Nichts geschiet ohne Risiko, aber ohne Risiko geschiet auch nichts.
 Walter Scheel 


1./2. 7. 2015 - Durch Oregon nach Washington

Mein nächstes Reiseziel hieß Olympic National Park. Da dieser auf der Olympic Penninsula (Olympic Halbinsel) im Bundessaat Washington liegt, musste ich Oregon in seiner gesamten Nord-Südausdehnung durch fahren. Vorzugsweise bot sich dafür der Highway 101 an, der von Nordkalifornien aus immer an der Pazifikküste entlang bis hinein nach Washington führt. Ich wollte das in möglichst kurzer Zeit schaffen und begann mit dem "Meilenschruppen". So richtig funktionierte das aber nicht, denn es gab an diesem Highway immer wieder einen Lookout, Viewpoint (Aussichtspunkte), Beaches (Strände) oder Dunes (Dünen) die einen Zwischenstopp rechtfertigten. Nicht umsonst ist diese Region eine ausgesprochene Urlaubsregion, obwohl manchmal ein dichter Nebelvorhang vom Pazifik über die Küstengebirge zieht und man nicht viel vom teilweise spektakulären Küstenverlauf sieht

Ich kam leider nur schleppend voran und benötigte geschlagene zwei Tage bis Port Angeles in Sichtweite nach Vancouver Island über die Juan de Fuca Strait hinweg. Vor vier Jahren stand ich auf der anderen Seite dieser Wasserstraße und bewunderte die hohen Gipfel des Olympic National Parks.

Dabei kam ich gerade noch rechtzeitig an der Tourist Information an, denn ich wollte in Erfahrung bringen, welche "public events" (öffentliche Veranstaltungen) am Independence Day in Port Angeles geplant waren, da ich sehen und erleben wollte, wie die US-Amerikaner ihren Nationalfeiertag begehen.

3. 7. 2015 - Die verschiedenen Gesichter des Olympic National Parks - 1. Teil

Diesmal war ich so dreist und hatte mein "Pennerdomizil" in einer dunklen Ecke vom Parkplatz des Visitor Centers aufgeschlagen. Dieses lag unüblicher Weise nicht auf Nationalparkgelände sondern am Stadtrand und ein Schild "No overnight parking!" hatte ich auch nicht gelesen. Also wagte ich es mit der Übernachtung im PKW. Am Ende wurden drei aufeinander folgende unbehelligte Nächte daraus. Der Tagesstart ging sehr ruhig von statten, denn um mein Nationalparkprogramm zusammenstellen zu können, benötigte ich Informationen. Diese erhirelt ich aber erst nach Öffnung des Visitor Centers um 9.30 Uhr.

Ich entschied mich dann für die Hurricane Ridge, die populärste Teilregion des Olympic NP. Eine sehr gut ausgebaute Asphaltstraße führt hinauf ins Gebirge zum Visitor Center an der Hurricane Ridge. Diese bietet bei ordentlichen Sichtverhältnissen einen glänzenden Panoramablick auf die höchsten, teilweise vergletscherten Gipfel des Nationalparks. Darunter natürlich Mount Olympia mit 2432 m der höchste Gipfel. Einfache bis anstrengende Wanderwege führen dann vom Parkplatz aus in die Umgebung dieser alpinen Gebirgswelt. Welchen der Wanderwege sollte ich wählen. Welcher forderte mich, aber überforderte mich nicht? Beim Blick hinunter auf Port Angeles, die Juan de Fuca Strait bis hinüber nach Vancouver Island drängte sich der Mount Port Angeles in mein Blickfeld. Wäre doch eine geile Sache, wenn ich den Gipfel dieses Berges erreichen würde. Also frisch voran und der Weg zum Berggipfel war eingeschlagen.

Wie erwartet gestaltete sich der Aufstieg dann mit zunehmender Steilheit des Geländes mehr und mehr anstrengender und Schweiß treibender. Am Ende des Aufstiegs wurde noch eine richtige Kletterpartie daraus, mit richtigem Anfassen von Felsgestein und mit richtigem Suchen von Griffen und Tritten. Aber wiederum nicht so steil, dass eine riesige Absturzgefahr aus großen Höhen bestand. Genau das Richtige für den Hobby-Bergsteiger in mir. Ein bißchen Nervenkitzel darf schon dabei sein.

Endlich hatte ich den Gipfel erreicht und genoss die Aussichten in alle Richtungen bei Top Bergwitterung. Das gute an diesem Wanderziel war, dass die spärlichen Planzen am Gipfel ihre teilweise winzige Blütenpracht zeigten und das man bei zunehmenden Schwierigkeitsgrad des Trails immer weniger Wanderern begegnete. Die Blüten luden mich ein, es mal mit der Macrofotografie zu versuchen. Wieder vom Berg hinunter geklettert wanderte ich wieder zum Visitor Center zurück und fuhr zurück nach Port Angeles. Dort konnte ich noch die Bibliothek nutzen um die leeren Akku`s der Aufnahmemedien wieder aufzuladen und meinen Mail-Account zu checken, denn in den kommenden Tagen war die Bibliothek wegen dem Feiertag und anschließendem Sonntag geschlossen

4. 7. 2015 - Independence Day - Der Nationalfeiertag Nummer 1

Ich hatte mir zum Nationalfeiertag der US-Amerikaner auch einen Feiertag verordnet. Ganz ohne Autofahren ging es aber nicht, denn ich vermisste mein kleines grünes Büchlein mit den "Gesammelten Werken" an Informationen, die ich aufschreiben musste, um sie nicht zu vergessen.

Die letzte Erinnerung daran stammte vom Tag zuvor in der Visitor Information an der Hurricane Ridge. Ich hatte einen Spruch von John Muir (1838-1914), dem "Father of National Parks" in mein Büchlein notiert: "The mountains are calling and I must go!" (Die Berge rufen und ich muss gehen!). Diesen Spruch findet man auf allerlei Merchandising-Artikeln. Wieder zu Hause verschwinden diese Dinge im Kleiderschrank oder in der Stubenvitrine, so dass man sich täglich daran erinnert fühlt, mit den Ressourcen der Natur pfleglich um zu gehen, um sie nicht zu zerstören. Naja, so viel zu der Idee die dahinter stecken könnte.

Meiner Schusslichkeit war es zu verdanken, dass nun zusätzliches Kohlendioxid in die Atmosphäre geblasen wurde, da ich noch einmal zur Hurricane Ridge hinauf fuhr, um ein kleines grünes Büchlein vielleicht wieder zu bekommen. Ich hatte die Vermutung, dass ich es in dem kleinen Laden der Visitor Information liegen gelassen hatte.

Da der Laden erst später öffnete, nutzte ich noch die Gelegenheit an diesem klaren und Sonnenschein reichen Morgen von der überragenden Aussicht auf die Gipfelregion des Olympic NP ein Panoramafoto zu machen. Für ein paar Sätze im Tagebuch blieb auch noch etwas Zeit. Dann stellte ich der Kassiererin die alles entscheidende Frage: "Since yesterday, I missed my small green Book, with a blue Pencil, ....". Weiter kam ich gar nicht, denn sie griff hinter sich ins Fensterbrett und reichte mir meine "Gesammelten Werke". Es wäre zu schade gewesen, wenn sie Abhanden gekommen wären. Ende gut, alles gut. 

Danach ging es zum Elwha River der einen großen Teil des Nationalparks in Richtung Norden entwässert. An diesem Fluss spielt sich derzeit eine "Salmon Homecoming story" ab. Jahrtausende fingen die Klallam First Nation Lachse im Elwha River. Doch 1913 war Schluss damit, denn der Elwha Dam war fertig gestellt worden. Die vom Ozean zu ihren Laichgewässern ziehenden geschlechtsreifen Lachse konnten diese nicht mehr erreichen. Mit der Fertigstellung des Glines Canyon Dam 1927 wurde die Abriegelung komplettiert. Niemand scherte sich zu dieser Zeit um den Umweltschutz und die Erhaltung von Naturkreisläufen. Der wirtschaftliche Fortschritt stand im Vordergrund. 1992 passierte ein Gesetzt den Congress welches es erlaubte die Dämme zu restaurieren und mit Aufstiegshilfen für die Lachse aus zu statten. 100 Jahre nach dem Stopp der Lachswanderung am Elwha River zogen 2014 die ersten Lachse wieder in ihre Laichgewässer um für die nächste Generation Lachse zu sorgen.

Ich fand ein lauschiges Plätzchen an einer Biegung des Flusses wo sich das Glas klare Flusswasser durch einige Felsenvorsprünge presste. Bei einem Bad im Fluss bemerkte ich dass die Strömung an dieser Stelle zu stark war und das Wasser zu tief um einfach mal zu Fuss auf die andere Flussseite zu gelangen. Machte nichts, denn auf dem Stein in der Sonne sitzend hatte auch etwas.  Plötzlich tauchten an der Felskante 15 Meter von mir entfernt zwei junge Fischotter auf, die an dieser Stelle auch aus dem Wasser heraus kletterten. Ich schraubte das Teleobjektiv an, um die Tiere vielleicht Bild füllender aufs Foto zu bekommen und pirschte mich näher an die drolligen Gesellen heran. In ihrem Spiel schienen sie mich kaum zu bemerken. Manchmal kamen sie so nah an mich heran, dass ich mich mit der Kamera im Anschlag nicht so weit nach hinten beugen konnte um des Bild scharf zu bekommen. Das Teleobjektiv hat eine Naheinstellgrenze von 1,4 m. Bei dieser Entfernung hätte es auch die Normalbrennweite getan. Das war jedenfalls besser als im Fernsehen. Von der Mutter war keine Spur zu sehen. Schließlich ließen sich die beiden Quälgeister wieder ins Wasser gleiten und die Strömung trieb sie immer noch balgend auf die andere Flussseite. Schade das das Ganze im Schatten stattfand und ich mit einer hohen ISO-Zahl fotografieren musste. Man kann eben nicht alles haben. Trotzdem ein tolles und unerwartetes Wildtiererlebnis.

Es war Zeit wieder nach Port Angeles auf zu brechen, denn die offiziellen Veranstaltungen zum Independence Day standen auf dem Programm. Eine Parade, ein Musik-Event und das Feuerwerk sollten diesem Feiertag einen würdigen Rahmen geben. 18 Uhr startete die Parade mit dem singen einer ihrer inoffiziellen Nationalhymnen "God bless America ...." (Deutsche Übersetzung: "Während die Sturmwolken aufziehen, von weit hinter dem Meer,
Lasst uns einem freien Land Treue schwören,
Lasst uns alle dankbar sein für dieses so gerechte Land,
Und unsere Stimmen zu einem feierlichen Gebet erheben.

Gott segne Amerika,
Land das ich liebe.
Steh ihr bei und führe sie
Mit einem Licht von oben durch die Nacht
Von den Bergen zu den Prärien,
Zu den Ozeanen weiß vor Gischt.
Gott segne Amerika, meine Heimat, meine süße Heimat." Wikipedia)

Angeführt von einer Juniorgarde mit den wichtigen Flaggen des Landes, Bundesstaates und der Stadt folgten sehr viele Porträts von US-Soldaten die in den letzten Jahren bei "Friedenseinsätzen" der US-Army getötet worden sind. Ein Vater der seinen Sohn verlor. hatte diese Art des Gedenkens an die gefallenen Soldaten vor Jahren initiiert. Heute werden über 200 solcher Porträts bei den Paraden anlässlich des Independence Day us-weit bei den Paraden zum Independence Day getragen. Der Zug verharrte in Stille im Gedenken an diese Soldaten. Es folgten 4 Veteranen des Koreakrieges und eine Dudelsackgruppe aus dem benachbarten Kanada. Danach präsentierten sich unterschiedlichste Gruppen, von Sportvereinen mit einer kleinen Performance bis hin zu privaten Unternehmern.

Nach der Parade zog ich hinunter zum Pier, denn dort sollte die Zeit bis zum Feuerwerk durch ein Musik-Event überbrückt werden. 90 Minuten Livemusik von "Luck of the Draw" waren nicht das erhoffte Musikhighlight. Die Musiker waren schon auf der Welt bevor die Musikevolution den Technosound hervor brachte. Nicht das ich ein Fan von Technosound bin, aber etwas poppiger hätte das Repertoire der Truppe schon sein können. Die Zuhörer störte das wenig, sie hatten ihre Decken ausgebreitet oder ihre Campingstühle aufgestellt und hielten ihr Picknick ab. Die Zweite Gruppe, genannt "Missy G" hatte da schon flottere Country-Rhythmen zu bieten. Schade dass die Tontechnik nicht dazu geeignet war, die gesamte "Arena" ausreichend zu beschallen und immer wieder an den Reglern nachjustiert werden musste, bis das Klangerlebnis annehmbar war. Mehr und mehr füllte sich der Pier mit Besucher/innen. Dabei fiel mir auf, dass es doch einen großen Anteil gibt, die entschieden zu viele Pfunde mit sich herum tragen. Da rollt auf die Gesundheitskassen eine enorme  Körperfettlawine zu. Traurig anzusehen, dass auch viele junge Menschen Kilo weise Fettprobleme mit sich herum schleppten. Der Reichtum der Nation und des Systems haben eben auch ihre Schattenseiten.

