Our greatest glory is not in never falling, but in rising every time we fall.

Konfuzius

1. 10. 2014 - Volltreffer


Ich habe deswegen nicht schlechter geschlafen, obwohl ich lange Zeit in der Nacht wach gelegen hatte. Das hing wohl eher mit einem kleinen Infekt zusammen, den ich mir vielleicht beim zu langen Baden im kalten Flusswasser eingehandelt hatte.


Am nächsten Morgen kam ich jedenfalls nicht so recht aus den Pötten und wachte erst kurz vor dem 6 Uhr Frühstück auf. Wir hatten heute zwei schwere Tagesetappen vor uns, denn es war unser letzter Tag. Von Tezumake bis Alfredo gab es zwar einige knackige Anstiege und Abstiege, aber auch relativ flachwelliges Geläuf. Trotzdem war ich an diesem Tag der "Schlafwagenschaffner" und hielt dem Tempo der anderen nicht stand. In Alfredo gab es eine gekühlte Melone und ein Fruchtsaftgetränk. Das war natürlich genau das Richtige für die ausgelaugten Körper, denn es stand noch die schwierigere 2. Tagesetappe nach dieser Ruhepause an. Schon am ersten Tag hatten wir auf diesem Teilstück ziemlich leiden müssen. Nach dem der Aufstieg geschafft war, folgte der Abstieg. Wegen seiner Steilheit nicht minder schwer zu bewältigen. Ich war froh endlich den Fluss erreicht zu haben. Wenig später hatten wir auch diesen Kraftakt in El Mamey in voller "Truppenstärke" beendet. Ein gekühltes Wasser oder Bier lies die Anstrengungen der letzten Tage vergessen helfen. Zur Belohnung gab es dann einen riesigen Teller zum Mittagessen. Ich hatte Fisch bestellt und glaubte diesen picke-packe vollen Teller nicht schaffen zu können. Obwohl ich sehr ausgelaugt war, hatte ich keinen rechten Hunger. 


Dann ging es die Holperstraße wieder aus der Sierra Nevada heraus auf die Küstenhauptstraße und zurück zu unseren Hostels in Mamatoco oder Santa Marta. 


Diese Tour kann ich durchaus weiter empfehlen, auch wenn sie wegen der vorab zu entrichtenden  240 Euro durchaus ihren Preis hat. Man zahlt auch noch mal auf der Tour einen Preis, denn es werden hohe Anforderungen an die Willensqualitäten und das Durchhaltevermögen gestellt. Der "Innere Schweinehund" ist fast ständiger Reisebegleiter. Trotzdem war diese Tour für mich ein "Volltreffer", denn sie führte weit ins Abseits der Zivilisation. Auch knifflige Situationen hoch oben am ausgesetzten Flussufer, Flussüberquerungen, mal über große Steine und mal mitten hindurch, oder mit der Hand betriebenen Seilbahn, hielten den Adrenalinspiegel hoch. O. k. ich hatte dafür bezahlt, dass jemand meine Verpflegung transportierte und zu bereitete, ansonsten wäre es wegen der Wärme und Schwüle noch wesentlich happiger geworden. Ich glaube nicht, dass diese Tour auf "individual-touristisch" Spass macht, mal ganz abgesehen davon, dass es nicht erlaubt ist. Ich finde schon, dass die Touris der "reichen Länder" durchaus etwas bezahlen sollten, dass die Einwohner dieser Region Einkunftsmöglichkeiten besitzen, jenseits der Kokain-Produktion. Davon haben schließlich alle Seiten etwas.


Ich hatte auf der Wanderung ein Plakat gesehen, auf dem diese Wanderung zur "Cuidad Perdida" als die schönste Südamerikas bezeichnet wurde. Ein Erlebnis war es zu 100%. Andere Trails die ich vor habe, werden sich daran messen lassen müssen. 


