir nicht an excellente Sichtverhältnisse. Die Wetterentwicklung im Laufe des Tages sollte uns recht geben, denn erst am Nachmittag des Folgetages klarte es so weit auf, dass wir sogar eine sehr gute Fernsicht bekamen, denn wir sahen das Torres del Paine Massiv noch aus 80 km Entfernung aufragen. Da waren wir aber schon fast in Esperanza und der Weg bis El Calafate war nicht mehr weit.

So schlugen wir ungeplanter Weise den Weg nach Perto Natales ein. Aber zunächst gab es Frühstück in der Trekker-Küche des Refugio y Campamento Cuernos. Als wir unser Gepäck geschultert hatten und den Rückweg zum Auto antraten, waren wir nicht traurig um diese verpasste Möglichkeit einen Traumausblick auf Gletscher, steile Berghänge und spektakuläre Gipfel zu bekommen, denn der körperliche Aufwand zu diesen Aussichtspunkten zu gelangen ist in diesem Nationalpark sehr hoch. Außerdem hatten wir schon von den Früchten des Calafate-Strauches genascht. Also stand dem "Nachsitzen" zu einem späteren Zeitpunkt bisher nichts gravierendes im Wege.

Wir bemerkten sehr schnell, dass es heute gut voran ging und "meiselten" die Erkenntnis in unser Gedächtnis, dass unsere alternden Body`s nach schweren Tagesetappen auch mal einen Ruhetag benötigen. Auf dem Hinweg vor zwei Tagen reichten kaum 5 h (mit Pausen) um diesen Weg zu bewältigen. Jetzt waren wir schon kurz vor dem Ablauf von 3 h (mit ca. 30 min Pause) am Ziel angekommen. Die Duschen am Campamento standen auch für nicht zahlende Gäste offen, so dass wir diese Gelegenheit nutzten um uns mit einer warmen Dusche wieder zu "rekultivieren".

Mit einem letzten Blick auf die Wolken verhangenen Torres del Paine fuhren wir Richtung Laguna Amarga und verließen den Nationalpark. Obwohl schon aus dem Nationalpark raus, befanden wir uns immer noch im "Freiluftzoo Patagonien". Diesmal zeigten sich die Magelan-Gänse, Guanacos und Zorro (Fuchs). Nach einem kurzen Zwischenstopp in Cerro Castillo, dem chilenischen Grenzposten, blieben wir auf chilenischem Gebiet und folgten der Asphaltstrasse Richtung Süden nach Puerto Natales, denn wir mussten unseren Mietwagen wieder einmal "füttern". Mit dem "Freiluftzoo" war es aber bald vorbei, denn Weidezäune zu beiden Seiten der Straße kündeten von Privatbesitz, denn in den Flussniederungen tummelten sich wohlgenährte Schaaf- und Rinderherden, ab und an auch mal ein paar Pferde. Trotzdem blieb für uns der Eindruck haften, dass Patagonien noch immer ein sehr dünn besiedelter Flecken auf dieser Erde ist. 

Das düstere Fischerörtchen Puerto Natales hatte sich gemausert zu einer Drehscheibe für "Outdoorer". Jede/r Backpacker/in kommt auf dem Weg vom oder zum Ende der Welt nach Puerto Natales, wenn man den Parque Nacional Torres del Paine im Visier hat. Von hier aus kommt man zu den verschiedenen Parkeingängen oder nach El Calafate und Ushuaia.

Wir suchten am südlichen Ausgang des Seno Ultima Esperanza, einem vom Meerwasser gefüllten ehemaligen Gletschertal, nach einem geeigneten Platz um im Auto übernachten zu können. Der Schiffsfriedhof schien uns dafür geeignet zu sein, denn wir waren weit genug weg von den Hauptverkehrswegen, den privaten Grundstücken und das Gelände war für jeden zugänglich, da es nicht eingezäunt und verschließbar war. Die Fischkutter lagen von kleinen Wellen umtänzelt im Wind und bildeten mit den schneebedeckten Bergen der Umgebung die Silhouette im Schein der unter gehenden Sonne. Ok, im letzten Satz bin ich wohl etwas zu phantasievoll umgegangen. In Wirklichkeit rosteten und verfaulten die achtlos zurück gelassenen Schiffswracks vor sich hin und rundherum sah es eher nach Müllhalde aus. Die Sonne war nicht einmal ansatzweise zu erahnen, denn der stramme kühle Wind trieb düstere Wolken heran. 