22 Uhr erreichte der Tag seinem Höhepunkt. Profifeuerwerker zauberten ein buntes Funkenspektakel in den Abendhimmel von Port Angeles. An vielen anderen Stellen in der Stadt versuchten es Hobby- oder Heimfeuerwerker ihnen gleich zu tun. 

Auf dem Rückweg zum PKW kehrte ich noch einmal bei "Safeway" ein. Feiertag scheint diese Supermarktkette nicht zu kennen und gönnte mir mit Tapioka-Pudding zur Feier des Tages auch noch einige überschüssige und vor allem überflüssige Kalorien. Die jungen Damen neben mir griffen in der Liqueur-Abteilung zur Lieblingsalkoholicaflasche, denn man wollte sich an diesem tollen Abend noch etwas hübsch zurecht machen.

5./6. 7. 2015 - Die verschiedenen Gesichter des Olympic Nationalpark - 2. und 3. Teil

Mein Plan stand fest, ich wollte mir noch weitere "Gesichter" des Olympic National Parks anschauen. Dazu musste ich meine Rundreise um die Olympic Halbinsel weiter fortsetzten. Schon vor 7 Uhr konnte es losgehen, denn ich wollte in den äußersten Nordwesten der Halbinsel. Cape Flattery in der Makah Indian Reservation gehörte nicht zum Olympic NP. Das Cape ich vom Parkplatz am Ende des Highway 112 über einen kurzen Trail durch den Wald zu erreichen. An der Grenze zum Ozean fällt das Kliff steil in die Tiefe. Falls man nicht auf dem Trail bleibt und senkrecht in die Tiefen schauen möchte, könnte ein falscher Schritt fatale Folgen haben. Der Ozean nagt beständig am Sedimentgestein, so dass die Küstenlinie beständig landeinwärts verlagert wird.

Eigentlich hatte ich ursprünglich mal vor über den Shi Shi Beach den Point of the Arches zu erreichen. Auf einer Karte sah ich aber dann, dass ein Teil des Weges nur für 4x4 Fahrzeuge geeignet war. Deshalb nahm ich dieses Wegeabenteuer gar nicht erst in Angriff und entschied mich statdessen zum OzetteLake zu fahren. Dort gab es einen um die 10 Meilen langen  Dreiecksloop.

Der Parkplatz an der Rangerstation war gut gefüllt. Ein Zeichen dafür, dass der Trail gut angenommen wird. Ein schmaler Küstenstreifen von der Indian Reservation im Norden bis zur Grenze nach Oregon im Süden gehörte zum Olympic NP und unterlag somit wieder besonderen Regularien. Tagesgäste mussten die 20,- US-$ bei Anreise mit dem PKW entrichten. Außerdem sie hatten schon an einer anderen Stelle Eintritt bezahlt, denn sieben aufeinander folgende Tage konnte der Nationalpark dann besichtigt werden. Oder man hatte eben den Annual Pass mit Gültigkeit für alle US-Nationalparks. Dieser Pass hatte sich mittler Weile schon mehrfach rentiert. Für Mehrtageswanderer war wieder ein Backcountry-Permit mit extra Kosten nötig.

Der Trail folgte 3 Meilen in südwestlicher Richtung zum größten Teil auf Boardwalks (um den Waldboden zu schützen) durch den Wald an die Küstenlinie. Dort folgt man 3.1 Meile in NNW-licher Richtung der Strandlinie. Wenn man dann das Hinweisschild am Waldrand nicht verpasst, geht es in SSO-Richtung wieder 3.1 Meile durch den Wald zurück zur Rangerstation/Campground und Parkplatz. 9.2 Meilen (reichlich 15 km) klingen erst einmal für eine Tagestour recht gut. Da kaum Höhenunterschiede zu bewältigen sind, der Trail im Wald auf präparierten Wegen erfolgt, kommt man auch zügig voran. Am Strand durch Sand, Kies oder über Steine, über oder unter Baumstämmen entlang, kommt man am Strand weniger zügig voran.

Gleich zu Beginn des Strandteils lag ein großer Seelöwe. Sein Leib war aufgeblasen und der Schädelknochen durch die Verwesung schon halb freigelegt. Kein schöner Ort zum Verweilen, denn es roch auch nicht gerade vortelhaft. Im  Übergangsbereich zwischen Strand und Wald lag jede Menge Driftwood. Teilweise waren das sehr mächtige Baumstämme die durch die Drift hier an den Strand gespült wurden. Eine gute Gelegenheit ein Lagerfeuer zu entfachen. Denkst, aber nicht im Nationalpark, da ist nur der Campingkocher erlaubt. Oft haben die Campgrounds innerhalb der Nationalparks an den einzelnen Campsites extra Feuerstellen mit einem Grill. Dann muss man das Feuerholz (nicht gerade billig) kaufen und kann nicht einfach in den Wald gehen, um sich zu bedienen. Ist ja Nationalpark, da bleibt das abgestorbene Holz liegen, basta.

Am Ende des Tages hatte ich die 3.000 Seelengemeinde Forks, das erst am 28. August 1945 gegründet wurde, erreicht. Eigentlich ein kleines Holzfällernest am westlichen Rand des Olympic National Parks, mit sagenhaft hohen Niederschlagsmengen (durchschnittlich 2715,6 mm pro Quadratzentimeter im Jahr) bis, ja bis die Vampire in Folks Einzug hielten. Natürlich regnete es danach auch weiterhin so viel, denn das war für die Vampire nur gut so, denn durch Sonnenlicht konnten sie nur all zu leicht durch das Glitzern auf ihrer Haut als Vampire enttarnt werden. Fans der Twilight-Reihe von Stephenie Meyer haben längst erkannt, dass es sich um den Handlungsort ihrer 5-bändigen Buchreihe handelt. Durch den internationalen Erfolg der Twilight Bücher und - Filme ist "twilight" für Forks zum Wirtschaftsfaktor geworden. 2009 haben sich 70.000 Besucher in das Gästebuch Chamber of Commerce eingetragen. Der Ort feiert zu Ehren der Buchautorin jährlich einen "Stephenie Meyer Day" Wikipedia).

Wie üblich ging es am nächsten Morgen nach dem Aufwachen zügig voran. Ich fuhr nun im Tal des Hoh Rivers etwas weiter ins Gebirge hinein, um mir ein weiteres "Gesicht" des Olympic NP an zu sehen. Die Westseite des Gebirges bekam vom nahen Pazifik die volle Breitseite der feuchten Luftmassen ab. Regen fiel also nicht zu knapp und der häufige Nebel ließ der Sonne kaum eine Chance. Die Vegetation hatte also kaum mit Trockenstress zu kämpfen, so dass sich in den nach Westen geöffneten Tälern ein mustergültiger außertropischer Regenwald herausgebildet hatte. Grün in zigfacher Farbabstufung war die beherrschende Farbe des Waldes. Hier am Hoh Rain Forest Visitor Center waren die Startpunkte für einige sehenswerte Trails. 

Der 0.8 Meilen lange "Hall of Mooses Trail" führte etwas in den Primärwald hinein und schon stand man in der Märchenwelt der Gebrüder Grimm. Vergleichbares hatte ich schon am Routeburn Track (Südinsel Neuseelands) gesehen. Moose überwucherten alles und hingen Pferdemähnen gleich von den Ästen der Bäume herunter. Sie gaben dem Wald ein uriges und Jahrtausende altes Aussehen.

Danach schloss sich der 1,2 Meilen lange Spruce Nature Trail an. Einige Hinweistafeln erklärten Aspekte des Regenwald-Ökosystems. So bildet die zu Boden fallende Biomasse die Grundlage für neue Pflanzengenerationen. Auf riesigen umgestürzten Baumstämmen finden die Sämlinge der nächsten Baumgeneration hervorragende Entwicklungsbedingungen. Die Wurzeln der heranwachsenden Bäume wachsen um den verrottenden Stamm des umgestürzten Baumriesen herum. Ist dieser gänzlich verrottet, stehen die neuen Baumriesen wie an der Schnur gezogen, Stelzen ähnlich auf ihren Wurzeln.

Wie traf doch der folgende Spruch auf mein nächstes Erlebnis zu: "...ich war gerade beim Beerensuchen, da kam mich Bär besuchen...". Ich hatte tatsächlich gerade das Stativ in Stellung gebracht und das Objektiv gewechselt, um die Raspberrys (eine Waldbeerenart) möglichst Bild füllend auf das Foto zu bekommen, da hörte ich ein Geräusch. Ich trat auf den Weg und konnte gerade noch sehen, wie ein ausgewachsener Schwarzbär von einem ca. 25 m entfernten Baum herunter geklettert war.  Die liebliche Situation im Regenwald des Olympic NP änderte sich mit dieser Beobachtung schlagartig. Ich dachte nur noch, du musst dich zeigen und bemerkbar machen, damit der Bär, wenn er dir auf dem Weg entgegen kommen sollte, nicht vor dir erschrickt und evtl. sofort angreift. Ich stellte mich auf den Weg, machte mich groß, hob die Arme hoch und sprach den Bären an. Dieser hatte mich sehr wahrscheinlich viel früher wahrgenommen als ich ihn. Jedenfalls machte er keinen aufgeregten Eindruck oder zeigte irgendwelche Drohgebärden, weil ich in seiner "guten Stube" auftauchte. Er machte einen entspannten Eindruck kam mir aber auf dem Weg entgegen. Noch schnell ein Foto und dann den Rückwärtsgang eingelegt. Ich schnappte meinen Rucksack, machte den Waldweg frei und verzog mich ins Gebüsch abseits des Weges. Der Bär hatte es auf die Raspberrys auf der anderen Wegseite abgesehen. Ich blieb stehen und hatte Zeit für ein paar Fotos. Wie immer in solchen aufregenden Situationen, wo man überlegen und möglichst richtig handeln zur gleichen Zeit hinbekommen muss, bekam ich natürlich die Kamera nicht in den Griff, fotografierte mit einer 13tel oder 30tel Sekunde und bekam, wie sollte es auch anders sein, keine scharfen Bilder zustande. Jetzt schien es so als seien die Raspberrys auf meiner Seite dran. Der Bär wechselte auf die andere Seite des Weges. Uns trennte nun nur noch der Raspberry-Strauch von einander. Ich hatte vorher noch Zeit die GOPRO aus dem Rucksack zu ziehen. Inzwischen war der Bär weiter in den Wald hinein unterwegs. Ich verfolgte ihn von meinen Standpunkt aus mit der Kamera und musste feststellen, dass da im Dickicht noch ein Jungtier war. Es war also eine Bärin mit ihrem Jungen. Sie war nur 10 Meter von mir entfernt und naschte von den Beeren und ihr Jungtier wartete im Dickicht. Komischer Weise hatte ich von der ersten Sekunde an das Gefühl, dass die Situation nicht eskalieren würde und sie mich angreift. Ich ruhte in mir selbst. Obwohl ich erst viel später mitbekam, dass sie als Muttertier unterwegs war. Hatte ich bei dieser Bärenbegegnung alles richtig gemacht, oder war es einfach nur Glück, weil wir beide so entspannt waren? Das ganze ist nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen und man sollte diese Situationen nicht von selbst herauf beschwören. 

Was lehrt und das? Nicht gleich panisch reagieren wenn es einmal plötzlich ohne Ankündigung brenzlich wird. Sondern auch mal schauen, wie die andere Seite so drauf ist. Natürlich kann man das bei einem Wildtier nicht immer so richtig einschätzen. Da spielen ja auch noch andere Faktoren mit hinein. Z. B. hat der Kleine wieder mal ne schlechte Note aus der Schule mit nach Hause gebracht? Oder hat der Olle zum wiederholten male den Aufwasch stehen lassen? Vielleicht ist der Sonntagsbraten angebrannt und die Schwiegermutter kommt zu Besuch? Möglicherweise hat sie aber auch Migräne? All diese Dinge kann man nicht unbedingt sehen. Deshalb ist Vorsicht immer die Mutter der Porzellankiste und man sollte noch andere Optionen haben die Situation friedlich zu lösen. Am aller besten ist es diesen Situationen aus dem Weg zu gehen und man bleibt hinter dem "warmen Ofen" sitzen. Aber dann ist das Leben stink langweilig, weil der Nervenkitzel fehlt. 