Einkaufen treibt einem in kolumbianischen Supermärkten/Einkaufszentren machmal die Zornesröte ins Gesicht. Ich musste unbedingt am Abend noch Trinkwasser und Verpflegung für 2 Tage einkaufen, denn ich wollte einen neuen Versuch starten, um zum Tayrona Nationalpark zu kommen. Zunächst wunderte ich mich, warum am Abend noch so viele Leute im Einkaufszentrum unterwegs waren. Dann ärgerte ich mich darüber, dass die 5 Liter Wasserbehälter alle waren. Der nächste Ärger ergab sich an der Kasse. Alle waren mit langen Schlangen belegt. Ich glaubte die Kasse mit der kürzesten Schlange zu wählen. Welch ein fataler Fehler. Ob es an der Kassiererin lag, möchte ich nicht beurteilen, aber es gab bei fast allen Kunden vor mir in der Reihe Probleme mit der Kasse, so dass sie sich helfen lassen musste. Bei fast allen waren die Körbe Rand voll, deshalb stellte ich Vermutungen auf, warum dass gerade an diesem Tag so war. Ich hatte ja genug Zeit, bei der Betrachtung des Dramas an der Kasse. Weihnachten oder Ostern schieden aus. Irgend ein nationaler Feiertag? Schloss ich auch aus. Hatte nichts davon gehört. Es blieb nur eine Variante übrig. Es war der Monatserste, Zahltag in Kolumbien. Die Konten waren offensichtlich gut gefüllt, denn  ein Geldautomat spuckte keine Scheine mehr aus. An den Geldautomaten die noch etwas gaben bildeten sich Schlangen von "Berlin bis Moskau". Entnerft drehte ich ab, und überlegte, ob ich mit dem hinkam, was ich noch an kolumbianisches Pesos in der Geldbörse hatte. 38.000 Pesos Parkeintritt 12.000 Pesos Hin- und Rückfahrt mit dem öffentlichen Bus, Pickup El Zaino - Canaveral ...?..., zwei Übernachtungen im Zelt ...?... Es sollte klappen.


2.-4. 10. 2014 - Klappe die Zweite


Für den zweiten Versuch den Parque Nacional Natural Tayrona zu besichtigen hatte ich mir mehr Zeit gegeben. Das begann schon mit einem zeitigen Aufbruch aus dem Hostel, die drei Blocks bis zur Straße, wo die Busse nach El Zaino/Palomino entlang fahren. Eine Bushaltestelle gab es nicht, benötigte ich auch nicht, denn die Busse halten ja eh auf Handzeichen überall. Ich musste keine 20 Minuten warten, da saß ich diesmal im richtigen Bus. In El Zaino dem Haupteingang in den Nationalpark durfte ich den Parkeintritt bezahlen und bekam im Tausch dafür ein grünes Band ans Handgelenk. Zufälliger Weise kamen nach mir drei junge Deutsche mit ihrer kolumbianischen Reisebegleiterin im Pickup vorgefahren. Sie waren so freundlich mich 5 km bis zum Parkplatz in Canaveral mit zu nehmen. Da hätte ich doch schon mal die zweite Hürde elegant genommen.


Alle Folgenden konnte ich nun aus eigener Kraft bewältigen. Das waren erst einmal 5 km zu Fuß dem Küstenverlauf folgend bis Arrecifes. Dort gab es Campingmöglichkeiten, aber leider war der breite Strandbereich nicht zum Baden geeignet, da es unberechenbare gefährliche Strömungen gab. In diesem Bereich hat es schon über 100 tödliche Badeunfälle gegeben. Also verbrachte ich die Zeit damit auf den Granit-Halbinseln herum zu klettern. Wie große Bauklötze liegen dort die Granitblöcke virtuos übereinander gestapelt herum. Da ließen sich jede Menge Fotomotive finden.