Düster war auch der folgende Morgen, denn der Wind schob immer wieder dicke Wolken von Westen heran, so dass die Sonne wieder einen schweren Stand hatte. Erst am frühen Nachmittag bahnten sich ihre wärmenden Strahlen mehr und mehr den Weg.

Für uns war es Zeit Chile wieder einmal zu verlassen, denn wir mussten noch über 300 km bis El Calafate abspulen. Nach dem Problem losen Passieren der chilenisch-argentinischen Grenze drehten wir uns im "Kreise", denn wir fanden in und um Rio Turbio fast eine Stunde lang keinen Ausgang in die richtige Richtung, da die Beschilderung in diesem Kohlerevier sehr zu wünschen übrig lies. Erst nach mehrmaligem Nachfragen fanden wir den richtigen Abzweig. Dazu kam noch, dass die legendäre Routa 40 immer mal wieder in die Weiten Patagoniens als Gravelroad abzweigt und die Asphaltstraße weite Umwege beschreibt. So kamen wir erst eine Stunde vor Sonnenuntergang am Polizeiposten in El Calafate an. Am Stadtrand wurde jeder Fahrer befragt woher er kam und wohin er wollte. Stichprobenartig wurden einzelne Fahrzeuge genauer inspiziert. Auch in der Stadt ging es sehr zögerlich voran, denn an der Event-Arena gab es ein Openair-Konzert und die Polizei leitete den Verkehr um. Mit schnell mal durch die Stadt fahren um den Sonnenuntergang noch ohne Hektik zu erwischen war da nichts. Am Glaciarium bekamen wir dann doch noch den rötliche leuchtenden Abendhimmel über dem Campo del Hielo Sur auf die Speicherplatte unserer Fotoapparate.

20. 2. 2015 - Einmal kulinarisch in Argentinien über die Stränge schlagen ist Pflicht.

Mit einem Stadtspaziergang durch die "Shopping-Meile" verbrachten wir den Vormittag und den frühen Nachmittag bevor wir unser vorgebuchtes Hostel aufsuchten. Die frühzeitige Onlinebuchung hatte sich als "goldrichtig" erwiesen, denn die Stadt platzte wegen der "Fiesta Nacional del Lago" aus den Nähten. Für uns eine ungeahnte Möglichkeit am Abend eine Musikveranstaltung zu besuchen. Doch zuvor wollten wir, wenn schon mal in Argentinien mal so richtig kulinarisch mit einem Fleischgericht "über die Stränge schlagen". Was bietet sich da nicht mehr an, als ein Asado oder Parilla Restaurant. 

Schon am Vormittag wollten wir einen Tisch bestellen, hatten aber keinen Erfolg damit, denn das Restaurant vergab keine Reservierungen, bestätigte uns aber, dass wir bei gefülltem Restaurant nach kurzer Zeit immer Platz finden würden. Die schon am offenen Feuer aufgepflanzten und schmorenden Lammspieße machten schon enorme Lust auf diesen "Fressabend".

Ca. 30 Minuten nach der abendlichen Öffnung des Restaurants (19.00 Uhr) fanden wir noch auf Anhieb an einem Tisch Platz. Die Auswahl aus der zweisprachigen Getränke- und Speisenkarte fiel uns zunächst etwas schwer, da wir nicht wussten, was bei einem Asado alles dazu gehört. Wir entschieden uns schließlich für einen argentinischen Vino tinto "San Filipe" (Cabernet/Sauvignon) und Agua Mineral sin gas. Die Wahl der Speisenfolge entfiel auf eine "Crema de Choclo" (Maiscremesuppe) als Entrada (Vorspeise), gefolgt von dem Hauptgang mit "Cordero asado" (gegrilltes Lamm) ergänzt durch "Papas a la crema" (Kartoffeln in Cremesoße), "Pure´ mixto" (Pumpkin- und Kartoffelmus) sowie einem "Ensalada completa" (Salatmix). Das interessante daran war, dass man dem Asador im Restaurant über die Schulter schauen konnte, wie das aufgespießte Lamm zunächst am offenen Feuer bruzelte und später auf dem Grill für die Kunden Teller fertig vorbereitet wurden. Da gingen kiloweise Fleisch über den Holzkohlegrill. Für uns definitiv eine interessante "Foodpremiere". Die Bäuche zum Platzen gefüllt, ließen wir das Postre-Gericht (Nachspeise) aus und schleppten uns zur "Openair-Musi". Leider regnete es dauerhaft. Ohne das Konzertende  abzuwarten schlenderten wir durch das nächtliche belebte El Calafate zurück zum Hostel.