Was für ein Bärenerlebnis!!! Der Tag war gelaufen und der Tageshöhepunkt wohlmöglich damit bereits erreicht.

Ich musste mich langsam wieder auf die Rückfahrt nach Portland begeben. Aber schon im vergangenen September konnte ich von Seattle aus einen mächtigen Berg bewundern. Obwohl noch so weit von Seattle entfernt, gab er eine imposante Visitenkarte ab. Ich musste aber den Olympic NP weit im Süden umfahren. Zuvor machte der Highway 101 aber noch einen Schlenker an die Pazifikküste. Dort nahm ich am Ruby Beach noch einmal eine Auszeit vom Fahren. Ein feiner Nebel lag zwar auch heute in der Luft, aber die Sonne konnte den Strand schon deutlicher erhellen als am Vortag. Am Strand lagen unzählige angeschwemmte Baumstämme und einige Felsen trotzten der Brandung.

Den Tagesrest verbrachte ich hinter dem Lenkrad meines Ford Focus. Schon südlich von Olympia hatte ich diesen Bergriesen wieder im Visier. Er trohnte nach wie vor mächtig und erhaben über seiner Umgebung - Mount Rainier. Am Fuße dieses Supervulkans war nach ca. 250 Meilen Schluss mit der Fahrerrei.

7./8. 7. 2015 - Mount Rainier National Park

Willkommen im "Mountain Wonderland". Dieser Nationalpark ist weltbekannt für seine dichten Wälder, seine bunt schillernde Blumenpracht auf den Bergwiesen, seine riesigen Schneefelder und die wilden 26 Gletscher, die den riesigen Vulkankegel rundherum zieren. So lauten die  ersten Informationen in einer Broschüre des National Park Service U.S. Department of the Interior. Und warum habe ich in der Schule nie etwas davon gehört?

Der 4392 m hohe Mount Rainier ist ein aktiver Vulkan der so gewaltig aus der Landschaft der Cascade Range heraus ragt, dass man glaubt, er stößt am Himmelszelt an. Das der Riese im Berg zur Zeit nur schläft, zeigen hier und da vulkanische Aktivitäten am Vulkankrater und die Hinterlassenschaften vergangener Eruptionen. Dabei ist er geologisch gesehen ein absoluter Jüngling. Erst vor 500.000 Jahren begann seine Entwicklung zu einem Supervulkan. Das er jederzeit ausbrechen kann, zeigte 1980 sein "kleinerer Bruder" Mount St. Helens. Wenn das passieren sollte, dann wird es aber richtig bitter für den Nordwesten der USA. Dann können pyroklastische Wolken die Vulkanhänge herunter rasen und alles Verbrennen was ihnen an Biomasse im Wege steht. Lavaströme können weit in die umliegenden Täler fließen. Erdrutzsche können die Landschaft am Vulkankrater einer "Generalüberholung" unterziehen, Vulkanasche kann eine Meterdicke Licht undurchlässige "Tischdecke" über die Landschaft legen. Die größte Bedrohung sind aber die Lahare. Das sind schnell fließende Schlammströme (mud flows) gespickt mit einem tötlichen Mix von entwurzelten Bäumen, Felsbrocken, Geröll und Feinmaterialien. Durch die Hitze am Vulkan schmelzen Schnee und Gletscher innerhalb kurzer Zeit ab und es entsteht sehr viel Schmelzwasser welches natürlich schleunigst der Schwerkraft folgend abfließt. Die Wassermassen verbinden sich mit den Lockermaterialien zu Schlammlawinen und donnern die Abflussrinnen hinunter. Alles sammelt sich in den Flusstälern, wo sich ihr zerstörerisches Potential in einem gigantischen Schwall potenziert. Die lieblichen Flusstäler wird man jedenfalls danach nicht wieder erkennen. Die Flussanraihner außerhalb der Parkgrenzen, falls sie sich überhaupt rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten, werden von ihrem Hab und Gut nichts, aber auch gar nicht mehr wiederfinden. Außerdem sie suchen an der Pazifikküste danach. Nichts Genaues, weiß man nicht, aber zur Zeit kann keiner zweifelsfrei sagen, wann es passieren wird, nur dass es passieren wird, das ist sicher.

Die niedliche Variante dieser Ereignisse wird hier Debris Flow genannt. Diese flüssigen Schlamm- und Gerölllawinen können auch bei Niederschlägen entstehen, erreichen aber meist die Grenzen des Nationalparks nicht. Erdrutsche und Debris Flow sind die aktuellen Gefahrenherde Nummer eins innerhalb des Nationalparks, wenn man mal von den alltäglichen Gefahren wie Witterungserscheinungen oder der Absturzgefahr absieht.

Noch stehen die Ampeln für die jährlich tausenden und aber tausenden Besucher auf grün, seit 1899 der Nationalpark als 5. US National Park mit einer damaligen Fläche von 956,60 Quadratkilometren deklariert wurde. Seine derzeitige Fläche beträgt 3.734 Quadratkilometer und seit 1981 gehört der Nationalpark zum UNESCO Weltnaturerbe. 

Als die Stieftochter eines der ersten Siedler, James Longmire, die subalpinen Blumenwiesen das erste mal sah, rief sie entzückt aus: "Oh, what a paradise". So kommt es das auch heute noch dieser Ort Paradise heißt. Er liegt im Süden des Nationalparks und ist über die Parkstraße vom West-, Ost- oder Südeingang aus zu erreichen. Dieser Ort ist weltberühmt für seine grandiosen Aussichten auf die Gipfelregion des Mount Rainier und die Wildblumenwiesen. Er wird alljährlich von den meisten Besuchern angesteuert. In der Ferienzeit, besonders an Wochenenden kann es schon mal Parkplatzprobleme geben. Also früh Aufstehen lohnt sich in diesem Fall immer. Tolle Wanderwege erschließen die Wildnis an der Südflanke des Vulkans. Nach einigen Schreibarbeiten und der Besichtigung des Jackson Memorial Visitor Centers schnürte ich mein "Ränzlein" und begab mich auf den Weg. 

Der Skyline Trail hatte es mir schon vom Namen her angetan, denn ich erhoffte mir einen spektakulären Rundweg. Wie gewünscht bekam ich diesen auch und zwar in "Reinkultur". Am Myrtle Fall musste ich den Trail etwas verlassen um ein tolles Foto mit Wildblumenwiese im Vordergrund, dem kleinen Myrtle Wasserfall und im Hintergrund die vergletscherte Gipfelregion des Mt. Rainier. Eine bessere Bildkomposition gibt es nicht. Dummerweise standen zwei Wanderer im Bild und rührten sich nicht von der Stelle. Es kam sogar noch schlimmer, sie setzten sich hin um länger zu verweilen. Entnervt nahm ich die Kamera herunter und setzte mich hin. Nach einiger Zeit bemerkten sie mich, wie ich der Verzweiflung nahe auf den "Moment" wartete. Sie standen auf und gaben die Szenerie frei. In diesem Moment tauchte eine Rangergehilfin auf, sah mich abseits des Weges hocken und brüllte zu mir herüber, ich solle dort verschwinden. Ich rief zurück: "What a nice picture". Als ich wieder auf dem Weg war, meinte sie zu mir, sie wisse, dass das ein begehrtes Fotomotiv sei. Ich solle einen Bergkette weiter nach Süden gehen, dort gäbe es tolle Wildblumenwiesen. Es liegt außerhalb des Nationalparks und es gäbe keine Regeln. Soll heißen, im Nationalpark gibt es Regeln die eingehalten werden müssen. "Oh, what a paradise", dem muss ich nichts mehr hinzufügen. 

Ein anderer Wanderweg des Parks feiert in diesem Jahr sein 100 jähriges Bestehen. 1915 wurde der Wonderland Trail eingerichtet. Dieser Weitwanderweg führt in 93 Meilen einmal um den Mount Rainier herum. Dabei müssen nicht weniger als 22.000 Fuss an "Höhenmetern" bewältigt werden. Das dürften 10-12 oder mehr ausgelastete Wandertage mit schwerem Gepäck auf dem Rücken sein. Dafür bekommt man aber etwas geboten, was Superintendent Roger Toll, der diesen Trail anlegen lies, 1920 wie folgt ausdrückte: "There is a trail that encircles the mountain. It is a trail that leads through primeval forests, close to the mighty glaciers, past waterfalls and dashing torrents, up over ridges, and down into canyons; it leads through a veritable wonderland of beauty and grandeur" (Das ist ein Wanderweg der den Berg umrundet. Es ist ein Wanderweg der durch Primärwälder führt, nahe der gewaltigen Gletscher, vorbei an Wasserfällen und durch Wolkenbrüchen, über Bergrücken, hinunter in Canyons; er führt durch ein abwechslungsreiches Wunderland voller Schönheit und Erhabenheit).  

Noch am Abend fuhr ich auf der Parkstraße weiter in den östlichen Teil des Nationalparks, denn ich wollte am kommenden Morgen den Sonnenaufgang bewundern. So fuhr bis zum Sunrise Point und riskierte mal eine "Pennerübernachtung" im PKW innerhalb der Parkgrenzen. Da auf diesem Parkplatz schon einige andere PKW´s standen, war ich wohl nicht der Einzige, der das vor hatte. Entweder wird es stillschweigend toleriert oder die Parkranger waren mit der Kontrolle nicht so hinterher. 

Schon 4.30 Uhr stand ich wieder auf der "Matte". Genügend Zeit um ein geeignetes Plätzchen für den Sonnenaufgang mit dem Mount Rainier im Hintergrund zu finden. Der Parkplatz auf dem ich stand hieß zwar Sunrise Point und der Vulkan zeigte sich auch in voller Größe, aber den Berg mit dem Rarkplatz im Bildvordergrund wollte ich dann doch nicht auf dem Foto haben. Also dann doch hinunter zum Sunrise Lake. Ein "Spiegelbild" des Mt. Rainier in der aufgehenden Sonne, das wäre doch mal ein Hingucker. Je weiter ich ins Tal abstieg, desto größer wurden meine Zweifel, ob Mt. Rainier überhaupt noch zu sehen sein würde am Talgrund. Schließlich drehte ich um und entschied zum Visitor Center Sunrise zu fahren. Die Zeit bis zum Sonnenaufgang war nun knapp geworden, aber ich fand noch vor dem großen Parkplatz eine geeignete Stelle.

Über dem Gipfel hatte sich eine kleine Wolke gebildet, die ihr Aussehen und ihre Ausdehnung ständig änderte. Mal sehen wie das aus sieht, wenn ich vom Sonnenaufgang einen kleines Zeitraffervideo hinbekommen sollte. Nach diesem "anstrengenden" Frühsport war erst mal Frühstücken an der Picknickarea des Visitor Centers an der Reihe.Dabei reifte der Plan heran eine kleine Wandertour zum Frozen Lake und dann über den Wonderland Trail  um den Schadow Lake herum wieder zurück zu gelangen. Insgeheim hegte ich die Hoffnung am Frozen Lake doch noch ein Spiegelbild des Vulkankegel zu bekommen. Vor Ort führte dann kein Weg zur richtigen Stelle am See und der leichte Wind machte das Spiegelbild auf der Seeoberfläche eh hinfällig.

Das Gebiet um Sunrise ist mit zahlreichen Wanderwegen gut bestückt, so dass sich immer wieder neue Möglichkeiten ergeben, je nach Lust und Laune die Wandertour auszudehnen oder abzukürzen. Wegen der frühen Morgenstunde und der zu erwartenden Aussichten auf den Berg entschied ich kurzer Hand meinen Weg Berg an zu den First Burroughs fort zu setzen. Von dort waren es nur 0,6 Meilen bis zu den Second Burroughs hinauf. Also nahm ich den "kleinen Hügel" auch noch. Auf 7400 Fuss (2255,52 m)hatte ich dann meine Panoramaaussicht wie ich es mir vorgestellt hatte. Der Weg hatte sich also gelohnt.

Nach 13 Uhr war ich wieder zurück. Gerade zur rechten Zeit um mit den letzten verbliebenen Reiskörnern ein Mittagsmahl zu bereiten. Mit einem Besuch in der Visitor Information, die immer auch kleine Ausstellungen mit interessanten Informationen zur Region anbieten, beschloss ich den Besuch in Sunrise. Ich fuhr die Parkstraße wieder hinunter ins Tal und schlug dann eine südliche Richtung ein, denn ich wollte der Nummer 1, der seismologischen und vulkanischen Aktivitäten in der Cascade Range meine Aufwartung machen. Die Cascade Range gehört zum Pazifischen Feuerring. Wie an einer Perlenschnur reihen sich Gebiete mit aktivem Vulkanismus. So findet man hier von Nordkalifornien bis hinauf nach Washington einige "schlafende" oder auch mal "böse" werdende Vulkane.