21. 2. 2015 - Abschied nehmen ist doof

So schön wie es ist, weit entfernt von der Heimat immer mal wieder Besuch zu bekommen, es hängt auch immer wieder ein Abschied daran. Dieser fällt von mal zu mal nicht unbedingt leichter. So schön die gemeinsamen verbrachten Stunden und Tage auch sind, irgendwann zieht jeder wieder seine eigene Spur. Das ist ein gravierender Nachteil eines individuellen Sabbatjahres.
Da ich den Mietwagen im Stadtbüro angemietet hatte und ihn auch dort wieder zurück geben wollte, konnten wir ihn noch nutzen, um zum Flughafen einige Kilometer außerhalb von El Calafate zu gelangen.

Ich fuhr allein wieder in die Stadt zurück und eine Stunde vor meiner Weiterreise nach Rio Gallejos gab ich den Mietwagen im Stadtbüro von Alamo wieder zurück. Dort zeigte man sich verwundert, denn auf meinem Anmietformular stand als Abgabeort der Flughafen El Calafate. Wie das dahin gekommen ist, konnte ich nicht mehr nachvollziehen, denn ich habe es online anders bestellt und bei der Abholung nie von der Rückgabe am Flughafen gesprochen. Am Ende ist es doch mein Versehen, denn ich hatte den Vertrag unterschrieben. Mir ist aber diese Kleinigkeit durch die "Lappen gegangen", auch weil der Angestellte nicht explizit noch einmal die Vetragsdetails vorgetragen hat. Das unterscheidet wohl gute Autovermieter von weniger guten? Lange Rede kurzer Sinn, die Zeit war zu knapp um das Auto zum Flughafen zu bringen und man nahm mir den Wagen beanstandungslos ab. Ich glaubte also mit ruhigem Gewissen den Bus nach Rio Gallejos besteigen zu können, aber ein flaues Gefühl einer nachträglichen "Autovermieterabzocke" blieb in der Magengegend doch zurück. 

Über 4 h dauerte die Fahrt an die Atlantikküste im Südosten Argentiniens. Die schwerste Tagesaufgabe stand mir aber noch bevor, denn ich hatte kein Hostel vor gebucht und hatte ansonsten auch keinerlei Ahnung, wo ich in der Großstadt ein Hostel finden sollte. 

Zu Hilfe kam mir eine auch samstags nach 18 Uhr noch geöffnete Tourist-Info direkt im Busterminal, wo ich einen kleinen Stadtplan und den Hinweis auf ein kleines günstiges Hostel in der Nähe des Busterminals bekam. Das Hostel gesucht, gefunden und eingecheckt, fertig. So einfach geht das manchmal.

22./23. 2. 2015 - Was treibt mich eigentlich nach Rio Gallejos?

Das was man im Internet über Sehenswertes in Rio Gallejos findet ist fast nichts und im Lonely Planet steht gleich mal gar nichts über diesen Ort. Warum sollte man dann nach Rio Gallejos fahren?
Der Grund ist ganz simpel, denn es gibt nur 2 Möglichkeiten um auf dem Landweg nach Ushuaia zu gelangen. Entweder über Puerto Natales (Chile) oder über Rio Gallejos (Argentinien). In beiden Orten muss man einen Zwischenstopp einlegen um ein Busticket nach Ushuaia zu erwerben. Da Ushuaia eine große Anziehungskraft auf die Travellerszene ausübt, sollte man sich früh genug um ein Hostel in diesen Orten bemühen und nicht unter Zeitdruck reisen, denn man weiß nie, ob man für den Bus am nächsten Tag noch ein Ticket bekommt.  

Ich hatte mir genug Zeit gegeben für diesen Ort am südöstlichen Rand Argentiniens. Allerdings hatte ich für meinen Ankunftstag keine Hostelreservierung, ein Novum während meiner Südamerikareise. Unter www.hostels.com gab es aber nur einen Hosteleintrag und dieser hatte auch keine "dormitory rooms"sondern ausschließlich preisintensive "privat rooms". Also musste ich auf gut Glück nach meiner Ankunft auf Hostelsuche gehen. Wie schon berichtet, hatte ja meine Hostelsuche auf Anhieb geklappt.

Was also tun, in einer 110.000 Seelengemeinde die nur wegen ihrer Verkehrsgunst die Traveller anlockt. Ich habe nicht versucht auf Krampf irgend etwas interessantes zu finden, denn die Stadt ist bretteben, im langweiligen Schachbrettmuster "gestrickt", man biegt also immer rechtwinklig in eine andere Straße ab, Kurven in Straßen- und Wegverläufen haben Seltenheitswert und es ist außerdem sehr windig. Ich konzentrierte mich also darauf, eine Wäscherei zu finden um meine Kleider mal wieder waschen zu lassen und die Erlebnisse der letzten Tage für die Homepage zu verfassen. Außerdem trieb ich mit der Internetrecherche meine Planungen für die Zeit nach Ushuaia voran, denn eine rechtzeitige Hostelbuchung erspart manchmal eine unnötige, evtl. teure oder zeitaufwendige Quartiersuche.

Ich habe aber nicht ausschließlich die Zeit im Hostel verbracht, denn ich unternahm schon den einen oder anderen Stadtspaziergang. Die Stadt grenzt im Norden an den Rio Gallejos der  in einem großen Mündungstrichter in den Atlantik mündet. Eine Straße folgt lange Zeit dem Verlauf dieses Mündungstrichters. Hier und da gab es einige interessante Anschauungstafeln und später erreichte ich das "Estuario del Rio Gallejos" ein Interpretationszentrum für die Entwicklung von Rio Gallejos im Zusammenhang mit dem Schutz und der Rekultivierung der natürlichen Ressourcen der Stadt und ihrer Randgebiete. Alle Informationen waren zwar in spanisch verfasst, trotzdem waren einzelne Projekte interessant dargestellt. So widmet man sich aktuell dem Projekt "Maca Tabiano". Diese Vogelart kommt ausschließlich in der Provinz Santa Cruz vor, denn ihr Migrationsverhalten spielt sich zwischen einigen Lagunen am östlichen Rand der Anden und den Mündungstrichtern des Rio Santa Cruz, Rio Chico, Rio Coyle und Rio Gallejos am atlantischen Ozean ab. Für einen Wandervogel ein doch sehr übersichtlicher Raum. Aktuell ist diese Art besonders durch Raubmöven, Forellen und Marder (eingeschleppte nicht einheimische Tierart) bedroht. Gelingt es nicht diese rotäugige interessante Vogelart zu erhalten, ist sie verloren, denn es gibt kein weiteres Verbreitungsgebiet.

24. 2. 2015 - Ab in den Bus nach Ushuaia

Die Busfahrt nach Ushuaia pendelte von Spannungsgrad zwischen total langweilig bis spannend. Langweilig wurde die Fahrt immer dann, wenn die Landschaft geringe Höhenunterschiede aufwies und man von Horizont bis Horizont nur trockenes Weideland mit geringer Vegetationsdecke entdecken konnte. Der Spannungsbogen erhöhte sich in diesen Gebieten nur dann, wenn mal ein paar Guanakos zu sehen waren, oder die eintönige Landschaft kurz vor der Chilenischen Grenze einige flache Vulkankegel mit Lavafeldern aufwies. 

Spannend wurde es auch an den Grenzen zu Chile. Diesmal hatte ich kein frisches Obst oder Gemüse dabei, konnte also entspannt den Grenzübertritt angehen. Diesmal gab es keine Tiefenkontrolle. Wir mussten uns in einem Raum neben einander stellen und unser Handgepäck vor uns hinlegen. Dann schnupperte ein Hund alle Gepäckstücke an. Zeigte er sich unauffällig, war alles gut. In einem Fall schnupperte er sehr intensiv am Gepäckstück. Für die Hundeführerin ein Zeichen genauer nach zu schauen. Sie fand eine kleine Wurst und gab ihrem Hund danach ein Spielzeug. Dieser war außer sich vor Freude. Ich denke es war eine Trainingsstunde für den Hund, denn der Besitzer der Tasche in der die Wurst gefunden wurde, bekam keinerlei Schwierigkeiten.