Am 18. Mai 1980, 8.32 Uhr wird ein Funkspruch empfangen: "Vancouver! Vancouver! That is it!" Es war das dramatischste geologische Ereignis des Jahrtausends. David A. Johnston verlor beim Ausbruch des Mount St. Helens sein Leben. Als 30jähriger US Geological Survey Vulcanolocist kam er im März 1980 zum Mt. St. Helens, als dieser zu "rumoren" begann. In seinen letzten Wochen verbrachte er viele Stunden am Vulkan um zu studieren, wie und ob die Gasemissionen für die Vorhersage von Vulkaneruptionen genutzt werden können. 

Nicht anders erging es Harry R. Trumen. Harry kam 1926 an den Spirit Lake unterhalb des Mt. St. Helens. Schon bald betrieb er eine Log-Cabin Grocery, Tankstelle und Bootsvermietung. 1939 baute er die Mt. St. Helens Lodge. Seine Frau Eddi und er führten das Geschäft. Eddi starb nach 28 Ehejahren 1975. Als die Erdbeben im März 1980 begannen wurde er aufgefordert zu gehen. Aber er tat es nicht, Von Reportern dazu befragt, antwortete er: "Spirit Lake and Mt. St. Helens is my life, folks. I´ve lived there 50 years. It`s a part of me".

So wie David und Harry starben insgesamt 57 Menschen bei dieser Vulkankatastrophe, obwohl der Vulkan über einen längeren Zeitraum signalisiert hatte: "Hj! Hallo! I´m ready to erupt".

Ich hatte noch die Nachrichtenbilder vom Ausbruch vor Augen und ich wusste, dass der Vulkan bei dieser Eruption einen Teil seiner Kraterwand verloren hatte. Heute stand ich am Aussichtspunkt Windy Ridge und versuchte mir dieses explosive Megaereignis vor zu stellen. Schon bei der Anfahrt sah man der Landschaft nach über 35 Jahren noch die Folgen der Zerstörung an. Nur wenige Bäume hatten als "Jünglinge", noch im letzten Schnee steckend an geschützten Stellen das Infero überlebt. Ganze Wälder wurden von dem Feuersturm platt gemacht, im wahrsten Sinne des Wortes. Die noch existenten Baumstämme großer Bäume lagen fein säuberlich in eine Richtung. Heute gibt es in der Umgebung wenige Bäume die nur unwesentlich älter als diese 35 Jahre sind. Der größte Teil der nördlichen Kraterwand ist bei einem Erdrutsch nieder gegangen und riegelte den Spirit Lake ab. Den Rest verteilten die heftigen Eruptionen in der Umgebung. Später hat man mit einem Tunnelbohrgerät einen künstlichen Abfluss geschaffen, um Tot bringende Folgeerscheinungen zu bannen, denn der Anstieg des Seespiegels und der zunehmende Wasserdruck hätte den instabilen Erdrutschdam zum Besten bringen können. Das Ausmaß der Folgen dieses Vulkanausbruchs vor Augen musste ich feststellen, dass meine Vorstellungskraft nicht annähernd ausreichte, um mir dieses Ereignis am Ort des Geschehens auch nur Ansatzweise vorstellen zu können.

Ich gab "Fersengeld" um diesen Ort wieder zu verlassen. Mir wird er als ein sehr unsicher Ort in Erinnerung bleiben. Auch der Straße merkte man den unsicheren Untergrund an, denn sie wies sehr viele Risse und abgesenkte Flächen auf. Teilweise repariert und ausgebessert, waren schon wieder neue Risse im Asphalt vorhanden.

9./10. 7. 2015 - Ich bin auf der Zielgeraden



11.-13. 7. 2015 - Die "Rumtreiberrei" hat ein Ende



14. - 27. 7. 2015 -Westcoast Trail, eine Legende unter den top Trails dieser Welt

Wir waren vorbereitet einen Trail zu gehen der sich in der "Hiker-Szene" schon seit langem einen Namen gemacht hatte. Das liegt zum einen daran, dass vom nördlichen und südlichen Trailstart jeweils nur 25 Wanderer pro Tag auf den Trail starten können. 40 Permits können täglich im Internet gebucht werden und 10 Permits stehen denen offen, die ohne Buchung anreisen. Die Permits werden dann nach dem Prinzip "first come, first surfed" vergeben. Schlimmsten falls muss man einige Tage warten, bis man an der Reihe ist. Wir hatten so gepokert, dass wir annahmen das am nördlichen Trailstart in Bamfield weniger Leute ohne Online-Permit anreisen, als am südlichen Trailstart in Port Renfrew. Trotzdem hatten wir für 5 Tage zusätzliches "Futter" dabei, falls wir doch einige Tage auf unser Permit warten mussten. Sollte auch diese Zeit nicht ausreichen, dann waren wir gezwungen wieder per Bus zurück zu fahren. Dann aber nur bis Port Renfrew, denn dort erreichte man auch den nördlichen Trailhead des Juan de Fuca Trails. Diesen Trail konnte man ohne Permit wandern und war die Alternative für einen "überbuchten "West Coast Trail". So wäre es doch noch möglich gewesen, in den Genuss von etwas "West Cost Feeling" auf dem "Ersatztrail" zu gelangen. Auf der anderen Seite bietet der Trail einige nicht alltägliche Überraschungen und ist wegen seiner feuchten Verhältnisse und der daraus resultierenden "Schlammschlacht" berüchtigt. Und so einen Trail wollten wir gehen? Ja, denn einmal richtig "Einsauen" ist Pflicht.

Wir waren überpünktlich am Abfahrtspunkt unsere Busses der uns zum nördlichen Trailstart, 5 km von Bemfield entfernt, bringen sollte. Der Weg dahin war nicht 1,2,3 erledigt, denn Victoria Island ist nicht so üppig besiedelt, so dass wir die letzten 2 h (von insgesamt 6 h Anfahrt) auf der Gravelroad ziemlich durchgeschüttelt wurden. Ab Port Renfrew füllten sich die Sitzplatzreihen des Busses ziemlich auf, denn einige Wanderer stellten ihre Fahrzeuge dort ab und ließen sich mit dem Bus zum nördlichen Trailstart bringen. Dann waren sie am Ziel ihrer Wanderung sofort wieder mobil und nicht auf einen Bustransfer angewiesen.

Am Trailstart müssen sich alle Wanderwütigen registrieren lassen. Wir warteten ab, bis alle die eine Online-Permit-Buchung besaßen an der Reihe waren und fragten anschließend, ob es möglich ist und wann ein Permit zu erhalten ist. Die Rangerin reichte uns einen Zettel und meinte, dass wir morgen losgehen könnten. Das lief ja wie ein "Länderspiel", besser als wir es je erhofft hatten. Zwar waren nun einige Dollars nötig, um am Campingplatz an der Pachena Bay für eine Nacht unser Zelt aufstellen zu können und die überschüssigen Kalorien in Form von Zusatzfutterrationen würden wohl auf dem Trail die Rucksackträger etwas tiefer ins Schulterfleisch eindrücken, aber was man hat, das hat man. Also schnell unsere Namen notiert und die Registrierung ausgefüllt.

Eine halbe Stunde später fand das nächste Briefing durch die Rangerin statt. Sie machte darin darauf aufmerksam welche Besonderheiten, welche Gefahren, welche Regularien auf dem Trail zu erwarten waren, denn es gab Wildtiere in Form von Schwarzbären und Berglöwen (Cougar) zu beachten, Gezeitenabschitte die nur bei bestimmten Wasserständen passierbar waren und wegen akuter Waldbrandgefahr ein absolutes Lagefeuerverbot, die Benutzung von Cablecars und Leitersystemen um nur einige der wichtigsten Dinge zu nennen.

Nach dem offiziellen Teil erhielten wir unsere Permits nachdem 320,- Can.$ in cash über den "Ladentisch" gingen. Damit war der Weg frei für uns den WCT zu gehen. Einige Wanderer starteten sofort durch um die ersten Campmöglichkeit nach 12 km noch zu erreichen. Wir ließen es etwas entspannter angehen und zogen den morgigen Trailstart vor.

Nach dem sich der typische vom Pazifik in die Pachema Bay hereinziehende Nebel begann mehr und mehr aufzulösen, bot der mit großen Stämmen von Treibholz belagerte Strand ein schönes Fleckchen zum Entspannen. Nachdem die Sonne aus der Bucht verschwand, verschwanden wir auch in unseren Schlafsäcken im Zelt.

1. Tag auf dem WCT - Michigan Creek

Wir hätten auch den 500 m langen Gezeiten beeinflussten Strandabschnitt wählen können für unseren Trailstart, da die Flut diesen Abschnitt noch nicht überflutete. Da wir aber am Registrationspunkt in den Trail einbogen erreichten wir die Hochwasserroute. Nach ein zwei Biegungen standen wir vor dem ersten Leitersystem. Die Stufen der Leitern erklommen wir Schweiß treibend über den Felsenvorsprung. Warum auch einfacher machen, wenn es schwieriger geht. Es kamen ja nur noch 37 Leitersysteme. Nachdem wir einen Teil unserer Tageskräfte gleich auf den ersten 500 m verpulvert hatten, führte der Trail in einem welligen Auf und Ab durch einen außertropischen Regenwald der gemäßigten Westseiten mit der Farbe grün in zig Farbabstufungen. Gespickt mit einigen Leitern und kurzen Anstiegen präsentierte sich der WCT in diesem Bereich. Von dem berüchtigten Schlamm auf dem Trail war nichts zu sehen und wir kamen unter unserer Rucksacklast  voran. Am Ende des Wandertages kam ein 3 km Stundenschnitt für die ersten 12 km auf dem WCT heraus. Nach jeder Stunde Rucksackschleppen gab es eine Pause. 3 Uhr erreichten wir die ersten Campmöglichkeiten. Da die Wanderer die vor uns an diesem Ort ankamen diese überraschender Weise nicht belegten, sondern weiter gezogen waren,  fanden wir einen sehr schönen Platz mit sonnigem "Balkon" und Blick auf das Meer. Das lud ein zum Chillen. Als wir da saßen wurde noch ein spannendes "Fernsehprogramm" auf dem Ozean geboten, denn Peggy entdeckte eine Schule von Walen, die auf der Jagd an der Küste nach Süden zogen. Die Atemfontäne, der Wahlbuckel und ab und zu auch die Fluke waren deutlich zu erkennen. "Walewatching" ist nirgendwo eine preiswerte Veranstaltung. Wir bekamen es auf dem WCT inclusive geboten, weil ca. 300 Wale rund um Vancouver Island leben. 

2. Tag auf dem WCT Tsocowis Creek

Die Letzten werden die Ersten Sein. Während alle anderen schon auf dem Strandabschnitt zu ihrem angestrebten Tagesziel unterwegs waren saßen wir noch beim Frühstück oder verstaute unsere Sachen in den Rucksäcken. Wir kamen deshalb erst kurz nach 10 Uhr aus den Puschen. Immer noch früh genug um den von der auflaufenden Flut beeinflussten Trailverlauf, ohne nasse Füsse zu bekommen, zu bewältigen. Den ersten Abschnitt konnten wir auf den von der Flut überspülten Felsen gehen. Der Untergrund war fest. Aufpassen musste man nur bei tieferen Wasserlachen oder Wasser gefüllten Spalten im Felsgestein. Später ging es an den Strand. Der Sand und das Kiesgeröll waren tief, so dass das Gehen entsprechend schwerer fiel. Unterwegs fand ich eine angeschwemmte Markierungsboje in Form eines Plastikballes. Ich nahm sie mit bis zum nächsten Campground, denn sie hingen dort zig-fach als buntes Markierungstreibgut an den Bäumen und am Treibholz.

Während unsere Mitwanderer bereits über alle "Berge" waren, da sie sich eine 12 km Tagestour vornahmen, hatten wir bereits nach 4 km unser Tagesziel erreicht, denn wir konnten uns etwas mehr Zeit nehmen für den WCT, da wir mit 10 Tagen kalkulierten. Fast als erste Tagesgäste auf dem Campground konnten wir uns unseren Traumplatz hinter einem Treibholzwall aussuchen. Kurz nach 12 Uhr stand das Zelt und wir konnten zum gemütlichen Teil des Tages über gehen. Diesen füllten wir aus mit Chillen, Lesen, Baden im kalten Pazific, Baden im wärmeren Wasser eines Wasserfalls, Fotografieren, Hosen nähen und unseren Malzeiten. Peggy dekorierte noch die Markierungsboje aus Plastik an ihrem neuen Platz mit einem schönen Spruch: "Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum".  Als die Sonne hinter der nächsten Bucht verschwand und unser Zelt gegen 20 Uhr im Schatten lag, zogen wir es auch vor darin zu verschwinden.

3. Tag auf dem WCT - Tsusiat Falls

Da das Einsetzten der Flut jeden Tag ca. 40 Minuten früher beginnt, war auch heute kein verschlafener Tagesstart möglich. Nicht dass wir den Wecker nach den Gezeiten stellen müssen, aber ganz außen vor kann man sie auf dem WCT nicht lassen. Es genügte heute den Tagesstart so zwischen 9 und 10 Uhr hin zu bekommen, denn ab Kilometer 20-22,5 war ein Beachabschnitt dabei der bis zu einer Tide von 9 ft (2,70m) ohne Probleme zu meistern war. Laut Tidentabelle war die Flut mit einer Tide von 10,2 ft (3,10m) für 14.52 Uhr vorhergesagt. Genügend Zeit um mit trockenen Füßen die Leitern zum Waldtrail hinauf zu meistern. 

Apropos Leitern, diese führte heute kurz nach dem Trailstart scheinbar direkt zum Himmel hinauf, denn so steil und unendlich lang kam sie uns vor. Danach ging es gute 3 km moderat auf und ab durch den Wald. Nach Brücke 34 blickte ich mal aus meinem Wandertrott auf in Richtung Trailverlauf. Ungefähr 30 m vor mir stand ein ausgewachsener Schwarzbär mitten auf dem Weg und schaute mich ebenso verwundert an. Ich blieb stehen, hob die Arme und sprach ihn in einem ruhigen Ton an, dass er doch weiter in den Wald gehen solle und uns den Weg frei gibt. Wir gehen auch ganz schnell durch seine "gute Stube" durch. Zunächst schien er das nicht verstanden zu haben, war dann aber doch ruck zuck im Wald verschwunden. Als ich die Stelle passierte stand er hinter einem quer liegenden Baumstamm 10 m vom Weg entfernt und wollte kontrollieren, ob wir wirklich an ihm vorbei gingen. Da Peggy etwas hinter mir kam, sprach ich ihn noch einmal an, damit er weiter in den Wald hinein geht. Er hörte aufs Wort und verschwand im Dickicht. Ich ging weiter, aber Peggy hatte den Eindruck, dass er hinter ihr wieder auf den Weg kam. Ich ging etwas zurück und stellte fest, dass dem nicht so war. Stattdessen sah ich ihn auf einem abgestorbenen Baumstamm hinaufklettern und sich an einem leckeren Baumpilz laben. Wir gingen froh gelaunt weiter in dem Gedanken eine Bärenbegegnung zusammen mit dem Schwarzbären friedlich gemeistert zu haben. Langsam entwickle ich mich hier zum "Bärenflüsterer". 

Es folgten noch einige interessante Lookouts von den Klippen herunter auf den Ozean. Laut Karte waren dort einige Wracks von Schiffsunglücken des 19. und 20. Jahrhunderts. So sank z. B. das 1600 Bruttoregistertonnen und 273 ft lange Eisendampfschiff "Valencia" im Januar 1906. Von den 160 Passagieren und Besatzungsmitgliedern verloren 125 ihr Leben. Vielleicht war der Wasserstand zu hoch, dass wir Teile des Wracks nich sehen konnten, oder es ist längst von der Brandung zerlegt worden? 
Dann ging es hinunter zum Strandabschnitt. Ein großer verrosteter Schiffsanker vom gesunkenen Dampfschiff "Woodside" wies den Weg. Von einem anderen Wanderpärchen bekamen wir den Tipp, an dieser Stelle Trinkwasser zu filtern, da der nächste Fluss ins Meer Brackwasser führte und keine Trinkwassergewinnung möglich war. Wir hatten genügend Trinkwasser in unseren Trinkflaschen, so dass wir weiter ziehe konnten. 

Nach einer Mittagsrast in der Strandsonne folgten wir wieder dem Trail in den Wald hinein. Dort endete er kurze Zeit später an einem Fluss der ins Meer mündete. War nun etwa Boot fahren oder Schwimmen angesagt? Nein, etwas ganz anderes, wartete auf uns. Über dem Fluss hing ein Cable Car. Dieser an einem Seil hängende Wagen bot Platz für zwei Personen und deren Rucksäcke. Wir zogen den Wagen zu unserer Startplattform hinauf, luden die Rucksäcke ein und stiegen selbst dazu. Dabei war diese Unternehmen gar nicht so leicht zu bewerkstelligen, denn der Wagen musste gehalten werden, damit er sich nicht selbstständig in Bewegung setzte. Wir meisterten diesen Akt mit einer taktischen Glanzleistung. Zuerst nahm mein Rucksack Platz und Peggy hielt den Wagen fest, dann folgte Peggy mit Rucksack und ich hielt den Wagen fest, danach mein kleiner Tagesrucksack, Peggy hielt den Wagen mit ihrer Hände Kraft am Transportseil an Ort und Stelle, so dass ich noch hineinspringen konnte. Im selben Moment ging die Fahrt auch schon los. Das letzte Drittel mussten wir wieder mit der Muskelkraft unserer Arme den Wagen weiter zur gegenüber liegenden Plattform hinauf ziehen. Das Aussteigen erfolgte in umgekehrter Reihenfolge zum Einstieg. Ein für uns neues Seilbahnabenteuer mit hohem Spaßfaktor hatte ein glückliches Ende genommen. 

Jetzt waren es noch 2,5 km bis zu unserem Tagesziel am Tsusiat Wasserfall. Der Trail führte nun zum großen Teil über Boardwalks die oft einen sehr wackligen und morschen Eindruck machten und in diesem Abschnitt dringend einer Generalüberholung bedurften. Nach der Brücke über den Tsusiat River ging es wieder steil Berg an und wir kamen ins Grübeln darüber, ob wir den Abzweig zum Strand-Campground verpasst hatten. Ich ging noch einmal zur Brücke zurück, aber es gab keinen Abzweig. Ein nachfolgendes Wanderpärchen riet uns im Fluss an der Brücke das Trinkwasser zu filtern und nicht unten am Wasserfall. Wir folgten ihrem Rat und setzten mit gefüllten Trinkwsserdepots die Wanderung fort. Kurze Zeit später kamen dann die ersehnten Leitern hinunter zum Strand in Sicht. Da wir mit zu den ersten gehörten, die am Campground eintrafen hatten wir die volle Auswahl an Campsites. Wir fanden schnell ein geeignetes Plätzchen.

Beim Zeltaufbau tauchten dann einige Unstimmigkeiten wegen der geneigten Strandebene auf. Peggy betrachtete den Zeltaufbau aus ihrer Bärenpflückerinnenperspektive und wollte die Zeltöffnung mit Meeresblick. Ich hingegen hatte den Zeltaufbau aus der Perspektive des Säbelzahntiger Jägers vor meinem geistigen Auge und wollte nicht mit dem Kopf nach unten schlafen, denn ein ergiebiger und gesunder Nachtschlaf ist für den Jagderfolg von maßgeblicher Bedeutung. Für diese Prpblemlösung musste nun Baumeister Bob ans Werk und eine ebene Bodenplatte "gießen".
Nach dem Zeltaufbau verbrachten wir einen friedlichen Nachmittag in den wärmenden Strahlen der Strandsonne. 

4. Tag auf dem WCT - Cribs Creek - Ist das die Königsetappe?

9.20 Uhr waren wir auf dem Trail, den wir bei niedriger Tide am Strand fortsetzen konnten, denn bei einem Wasserstand unter 7 ft (2,10 m) war Tsusiat Point durch ein großes Loch im Felsen passierbar. Wir kamen am Strand zügig voran, so dass wir in der ersten Stunde schon 4 km schafften. Kurz vor einem ausgewiesenen Indianer Reservat am Tsuquadra Point bog der Trail in den Wald ab und durchquerte das Reservat. Wir gingen an einem Comfort-Campground vorüber. Dieser bot die Möglichkeit für "schlappe Wanderer" hier die lange Tagesetappe ab zu kürzen. Allerdings waren dafür einige Dollars nötig, denn die Marktwirtschaft ist längst bei den First Nations angekommen.

Wir setzten unseren nun beschwerlicheren Weg fort. An einem kleinen Creek bei km 30 trafen wir einen 74 jährigen Solowanderer, der uns empfahl Trinkwasser zu filtern, denn für die folgenden 10 km gab es keine Möglichkeit mehr dazu. Wir folgten seinem Rat. Danach setzten wir unsere "Schlacht" durch den Wald fort, Sie nahm nun ab und zu das Format an, welches ich auf dem WCT erwartet hatte und weswegen er so legendär ist. Einige Schlammstellen konnten wir seitlich umgehen, aber kurz vor den Nitinat Narrows mussten wir an einem beschwerlichen Steilstück durch den plastischen Schlamm. Wenig später erreichten wir einen Natursteg aus dicken Baumstämmen. Es war die Anlegestelle der Fähre. Der Nitinat Lake entwässert über diese Engstelle in den Ozean. Wegen seiner Tiefe und der Gezeitenströmung betreiben die First Nations eine Fähre. Diese kann Kosten pflichtig genutzt werden. Allerdings nur, wenn man sein Permit noch vorweisen kann, denn mit diesem ist die Fährüberfahrt schon bezahlt (16,- $) worden.

Nach ca. 20 Minuten der Wartezeit kam die Fähre und wir konnten ans andere Ufer übersetzen. Dort erwartete uns eine kleiner Imbiss, der leckeren Fisch anbot. Wir nutzten die Gelegenheit unseren Speiseplan zu ergänzen und orderten Salmon (Lachs) und Halibut (Heilbut) mit einer Ofenkartoffel. Alles zusammen schmeckte köstlich. Vor dem Steg schwammen jede Menge "MInilachse". Die Smolt genannten Jährlinge bereiten sich in dem Brackwasser auf den Übertritt in den rauen Pazifik vor, denn sie müssen sich an die Salzwasserbedingungen anpassen.

Nach diesem unerwarteten Leckerbissen schulterten wir wieder unsere schwere Last und zogen weiter auf dem WCT Richtung Süden. Nun nahm das "Elend" seinen Lauf, denn wir hatten auf der heutigen Tagesetappe noch weitere schwere 9 km vor uns und mit zunehmender Dauer waren echte "Nehmerqualitäten" erforderlich, um den Rucksack nicht kurzentschlossen die Klippen hinunter zu schmeißen. Damit das möglichst nicht passierte hielten wir unseren Wanderpausenrhythmus von ca 60 Minuten bei. 

Bei der letzten Pause bevor wir wieder den Weg am Strand wählen konnten, war noch einmal die Gelegenheit darüber nach zu denken, wieder um zu kehren, denn es war zufällig der "Point of no return". Ab diesem Punkt war der weitere Trailverlauf mit all seinen unbekannten Schwierigkeiten kürzer als der Rückweg mit seinen bekannten Schwierigkeiten. Die Wahl fiel nicht sonderlich schwer, denn in unserer Richtung hatten wir nur noch 4 km bis zum schönsten Strandcampplatz des WCT am Cribs Creek.

Die letzten zwei bis dreihundert Meter schleppten wir uns über ein dem Strand vorgelagertes Felsenband und suchten nach einem Weg nach unten. Als dies möglich war, erreichten wir kurze Zeit später die Stelle oberhalb der Flutlinie, wo wir unsere Schultern endlich von den mittler Weile  "Zentner schweren" Rucksäcken entledigen konnten. Es versteht sich von selbst, dass außer Wasser Filtern, Zeltaufbau und Abendessen an diesem sonnigen Abend nichts mehr passierte. 
Wir hatten tatsächlich die "Königetappe" nach gut 9 h gemeistert.

5. Tag auf dem WCt - Cribs Creek - Hurra, Ruhetag am schönsten Strand des WTC!!!

Für irgend etwas muss doch die viele Zeit und das eingeplante "Futter" gut sein, was wir bisher nur auf dem Trail spazieren getragen haben. Nach der gestrigen Königsetappe ließen wir es heute ruhig angehen und schauten den auf den Trail gehenden Wander/innen nur mitleidig hinter her, während wir gemütlich erst 10.30 Uhr beim Frühstück saßen. Ein Bald Eagle flog auf seinem Patrouillenflug am Waldrand entlang. Wir schauen ihm begeistert hinter her, denn er hat etwas majestätisches an sich. Ab und an hörte man das Brüllen eines Seelöwenbullens von der vorgelagerten Felseninsel über die Brandung hinweg herüber schallen. Da die Sonne schon am Vormittag ordentlich einheizte ging es anschließend ein paar Schritte an den Strand hinunter. Dort ließen wir unsere Beine von einem kalten Pazifik umspülen. Weiter hinein zu gehen ging fast nicht, denn das Wasser war schon ziemlich kalt. Wir fanden zwischen den Steinen eine Wasser gefüllte Kuhle die deutlich wärmeres Wasser hatte, so dass wir sie als Badewanne nutzen konnten.