Spannend war außerdem die Fährpassage über die Magellan-Straße. Diese Meeresstraße trennt das Festland von der größten Insel, Tierra del Fuego, Südamerikas. Hier hatte der erste Weltumsegler Fernando Magellan nach einigen Fehlversuchen eine Passage in westlicher Richtung gefunden, die sich nicht als große Trichtermündung eines Flusses entpuppte. Es wird berichtet, dass Magellan die Insel auf seiner Backbordseite Feuerland nannte, da er viele Feuer der Ureinwohner gesehen hatte. Mir ist es allerdings ein Rätsel, was diese Ureinwohner in diesen Feuern verbrannt haben, denn ich habe weit und breit keinen Baum gesehen. Zu Beginn der Fährfahrt folgten uns Backbord zwei schwarz-weiße Tümmler. Sie waren nicht sehr groß und es war faszinierend zu sehen, wie sie Pfeil schnell durch das Wasser schossen und ab und an mal zum Luft holen die Wasseroberfläche durchstießen. 

Dann wurde es wieder langweiliger, denn Feuerlands Landschaft präsentierte sich über lange Zeit sehr trocken und eintönig. Erst beim erneuten Grenzübertritt, diesmal von Chile zurück nach Argentinien kam wieder Bewegung in die Fahrgäste, denn es mussten zwei weitere Stempel in den Reisepass gedrückt werden.

Erst zum Ende der Reise an die Südküste Feuerlands wurde es wieder spannender, denn die Landschaft wies nun größere Höhenunterschiede auf und die Berghänge waren wieder mit Bäumen bewachsen. Einige Seen und Flüsse folgten den Tälern. Die untergehende Sonne tauchte die Landschaft in ein weiches Licht. Noch ein Pass musste erklommen werden und bald war die Sicht auf den Beagel-Kanal frei. Wenig später erreichten wir die südlichste Stadt der Welt - Ushuaia.

25./26. 2. 2015 - El Fin Del Mundo

Der Nimbus die südlichste Stadt der Welt zu besitzen wird eifersüchtig von den Argentiniern gepflegt. Auf der südlich an den Canal Beagel angrenzenden schon zu Chile gehörigen Isla Navarino gibt es mit Puerto Williams noch einen Ort der etwas südlicher als Ushuaia liegt aber nicht annähernd einer Stadt gleicht. Somit hat der auf dem Landweg Reisende in Ushuaia das Ende der bewohnten Welt erreicht. Zwar gibt es in der Antarktis noch Forschungsstationen die für den Zivilreisenden aber eher schwierig zu erreichen sein dürften. 

Stichwort Antarktis, zufällig lag das norwegische Hurtigroutenschiff - Fram - im Hafen am Kai. Dieses Schiff trägt den Namen des legandären Forschungsschiffes mit dem Fridtjof Nansen 1893-1896 eine spektakulären Arktisexpeditionen durchführte. Seine Idee war es, sich mit dem speziell gebauten und ausgerüsteten Schiff im arktischen Eis einfrieren zu lassen und so evtl. mit dem Eis driftend den Nordpol erreichen zu können. Wegen der Unvorhersehbarkeit der Driftrichtung des Eises gelang dieses Vorhaben zwar nicht, aber die Expedition lieferte sehr viele wichtige Erkenntnisse für die damals noch junge Wissenschaftsdisziplin der Ozeanographie. Außerdem wurden Methoden zum Überleben und den Transport im ewigen Eis entwickelt, die für nachfolgende Expeditionen in die Arktis und Antarktis richtungsweisend waren. Nansens Fram kam nach jahrelanger Eisdrift im Nordatlantik wieder frei (Wkipedia). Die 2007 in Dienst gestellte Fram der Hurtigrutenlinie ist speziell für Fahrten in polare Regionen ausgerüstet und im jahreszeitlichen Wechsel  mit zahlungskräftigen Touristen in den Polarregionen (z. B. Grönland, Spitzbergen, Antarktika) dieser Erde unterwegs. Neben meinem Hostel wirbt eine Reiseagentur mit Last Minute Reisen nach Antarktika. Dumm nur, dass ich die 5.000 US$ gerade nicht übrig habe.