Danach ging es weiter zum Cribs Creek um Trinkwasser für den Tag zu filtern und kleine Wäsche zu waschen. Die Creeks führen wegen der anhaltenden Trockenheit nicht besonders viel Wasser, aber es macht einen klaren Eindruck. Trotzdem wird empfohlen das Flusswasser nur behandelt (chemisch oder gefiltert oder abgekocht) zu verwenden. Etwas lesen und ein kleines Nickerchen halfen uns über die Mittagszeit während der Pazifik bei einlaufender Flut seine Brecher wutentbrannt gegen das vorgelagerte flache Felsenband schleuderte. Nebelschwaden zogen vom Pazifik her über die Küste und bald war es mit dem strahlenden Sonnenschein vorbei. Wenn ich noch ein Foto vom Strand haben wollte, dann musste es bald sein, ehe die Brecher das Felsenband gänzlich überspülten und die Sonne hinter Nebelwolken verschwand. Als ich auf dem Felsenband stand rückte das Wasser mit jeder Welle näher an mich heran und die "Badewanne" hinter dem Felsenband lief mehr und mehr voll. Ich musste mich sputen um noch durch das Wasser zum Strand zurück waten zu können. Einige Zeit später spülten die auslaufenden Wellen das Wasser über die Kliffkante, so dass sich breite Wasserfälle bildeten. 

Wie hatten wir nur den sehr anstrengenden gestrigen Tag überstanden? Heute schleppten wir uns von Miniaktion zu Miniaktion und sanken abgemattet in unsere "Erholungshaltung" auf dem Campingstuhl. Nach einigen Zeilen des Lesens zog es uns schon wieder die Augen zu. Der Nachmittag war schon weit voran geschritten und wir lauerten auf das Abendessen. Damit ist der Tag auch schon erzählt. Morgen gehen wir wieder auf den Trail aber 16 km auf einem Wildnistrail muten wir uns nicht wieder zu, denn jetzt folgen Campmöglichkeiten in gemäßigten Entfernungen.

6. Tag auf dem WCT - Bonilla Creek

Um Haaresbreite verpassten wir heute die rote Laterne der morgendlichen "Trödelgruppe" ab zu geben, obwohl der Tagesstart heute bei allen Wandergruppen irgendwie schleppend voran ging. Das lag sicher an der Witterung, denn nach Tagen des strahlenden Sonnenscheins hatten sich über Nacht normale Witterungsverhältnisse für den West Coast Trail eingestellt. Nebelschwaden zogen unter einer dicken Schichtwolkendecke über den Strandabschnitt und verhinderten ihn im Ganzen zu überblicken. Und um die trübe Tagesstimmung noch zu untermauern trieb ein feiner Sprühregen vom Pazifik heran.
Im Schutz des Zeltes schauten wir uns die Tristesse vor der Haustür beim Frühstück an, bevor wir selbst in das "Elend" hinaus mussten. Was hilft in solchen Momenten?
Der Spruch: "Es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung".
Es hätte ja auch schlimmer kommen können, mit Dauerregen und so!
Du hast es doch selbst so gewollt, dich in dieser abgeschiedenen Einöde ohne festes Dach über dem Kopf herum zu treiben! 

Sei es wie es sei, wir waren frohen Mutes auch diese Situation wie so oft zu meistern. Da wir genügend Zeit hatten, konnten wir nun auf fast allen folgenden Campgrounds unser Nachtlager errichten, so dass wir heute nur eine 6,5 km lange Wanderetappe vor uns hatten. Da der Tidenverlauf günstig war, konnten wir fast ausschließlich den Beachtrail nutzen. Am Charmanah Point, einem Felsvorsprung mussten wir dem Trail in den Wald und über die Felsenkuppe folgen. Obenauf steht das Charmanah Lighthouse, ein Leuchtturm der Canadian Coast Guarde, der diesen gefährlichen und von Schiffswracks gesäumten Küstenabschnitt für die Schifffahrt sicherer macht. Versorgt wird dieser Posten von See aus, denn eine Dieselleitung führte vom Dieseldepot am Leuchtturm hinunter zur Küste. Mit dem Diesel wird das Stromaggregat betrieben, um die Funktionstüchtigkeit des Leuchtturms zu sichern. Die Leuchtturmbesatzungen hatten in den Jahren seiner Existenz der Wildnis ein urbares Fleckchen mit Gemüsegarten, Blumenbeeten und Rasenfläche abgerungen.

Der Trail verlief nun wieder im dichten Wald der West Coast. Als er wieder den Strand erreichte trauten wir unseren Augen kam. Weit abseits jeglicher Zivilisation, mitten im außertropischen Regenwald Vancouver Islands, an einer Gott verlassenen Küste gab es in einem als "IR 6" (Indian Reservation) ausgewiesenen schmalen Küstenstreifen einen "Strandimbiss" mit frischem Dosenbier, Frühstück und anderen Snacks. Davor tummelte sich das bunte WCT-Wandervölkchen und ließ es sich an der Beachbar gut gehen. Auch wenn man das nicht unbedingt in der Wildnis sucht oder erwartet, eine kleine Abwechslung im Wandereinerlei ist es alle mal.

Am langgezogenen Strand hatten wir noch etwa 2 km um das nächste Cap herum, um zum Campground Bonilla Creek zu gelangen. Am Ende des lang gezogenen Strandes wartete mit dem Carmanah Creek noch eine kleine Überraschung auf uns. Entweder wir nutzten die Cablecar oder mussten zu sehen, wie wir über das ins Meer abfließende Bächlein anderweitig hinweg kamen. Ein anderer Wanderer machte es uns vor, wie es nicht funktionierte, denn er sank im weichen Ufersand ein, rutschte in den Bach und musste von seinen Begleiter/innen wieder herausgezogen werden. Mein Versuch an dieser Stelle den Bach zu überqueren scheiterte ebenso kläglich. Etwas weiter unten, kurz vor dem Übertritt ins Meer uferte der Bach etwas aus und schien weniger tief zu sein. Hier zeigten uns anderer Wanderer, wie es funktionieren könnte. 1. Variante: Wanderstiefel ausziehen und barfuß durch waten. 2. Variante: In kurzen schnellen Schritten in voller Montur, "Augen zu und durch". Wir entschieden uns kurz vor dem Tagesziel für "Augen zu und durch". Die Wanderstiefel waren anschließend äußerlich pitsche nass, aber die Gamaschen hielten wahrscheinlich einen größeren Wassereinbruch in die Wanderstiefel ab. Da der Sprühregen wieder eingesetzt hatte, spannten wir beim Aufbau des Zeltes noch zusätzlich das Tarp auf und hatten somit einen trockenen "Vorbau" vor unserem Zelt.

7. Tag auf dem WCT - Walbran Creek

Hurra, wir hatten es geschafft und waren an diesem Tag die erste Wandergruppe die kurz nach 12 Uhr den Campground wanderfertig verlies. Schade nur das wir die einzigen Übernachtungsgäste am Bonilla Creek mit seinem schönen kleinen Wasserfall waren, denn gleichzeitig waren wir wieder die "Bummelletzten". Bei einer bevorstehenden Wanderetappe von ca. 5 km kein wirkliches Drama. Da der WCT wieder dem Strandverlauf folgte, waren auch keine größeren Überraschungen zu erwarten, da die erst einsetzende Flut uns noch genügend Raum lies. Mal kann man den felsigen Untergrund nutzen, der dem Wanderfussabdruck ordentlich stand hält und man deshalb ordentlich voran kommt. Allerdings sollte man immer aufpassen wohin man seinen Fuss setzt, denn es gibt tückisch schlüpfrige Stellen, die einem ganz schnell den Boden unter den Füßen entziehen können. Der schwere Rucksack mit seinem "Kumpel" Erdanziehung erledigen dann ohne Änderungsmöglichkeit den Rest. Falls man sich diesem Sturzrisiko nicht aussetzten will, geht man über Sand oder Kiesstrand. Das Ausrutschrisiko tendiert gegen null, aber ein Großteil der Abdruckenergie geht für tiefe Fußabrücke im weichen Geläuf drauf. Das Vorankommen fällt dementsprechend schwer und das Ermüdungslevel steigt bei jedem Schritt. 

Man setzt stoisch einen Schritt vor den anderen, tap, tap, tap und tap. Es ist fast so wie beim "Schäfchen zählen" vor dem Einschlafen. Plötzlich ein Schrei. Ich kannte diesen Schrei, er stammte von einem Bald Eagle. Jetzt musste ich ihn nur noch auf seinem Ansitz finden. Die großen Bäume am Waldrand bieten hervorragende Möglichkeiten für Weißkopfseeadler ihr Jagdgebiet zu kontrollieren. Ich fand ihn 50 m vor mir auf seinem Ansitz. Es war eine sehr gute Gelegenheit für ein Fotoshoting. Ich finde diese Vögel faszinierend mit ihren kräftigen, Krallen bewehrten Vogelfüßen, dem weiß abgesetzten Kopf- und Schwanzfederkleid, dem gebogenen, Angst einflößenden Raubvogelschnabel und dem stechenden, markanten Blick des Tieres. Dazu kommt noch sein majestätisches Flugkönnen und die Fähigkeit Fische aus dem Anflug heraus im Wasser zu erbeuten. Diese Leistung der Evolution finde ich toll gelungen. 

Bei aller Begeisterung für die Evolution fiel mir ein, dass ich von der Evolution einen ausgesprochen effektiven Bewegungsapparat bekommen hatte und dieser auf lange Zeit aber nur richtig funktionierte, wenn er ordentlich belastet wurde. Also schulterte ich den Rucksack und zog meine Spur weiter durch den weichen Sandstrand. Später konnte ich eine Felsplatte die die niedrige Tide freigegeben hatte zum Wandern nutzen. Zwar ging das gehen darauf leichter voran, aber man musste höllisch darauf aufpassen um nicht auf Algen oder glatten Steinen darauf aus zu rutschen. Also immer kleine Schritte machen, damit möglichst ein großer Teil des Fußes auf den Boden gesetzt wurde und nicht wie bei Raum greifenden Schritten nur die Hackenpartie, dann ist schnell mal ein Spagat dabei. 

Am Walbran Creek angekommen erwischten wir noch einen netten Campsite und da der Creek durch den von der Ozeanbrandung aufgeschütteten Wall nicht abfließen konnte hatte sich ein schöner klarer See gebildet. Das der Walbran Creek überhaupt nicht durch den von der Brandung aufgeschütteten Wall überhaupt nicht abfließen kann, glaube ich nicht, denn dann würde er ja irgendwann überlaufen. Sicher ist es so, dass das Flusswasser durch dem Brandungsdamm in den Ozean abfließt. Wie auch immer uns war es egal, denn wir hatten einen schönen und wohl temperierten Badepool direkt vor der Haustür.

Wegen der langen Trockenheit im Juni und Anfang Juli galt ein absolutes Campfeuerverbot auf dem Trail. Wir bemerkten aber schon einige Tage zuvor, dass sich nicht alle Hiker daran hielten und hier und da ein Lagerfeuer in den Abendstunden am Strand zündeten. War das Lagerfeuerverbot wegen der Niederschläge in den vergangenen Tagen aufgehoben worden? Sei es wie es sei, wir beteiligten uns an diesem Abend mit am "Kokeln". Das heißt, ich hatte nur mit meinen selbst gebastelten Starterkit (in Vaseline getränkte Wattepads) das Feuer entfacht und Peggy spielte die "Oberbrandmeisterin" und legte ein Scheit nach dem Anderen in die züngelnden Flammen. 