Am ersten Tag meines Aufenthaltes in Ushuaia ließ ich mich durch die Geschäftsstraßen der Stadt und an der Hafenpromenade mit dem Blick auf den Canal Beagle entlang treiben. Dieser Meereskanal zwischen der Insel Feuerland und den noch südlicher gelegenen Inseln wurde nach dem Namen des Schiffes von Kapitän Fitz Roy benannt, auf dem Charles Darwin in Südamerika unterwegs war.

Ein Denkmal zu Ehren der Gefallenen im 72-tägigen Krieg um die Islas Malvinas/Falkland Islands erregte dabei besonders meine Aufmerksamkeit, da diese Gedenkstätte mit großformatigen Bildern aus den Kriegstagen ausgestattet war. Argentinien vs. Großbritannien lautete die Spielpaarung und es ging nicht um den Sieg in einem Fußballspiel sondern um ein paar Schafinseln im Südatlantik. Argentinien wies und weist auch heute noch diese Inselgruppe als zu Argentinien gehöriges Staatsgebiet aus. Deshalb sollte man in Argentinien niemals von den Falkland Islands sprechen. Großbritannien beansprucht aber genau diese Inselgruppe als ihren Kolonialbesitz und übt auch heute noch die Verwaltungshoheit aus. Zwar war man in zwischenstaatlichen Verhandlungen dabei diese Frage völkerrechtlich zu klären. Großbritannien forderte für die Einwohner der Inseln Autonomierechte. Argentinien wollte diese nicht einräumen, weshalb die Verhandlungen ins Stocken gerieten. 

In Argentinien hatten sich Militärputschisten an die Macht gebracht. Ihre innerstaatliche Unbeliebtheit, resultierend aus wirtschaftlichen Problemen und einer hohen Inflation versuchten sie mit außenpolitischen Maßnahmen auf zu polieren. Da kam ihnen die Idee der "Heimholung" der Islas Malvinas gerade recht. Im Frühjahr 1982 wurden argentinische Truppen in Marsch gesetzt, um die 200 Inseln und 1.700 Einwohner zu Argentiniern zu machen. Die damalige Premierministerin Margaret Thatcher, die "Eiserne Lady", schäumte und schickte umgehend die Reste des Britischen Empire in den Krieg. Es ging mit "Schiffe versenken" und Bombenangriffen richtig zur Sache. Die Royal Navy wurde mit französischen Waffen dezimiert und wankte. "Unter" ging sie aber nicht, denn nach 72-tägigem Kriegsgemetzel nahm am 14. Juni 1982 die argentinische Generalität aus "humanitären Gründen" das britische Angebot zum Niederlegen der Waffen an. Die Mütter, Frauen und Kinder von 908 (655 Argentinier/253 Briten) Kriegsbeteiligten konnten ihre Söhne, Männer oder Väter nicht wieder in die Arme schließen. Ein weiteres Kapitel im Buch zur Sinnlosigkeit von Kriegen konnte damit beendet werden. Die Argentinier trauern weiterhin  den Islas Malvinas hinterher, die Briten wachen weiter über ihren weit entfernten Kolonialbesitz. Erst recht, da sich in der Folge die Falkland Islands zu einer Boomregion entwickelten. Jeder Einwohner trägt mit 65.000 US$ zum Bruttoinlandsprodukt bei. Jedem Teenager kann deshalb eine kostelose Ausbildung im Kernland finanziert werden. Neuerlichen Dollarsegen verspricht ein auf 60 Millionen Barrel geschätztes Ölfeld im Norden der Inselgruppe. Argentinien wird wohl weiterhin eifersüchtig auf die Islas Malvinas schielen (Die Welt, Berthold Seewald, Argentinien vs. England, 1. 4. 2012).

27./28. 2. 2015 - Parque Nacional del Fuego

Noch einmal wollte ich die Gelegenheit nutzen in einem Nationalpark etwas zu wandern. Eine Gelegenheit dazu gibt es ca. 12 Kilometer westlich von Ushuaia. Dort sind in dem 630 Quadratkilometer großen Parque Nacional del Fuego, der sich vom Canal Beagle im Süden bis jenseits des Lago Fagnano im Norden erstreckt, einige tausend Hektar für Besucher und Wanderer frei gegeben. Große Teile des Nationalparks sind sogar als "reserva natural estricta" ausgewiesen. Im zugänglichen Gebiet dieses Nationalparks sind einige Wanderwege angelegt worden, aber es reicht für hart gesottene Wandersleute nicht aus um sich Tage lang in diesem Nationalpark beschäftigen zu können. Erst recht, wenn man schon im Parque Nacional Torres del Paine und Parque Nacional Glaciares Norte unterwegs war. Das Angebot an Wanderwegen richtet sich eher an Familien oder Genusswanderer, die gern auf Tagestouren gehen.