8. Tag auf dem WCT - Cullite Creek - Hindernislauf

Der beginnende Tag hatte wieder einmal seine Nebel graue, Sprühregen-Rüschen abgesetzte Alltagskluft angezogen. Heute stand eine erste komplette Waldetappe über ca. 5 km an. Schnell wurde uns klar, dass das nichts mit Beachwalking zu tun hatte, denn es ging hoch und runter, über Wurzeln und querliegende Baumstämme, manchmal auch unter ihnen hindurch, über ganze, angemoderte und kaputte Boardwalks im Zickzack oder auch mal längs über den Stamm eines umgestürzten Baumstamms durch den Wald. Man konnte meinen Sportunterricht stand auf dem Stundenplan und der Sportlehrer "Herr Wald" wollte uns fertig machen. Als wir diese Disziplin lebend überstanden hatten, gab es als Überraschung noch Klettern, denn der Logan Creek mit seiner tiefen Schlucht musste überwunden werden. Acht auf einander folgende z. T. steil hinunter führende Leitern mussten gemeistert werden und auf der anderen Seite ging die Prozedur in umgekehrter Richtung Schwerkraft überwindend wieder steil nach oben. Zwischendurch war nicht etwa Ausruhen und Entspannen angesagt, neiiiiiiiiiiiiiin, eine schmale schwankende Hängebrücke trieb uns das Adrenalin durch den Körper. Das war dann wohl dem Sportlehrplanteil "Wagnis" entnommen. Damit war die Sportstunde aber noch nicht beendet, denn jetzt waren bei der Ausdauerschulung Durchhaltevermögen und "Zähne zusammen beißen" gefordert, da es bis zum Tagesziel noch ein gutes Stücken hin war. Ein ca. 1 km langer Boardwalk lies uns auf der Hochfläche durch lichteren Wald gut vorankommen. Das Leiden nahm dann kurz vor dem Abzweig zum Campground ein vorläufiges Ende, da mit der Cablecar über den Cullite Creek ein paar Sekunden Chillen angesagt war. Im Endspurt nahmen wir anschließend den letzten Teil der Hindernisstrecke und konnte endlich am Campground unsere Rucksäcke ablegen. Nach dem Zeltaufbau gab es Hühnerbrühe dazu Knäckebrot und Käse, das weckte unsere Lebensgeister wieder etwas auf.

Eine Kaltfront hatte Vancouver Island von Südwesten her erreicht und ein kalter Wind wehte von der Juan de Fuca Strait herüber. Uns war kalt, so dass wir uns bis zum Abendessen in unsere Schlafsäcke verzogen. Trinkwasser machen und Abendessen in einer windgeschützten Ecke beschlossen den Abend, der auch mit der Auflösung der Wolken einher ging. War am nächsten Tag etwa wieder Sonnenschein angesagt?

9. Tag auf dem WCT - Camper Creek - Tag der Leitern und des Schlammes

Nach der WCT-Startetappe gab es heute die zweite komplett im Wald verlaufende Wegstrecke zu überwinden. Auf Trailabschnitten im Wald kommt man hier am WCT langsamer voran als auf den Strandabschnitten. Unser Gehtempo sinkt dann auf 2-3 km/h je nach Schwierigkeitsgrad ab. Da wir aber nur 5 km bis zum Campground an der Camper Bay gehen mussten, sollte der heutige Tag en eher kurzer Wandertag werden.

Mit dieser Einschätzung lag ich voll daneben, denn der Trail war weder leicht noch wurde es ein kurzer Wandertag. Aus dem Tal des Cullite Creek kam man nur über ein steiles Leitersystem heraus. Mein Herz raste nach jeder Leiterlänge, so dass ich auf den Plattformen erst einmal kurz "Verpusten" muss, bevor ich die nächste Leiter in Angriff nehmen konnte. Auf dem gesamten WCT gibt es 39 Leitersysteme mit 5-8 Einzelleitern. Die längste der Einzelleitern ist 40 m lang. Da darf man schon mal außer Puste kommen. Das war nicht das einzige Leitersystem an diesem Tag. Im dichten Regenwald hat die Sonne kein leichtes Spiel, so dass auch bei Sonnenschein feuchte Trailbedingungen vorherrschen, die das Geläuf tückisch glatt werden lassen und die eine oder andere Schlammbahn erzeugen. 

Heute hörte ich zum ersten mal von Peggy das böse Wort mit "Sch.....", als sie sich beim Durchkrabbeln unter einem quer liegenden Baumstamm zu früh aufrichtete und den Kopf an stieß. Als sie sich wenig später noch einmal am Kopf stieß, war sie vollkommen sauer für den Rest der Tagesetappe. 

Nach einigen Strandetappen mussten wir uns an die Schwierigkeiten auf den Waldetappen erst wieder gewöhnen, so das uns diese 5 km doch etwas schwer fielen. Endlich erreichten wir den Camper Creek und wir konnten unten im Tal schon das Flussbett sehen. Da wir einen schönen Campsite mit Feuerstelle erwischten, sammelten wir Feuerholz für ein wärmendes Feuer am Abend.

10. Tag auf dem WCT - Thrasher Cove - "Moddersuhlencrossing"

Erschöpft und auf dem "Zahnfleisch kriechend" erreichten wir pitsche nass den Thrasher Cove Campground. Irgendwie hatte unsere Leistung vom "Hindernislauf" zwei Tage zuvor dem Sportlehrer nicht gefallen, denn bei der heutigen Etappe gab es das gleiche Programm wie in den letzten zwei Tagen, nur diesmal als 9 km - Brockenweise . Weil das alleine wohl nicht schon genügte, kam diesmal noch der Regen von oben dazu. Und wenn es von oben regnet, dann treffen sich die Regentropfen auf dem Trail und verwandeln ihn in eine feucht-rutschige Schlammpiste. Hatte der WCT bisher noch nicht einmal annähernd gezeigt, was er alles kann, dann ist er heute schon sehr dicht an seinen Standart heran gekommen.
Schon in der Nacht begann der Trommelwirbel des einsetzenden Regens auf unser diesmal perfekt gespanntes Zelt hernieder zu prasseln. Zuerst ganz seicht mit einigen Pausen, dann stärker werdend und ohne Unterlass. Die Frühstücks- und Einpackprozedur gestaltete sich entsprechend schwierig. Schließlich hatten einige Teile unserer Ausrüstung ordentlich Wasser aufgesogen und erschwerten unsere Rücken- und Hüftlast dem entsprechend.

Dann nahm kurz nach 11 Uhr unser "Wanderelend" seinen Lauf. Die bereit stehende cablecar ließen wir links liegen und meisterten den kleinen Camper Creek aus eigener Kraft. Die Creeks haben sich schön in die Landschaft hinein gefräst, so dass es für uns erst einmal steil Berg an ging. Ein Teil der Steigung wurde mit einem Leitersystem überwunden. Das reichte schon mal zum Anschwitzen. Der nächste Creek folgte auf dem Fuss. Also hinunter und auf der Gegenseite wieder hinauf. Das Klima unter unserer Regenkluft unterschied nun nicht im Geringsten von der herrschenden Waldberegnung außerhalb unserer Regenbekleidung.

Dabei waren die Bedingungen an den Leitern noch nicht einmal die schlechtesten, denn die kleinen niedlichen Regentropfen trafen sich alle zum Stelldichein in den Senken mitten auf dem Trail und weichten den eh schon immer feuchten Boden weiter auf oder bildeten gleich "Waldseen". Es machte keinen Sinn, dass wusste ich schon aus Neuseeland, durch diese Schlammlöcher hindurch auf zu passen, dass die Kleidung nicht gar so sehr verschmutzte. Es wahr viel wichtiger auf der Hut zu sein, um nicht gleich ganze Gliedmaßen in dem Modder (engl. Mud) zu versenken. 

Klar das bei diesen Bedingungen die Wandermotivation schnell im "Eimer" ist. Deshalb an dieser Stelle noch einmal der dringende Hinweis an Jeden der sich anschicken sollte, den WCT zu wandern. Einige Multi-Day-Wanderungen als Erfahrungsschatz sollten schon auf zu weisen sein, denn hier werden besondere Anforderungen an die Physis, die Psyche, Motivationsfähigkeit und das Durchhaltevermögen an die Wagemutigen gestellt. Pro Jahr müssen 80-100 Personen von Rettungskräften auf dem WCT geborgen werden, da sie den Anforderungen nicht stand gehalten haben und ärztlich versorgt werden müssen. In den überwiegenden Fällen hat dies mit Selbstüberschätzung zu tun. 

Das ständige Auf und Ab über rutschige Wurzeln, der Trailverlauf über glitschige quer oder längsliegende Baumstämme, ganze, defekte oder vermodernde Boadrwalks, die Kräfte raubende Benutzung von Leitern erfordern ständige Aufmerksamkeit. Ich hatte schon in der ersten Wanderstunde zwei kapitale Bruchlandungen hingelegt. Bei einer lag ich wie ein Maikäfer auf meinem Rucksack und kam da von selbst nicht wieder auf die Beine. Ich musste die Rucksackhalterungen lösen. Dabei bin ich immer wieder froh, wenn ich aus eigener Kraft aufstehen und fest stellen kann, dass am Bewegungsapparat nichts kaputt gegangen ist, denn der schwere Rucksack fungiert im Falle des totalen Gleichgewichtsverlustes als Sturzbeschleuniger. Entsprechend groß sind die Kräfte die beim Aufprall wirken.

In dem Glauben den Abzweig zum Campground verpasst zu haben, beschlich uns angesichts fehlender oder nicht bemerkter Kilometerschilder die leichte Ahnung über das Ziel bereits hinaus geschossen zu sein. Dabei war es die zunehmende Ermüdung die uns diesen Zweifel suggerierte. Hatten wir zunächst 2,5 km pro Stunde geschafft, lagen wir später deutlich darunter. Schließlich erreichten wir bei Kilometer 70 doch noch den Abzweig zur Treashure Cove. Allerdings mussten wir für diesen letzten Tageskilometer noch einmal ordentlich die "Zähne zusammen beißen". Endlich, Endlich standen wir nach diesem Kraftakt wieder am Ozean, ließen die Rucksäcke hinunter gleiten, streiften unsere völlig durchnässten Kleider ab und stürzten uns in den Pazifik. Nicht etwa um uns zu ertränken, sondern aus Übermut diese Waldetappe gemeistert zu haben.

Falls irgend Jemand der das hier liest, schon einmal "Moddersuhlencrossing" von mir gelesen oder gehört haben sollte, ja, eure Erinnerung täuscht euch nicht: Neuseeland - Stewart Island - North- West Circuit. Die heutige Etappe auf dem WCT kam da ganz dicht heran und diese 5 h durch den triefend nassen Regenwald gehören zu den intensivsten Wanderstunden meiner bisherigen "Hikerkarriere".

11./12. Tag am WCT - Thrasher Cove -Ruhetage

Nach dieser anstrengenden Regenwanderung ließen wir an den zwei Folgetagen die "Beine baumeln" und schauten den Wanderern zu, wie sie kaum angekommen, schon wieder weiter zogen. Um die Mittagszeit waren wir allein auf dem Campground. Die Nachtgäste waren bereits auf und die "Neuen" noch auf dem Trail und quälten sich durch den Wald, ihrem Tagesziel entgegen.

Wir indes genossen die mehr und mehr hinter den Wolken heraus schauende Sonne beim Baden, Strandwandern, Fotografieren und Chillen. Das ist etwas, was bei einer "normalen" Begehung des West-Coast-Trails bei den meisten Wanderfreunden wahrscheinlich zu kurz kommt. Wie bereits berichtet, hatten wir genügend Zeit und "Futter" im Gepäck. Wir "bezahlten" diesen Comfort auf dem Trail zwar mit einer höheren Last auf unseren Rücken, genossen ihn aber an unseren Ruhetagen um so mehr - "Kein Nachteil so groß, es ist immer ein Vorteil dabei". 

13. Tag auf dem WCT - We are finisher!!!

Ich verstehe die Klimatologie am WCT nicht im geringsten. Gestern Abend hätte ich meinen "Arsch" darauf verwettet, dass es am Morgen einen tollen Sonnenaufgang zu bestaunen gäbe, aber "Pustekuchen" war es damit. Nach einem fast wolkenlosem Himmel am Abend und Sternen klarem Nacht gab es am Morgen Maus graue Schichtwolken.

Für uns stand die letzte Tagesetappe von Kilometer 70 bis 75 an. Da wir am Campground Tresher Cove nächtigten kam noch mal ein Kilometer hinzu, den man benötigt um wieder zum Haupttrail zu gelangen. 6 Kilometer, das ist doch ein "Pappenstiel"? Weit gefehlt, wer diese Etappe unterschätzt wird sein "blaues Wunder" erleben. Zwei Tage vorher erreichte eine deutsche Wandergruppe sehr spät noch den Campground. Am folgenden Morgen ließen sie sich sehr viel Zeit mit dem Weiterwandern. Wir kamen mit ihnen ins Gespräch und erfuhren, dass sie für ihre Auftaktetappe mit Pausen 8 h benötigt hatten. Ok, sie standen am Anfang ihres Trail und hatten die Rucksäcke voll. Für uns war es die Abschiedstour mit leichter gewordenen Rucksäcken da sich neben der Ausrüstung nur noch Lebensmittelreste in ihnen befanden.