Ich wollte nicht nur in den Nationalpark rein, etwas wandern, zack am selben Tag wieder raus, fertig abgehakt. Hier musste mindestens eine Zweitagevariante mit einmal Eintritt bezahlen her. Da das Wetter z. Z. nicht sehr stabil ist und auch schon herbstlich frisch daher kommt, wartete ich erst einige Tage die Wetterentwicklung ab. Am Vormittag lagen noch dicke Schichtwolken über Uschuaia aus denen auch einige Tropfen fielen. Aber gegen Mittag bekamen die Wolkenpakete wieder etwas Struktur und am Folgetag war sogar etwas Sonnenschein vorhergesagt. Als schnell die Sachen gepackt damit ich den 14 Uhr - Bus noch erreichen konnte. Stündlich fahren von 9-16 Uhr Kleinbusse in den Nationalpark hinein und von 13-19 Uhr auch wieder heraus. 

Am Parkeingang waren dann erstmal 140,- Arg. Pesos als Eintritt fällig, der natürlich für ausländische Touristen etwas höher ausfiel. In den Tourismusgebieten zieht sich diese Art der unterschiedlichen Preisgestaltung für Einheimische und Touristen für Eintrittspreise, Fahrt- oder Flugkosten wie ein roter Faden durch Argentinien. Ich ließ mich bis zum Bootsanleger in der Ensenada Bay bringen. Dort kann man den Costera Trail entlang der Lapataia Bay beginnen. Nahe der Küstenlinie geht es durch immergrünen Coihue Südbuchen-, sommergrünen Lenga- und Nire- Scheinbuchenwald, vorbei an kleineren und größeren Buchten. Als ich am Abzweig zum Lago Roca wieder die Straße erreiche, folge ich ihr bis zu den kostenlosen Zeltplätzen. Am Abfluss des Lago Roca suche ich mir ein geeignetes Fleckchen im Windschatten eines kleinen Hügels. Ob das Wasser im Fluss trinkbar ist, musste ich erst testen, denn der Wasserstand war niedrig und schien mir von den Gezeiten beeinflusst zu sein. Da gerade Ebbe war konnte ich etwas Fluss aufwärts eine Stelle finden, wo das Wasser Fluss abwärts floss. Diese Stelle schien mir geeignet für die Gewinnung von Süßwasser. Zur Sicherheit habe ich es mit Micropur behandelt. Nun stand dem Abendessen nichts mehr im Wege.

Da es zu regnen begann, verzog ich mich ins Zelt, denn die 3-stündige Wanderung hatte mich müde gemacht.

Am nächsten Morgen trieb mich nichts vom Zeltplatz, das Wetter hielt, was die Wettervorhersage vorhergesagt hatte und ich nahm mir viel Zeit an diesem Vormittag. Dabei konnte ich beobachten wie die Flut den Wasserstand im Fluss langsam anhob. Gelegentlich erhielt ich auch Besuch von einem kleinen Greifvogel und einem Entenpaar. Kormorane nutzen den Fluss als Start- und Landebahn. Bis zu den sehr kurzen Wanderwegen zum Mirador Lapataia und den Senda del Turbal war es nicht weit und danach schlenderte ich auf der Straße zur Confeteria Lago Roco, dem Abfahrtspunkt meines Busses zurück nach Ushuaia. Unterwegs gab es noch einen Mirador an der Laguna Verde. Am Zeltplatz waren einige Gäste dabei schon am frühen Nachmittag den Grill an zu heizen. Ich bekam schon den 15 Uhr - Busshuttle zurück nach Ushuaia, denn für weitere Wandermöglichkeiten, wie den "Senda Hito XXIV" zum Grenzstein zwischen Chile und Argentinien, oder den Trail zum Cerro Guanaco (973 m über Meeresspiegel) mit einer schönen Aussicht auf die Bahia Lapataia und den Canal Beagle, am Lago Roca fehlte mir an diesem Tag die Zeit. 

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