Da wir am Gorden River eine Fähre benötigten um auf die andere Flussseite zu gelangen, war 7 Uhr "Aufstand". 9.17 Uhr nahmen wir den steilen Kilometer hinauf zum Haupttrail in Angriff. Es ging gleich zünftig los mit 4 Leitern und 101 Stufen. Naht los befanden wir uns am Ende der Stufenleitern im "Vollmodus". Diesen konnten wir dann eigentlich bis zum Trailende kaum verlassen, da das ständige Auf und Ab am Steilhang über Felsen und "Wurzelgestrüpp" höchste Aufmerksamkeit erforderten um nicht am letzten Wandertag noch eine Verletzung aus Unachtsamkeit zu riskieren. Wir merkten schnell, dass wir durch den Trail ein gehöriges Maß an Power verloren hatten. Auch die letzten 2 Ruhetage konnten diesen Substanzverlust nicht vollständig kompensieren. Unsere Kleidung hing nur noch lose an uns herunter, denn unsere Körper konnten sie nicht mehr ausfüllen. Die Krönung waren die 50 Minuten die wir zwischen Kilometer 72 und 73 benötigten. Ein Stundenschnitt von etwas mehr als einem Kilometer hatten wir auf dem gesamten Trail noch nicht zu verzeichnen. "Zähne zusammen beißen und durch" war noch einmal das Motto der Stunde. Dabei waren wir gar nicht so schlecht unterwegs, denn wir konnten an einer weit vor uns gestarteten Gruppe zügig vorbei wandern. Hatten andere Wandere ebenfalls mit dieser letzten Etappe zu kämpfen?

Das Kilometerschild 74 wollte und wollte nicht auftauchen. Waren wir unachtsam und hatten es nicht bemerkt, gab es diese Wegmarkierung überhaupt noch oder war unsere Wanderpower weiterhin auf Talfahrt? Durch die Bäume hindurch bemerkten wir aber, dass wir in der Nähe der Mündung des Gordon Rivers in die Meeresbucht bei Port Renfrew waren. Ein Blick auf die Karte bestätigte uns, dass wir uns auf der "Zielgeraden" befanden und unser "Leiden" bald ein Ende haben würde.

Es ist immer wieder ein erhabenes und überwältigendes Gefühl, wenn man wohlbehalten am Ziel eines schweren Mehrtagestrails angekommen ist. Über unsere ausgemergelten Gesichter huschte ein erleichtertes Lächeln bevor einen die Gefühle überwältigen und auch mal die eine oder andere Träne über die Wangen lief.
Auf der gegenüber liegenden Flussseite sahen wir schon den Campground der Indian Reservation. Wir mussten nun nur noch entspannt und von der Rucksacklast befreit auf die Fähre warten. Nach dem Auschecken vom WCT an der Rangerstation mieteten wir uns auf dem nur 300 m entfernten Campground für eine Nacht ein, denn unser Bus zurück nach Victoria ging erst einen Tag später. So hatten wir Zeit zum Eisessen, Duschen und Ausruhen. Natürlich hat auch die Moderne längst in den Indian Reservations Einzug gehalten und wir können auf dem Campground unsere E-Mail-Accounts checken. Zur Dinner-Time gibt es das letzte aufgesparte Trekking-Tütengericht. Uns blieben für das Frühstück am nächsten Morgen noch 4 Müsliriegel, ein schmaler Käserest, 4 Scheiben Knäckebrot und Schocke-Mouse, welches ich als Weihnachtsgeschenk über Monate mitgeschleppt und wie meinen Augapfel für den Tag X mit der größten Not gehütet hatte.

28. 7. 2015 - Wir Verlassen vorerst die Wildnis Richtung Victoria

Wir haben viel Zeit und gönnen uns ein Nahrungsmittelreste-Frühstück mit Blick auf die Meeresbucht bei strahlendem Sonnenschein. Bei dieser Aussicht ist das Frühstücksangebot völlig zweitrangig. Anschließend hatten wir Muse um in dem tonnenweise am Strand liegenden Treibgut nach interessanten Stücken für die heimische Vitrine zu suchen. Des weiteren boten die größeren Stücke des angeschwemmten "drift wood" (Treibholz) interessante Fotomotive. Mit dem über die Küste vom Meer herein ziehenden Nebel ergaben sich schöne Fotomotive.

Wir hatten keine Eile beim Packen unseres Hab und Gutes, denn der Bus nach Victoria fuhr erst 17.45 Uhr. Gegen 16 Uhr trotteten wir vom Campground so sachte die 300 m Richtung Rangerstation. Aufgehalten wurden wir schon an der nächsten Straßenecke, denn es gab einen kleinen Imbissstand der von einem Indianer betrieben wurde. Ein Schild machte uns neugierig: "Don`t panic, we have Bannock!" Wir orderten sofort zwei Bannocks, das berühmte Trapper- oder Indianerbrot des Wilden Westens. Wir hatten es schon mehrmals versucht selbst hin zu bekommen, leider jeweils nur mit mäßigem Erfolg. Diesmal ließen wir den Fachmann ran und bekamen einen legendären Wildnisleckerbissen serviert. Dieser machte Lust auf mehr, so das wir nach dem Fingerablecken gleich noch einmal nach orderten. Inzwischen waren auch zwei junge Deutsche Burschen am Imbiss eingetroffen. Wir kamen mit ihnen ins Gespräch und erfuhren, dass sie am kommenden Tag auf den WCT aufbrechen wollten um diesen Trail in 5-7 Tagen zu bewältigen. Bei dieser Gelegenheit wollten sie Monique an der Beach-Theke wieder treffen, denn sie waren schon einige Tage bei ihr "woofen" (mitarbeiten für Kost und Logie). 

Da wir nicht allein auf den Bus warteten, machten wir uns keine Sorgen darüber, als die planmäßige Abfahrtszeit des Busses überschritten wurde. Es bereitete uns eher Sorgen nun nicht pünktlich in Victoria eintreffen zu können, denn wir konnten noch an diesem Abend einen Mietwagen ausleihen. Da das Büro vom Autovermieter "National" in Victoria schon 18 Uhr schloss musste ich noch irgendwie zum Flughafen gelangen. 30 Minuten vor Schließung des Schalters konnte ich diesen Tagesordnungspunkt noch mit dem Öffentliche Nahverkehr meistern.

Nun waren wir für die nächsten Tage mobil. Aber ich war noch nicht wieder zurück am Hostel. Ohne Stadtplan hatte ich dann auch etwas Sorge wieder zum Hostel zurück zu finden. Ich fuhr so lange Richtung Stadtzentrum, bis mir etwas bekannt vor kam, so dass ich das Hostel relativ schnell wieder fand. Was ich nicht auf Anhieb fand, war ein Parkplatz für die Nacht. Nach einigen Ehrenrunden parkte ich in Hostelnähe und fragte den Staff nach Parkmöglichkeiten. Er gab Entwarnung, denn bis 9 Uhr am nächsten Tag waren die Parkuhren an den Innenstadtstraßen bedeutungslos.

Peggy hatte noch ein schmackhaftes Pastagericht zu bieten und zum Nachtisch gab es Schocko-Sojaeis, mhhhh lecker. Erst weit nach Mitternacht sanken wir tot müde auf unsere Matratzen.

Drei Stunden später war die Nacht vorerst vorüber, denn die Alarmanlage des Hostels rüttelte uns aus dem Schlaf. Etwas ungläubig und schwer von Begriff bewegten wir uns zum Ausgang. Auf unserem Gang stand etwas Wasser. War die Feuerwehr schon am Schaffen? Aber keine Rauchschwaden durchzogen das Gebäude? Peggy ging der Wasserlache auf den Grund und öffnete die WC/Dusche Tür. Sie erschrak höllisch, denn in der Dusche lag bei laufendem Wasser eine männliche Person. Ich schloss den Wasserhahn und versuchte den Mann an zu sprechen. Tatsächlich bewegte er sich. Ich hatte den Eindruck, dass er stark angetrunken war. Wir benachrichtigten den Hostel-Staff. Dieser gab anschließend Entwarnung und alle Hostelgäste konnten wieder ins Gebäude hinein und in ihre "lauwarmen" Kojen krabbeln. Auch wir bekamen noch ein paar Stunden Schlaf zu stande.

29. 7. 2015 - Butchart Gardens



30. 7. 2015 - Weiter hinein nach Vancouver Island



31. 7. 2015 - Start zur Sayward Forest Canoe Route

1. Tag
Der Vormittag unseres Starttages stand im Zeichen der Vorbereitung unserer Kanutour. Was benötigten wir unterwegs unbedingt? Welche Verpflegung wollen wir uns in den nächsten Tagen gönnen? So penibel mussten wir nicht planen, denn bei Kanutouren ist der zur Verfügung stehende Stauraum keineswegs eng bemessen. Es bestand eher die Gefahr, dass wir unnützes Zeug mitschleppten. Da auf der Canoe Route etliche Portagen zu bewältigen waren, mussten wir beim Packen durchaus auf die "Noten" schauen. Das Kanu durfte nun auch wieder das Licht der Welt erblicken, nachdem es fast ein ganzes Jahr in einer dunklen Packtasche verbrachte hatte. Die Bauanleitung musste wieder aus dem Kopf gekramt werden, so dass das Kanu bald komplett zu unseren Füßen lag. 

Unser Stapellauf wurde begleitet von der interessierten Host Familie (Campplatzwart). Sie schauten unser ausgepacktes Leichtgewichtskanu nur ungläubig an und gaben uns noch einige wertvolle Hinweise, die uns auf der Runde zu gute kamen. So empfahlen sie uns zwei Campplätze die wirklich etwas Besonderes waren. Auch der Hinweis das durch die fehlenden Niederschläge und die Trockenheit im Juni und Juli die Wasserstände der Seen sehr niedrig waren, Flussläufe teilweise kein Wasser, oder nicht mehr genügend Wasser führten, gehörte dazu. Ebenso die Informationen unserer Vorgänger über knie- bis hüfttiefen Schlamm auf bestimmten Teilstrecken der Portagen, gaben sie an uns weiter. Doch all das konnte uns nicht von unserem Vorhaben abbringen. Wir wollten es wissen und unsere erste Kanuroute mit allen Portagen meistern.

Gegen 13.30 Uhr stachen wir auf dem Fry Lake in "See". endlich saßen wir wieder im Canadier und es kam etwas Votageur-Feeling auf. Ein schmaler Kanal leitete uns in den Lower Campbell Lake. An seinem Eingang stand ein abgestorbener einsamer Baumstamm an dem Leitersprossen angebracht waren. Peggy hatte die Idee daran empor zu klettern und ins Wasser zu springen. Das Andock-, Ausstiegs- und Klettermanöver gelang, so dass sie ihr Vorhaben mutig in die Tat umsetzte. Einige "Affenschaukeln" am Ufer zeigten uns, dass der Kanal eine beliebte Badestelle war. Bei den "Affenschaukeln" war ein weiter Schwung ins Wasser möglich. Durch den niedrigen Wasserstand musste man jedoch eine gehörige Portion Kraft und Mut mitbringen um sich lange genug am Seil festhalten zu können, damit man nicht schon 2 cm vor dem Wasser am Strand unsanft auf dem Boden aufschlug.

Der Lower Campbell Lake ist durch einen Damm angestaut worden. Das ehemalige bewaldete Tal schon lange in den Fluten versunken. Vereinzelt sah man in Ufernähe Baumstämme aus der Tief aufragen und am Ufer standen mächtige Baumstümpfe. Die wechselnden Wasserstände und die Brandung hatten die Wurzeln der Baumstümpfe frei gespült, so dass sie wie auf Stelzen am Ufer standen. Ein sehr guter Fotosport um einige Bilder mit Seltenheitswert zu schießen. Wir waren nun schon zwei Stunden unterwegs und hatten uns bisher kaum von unserem Ausgangspunkt entfernt. Wenn das so weiter ging, schafften wir unseren Rückflugtermin keines falls. Also gaben wir etwas Gas um voran zu kommen.

Vor der ersten Portage wollten wir einen der ausgewiesenen Campmöglichkeiten nutzen um die Nacht zu verbringen. Fire Grove Recreation Site wurde von einer jungen wilden Horde bevölkert und am Gosling Bay & Petite Gosling Recreation Site fanden wir keinen Campsite in Wassernähe. D. h. wir gaben uns auch keine große Mühe danach zu suchen, denn zwischen beiden gab es eine kleine aber feine Sandbucht. Sie lag zwar am späten Nachmittag schon im Schatten, würde aber am nächsten Morgen um so üppiger von der Sonne angestrahlt werden. Unsere Wahl war getroffen.   

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