Der Tayrona Park stellt 15.000 ha unter Schutz. Er wurde schon 1964 eingerichtet um den Lebensraum von 27 endemischen Tier- und Pflanzenarten zu schütze. Neben diesen nur dort vorkommenden Species gibt es noch eine große Vielfalt anderer Tierarten, wie z. B. Tigerkatze, Hirsch, Primaten, Condor, Pelikan, Weißer Adler oder die Boa Constrictor, eine große Zahl von Amphibienarten und verschiedene Meeresschildkröten, die zur Eiablage an die Strände kommen. Daneben gibt es auch Zeugnisse früher menschlicher Besiedlung. So weist die Region Pueblito 250-300 Hausterassen auf. Man geht davon aus das dort bis zu 3.000 Einwohner lebten. Anlass genug dieses Gebiet unter UNESCO Weltnatur- bzw. -kulturerbe zu stellen.


Am Abend nahm ich doch noch ein Bad im Meer, denn ich hatte am Nachmittag Kinder im Schutz einer Granithalbinsel baden gesehen. Diese Platz sollte auch für mich sicher genug sein. Das Salz konnte ich in der großzügigen Dusche abspülen. Dann ging es mit der Dämmerung wie immer zügig voran, so dass ich nach Einbruch der Dunkelheit schon kurz nach 19 Uhr im Zelt liege. Das ist hier nicht unbedingt eine Wohltat, denn ich schwitze vor dem Einschlafen so vor mich hin und glaubte in der Nacht zum "Schmorbraten im eigenen Saft" zu mutieren. Ein paar Grad Celsius weniger würden da schon reichen.


Vor dem Frühstück nahm ich erst einmal eine kühlende Dusche. Der aufgefrischte Wind brachte etwas Kühlung mit sich, aber auch ein paar Regentropfen. Für mich das Signal mein Zeltlager ab zu brechen und weiter an der Küste entlang nach Cabo San Juan zu ziehen. Die ausgewiesenen 2 km zur nächsten Campmöglichkeit sollten doch ein Klacks sein. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. 


Der Weg erreichte ein kleines Restaurant am Strand. Da ich dort Fußspuren sah, folgte ich diesen immer am Strand entlang. Aber dann war plötzlich Schluss mit der Strandwanderung, denn Granitblöcke versperrten das Weiterkommen. Ich konnte keinen Weg hindurch finden. Zurückgehen wollte ich aber auch nicht. Ich folgte einem Trampelpfad nach oben und fand mich im weglosen Gelände wieder. Nach etwas Umherirren folgte ich einem trockenen Bachbett. Dieses führte mich im Zickzack, aber nicht auf den richtigen Weg zurück, denn ich musste zum wiederholten mal eine steile Böschung hinauf, um dann den Hauptweg durch das Dickicht zu finden. Die schwüle Hitze und mein Gepäck machten mir zu schaffen, so dass ich froh war den Hauptweg wieder gefunden zu haben und etwas weniger beschwerlich weiter voran zu kommen.


10 Uhr hatte ich mein Zelt aufgebaut und war bereit für ein kühlendes Bad in der schönen Bucht von Cabo San Juan. Hier lässt es sich aushalten und ich koste dieses Karibikflair aus. Wegen der gefahrlosen Bademöglichkeiten ist hier deutlich mehr los als in Arrecifes. Eine Kletterpartie durch und über die Granitblöcke macht Spass, ist aber auch in der frühen Nachmittagshitze recht anstrengend. Kein Problem denn die Abkühlung ist nur ein paar Meter entfernt. Gegen 16/17 Uhr leert sich der Strand wieder, die Tagestouristen ziehen wieder ab und die Sonnenstrahlen erreichen die Bucht wegen der zunehmenden Bewölkung nicht mehr. Es wird Zeit für das Apfelsinen und Bananen-Dinner.


Von Cabo San Juan folgt ein Pfad in den gebirgigen Teil des Nationalparks. Zunächst 3 km bis Pueblito und dann noch einmal 3 km bis Calabazo an der Küstenhauptstraße. Die Alternative wären 12 km bis El Zaino zurück zu gehen. Ich entschied mich für 6 km durchs Gebirge.


Ich verschwand schon beim Einsetzen der Dunkelheit in meinem Zelt, nach dem auch das abendliche Fußballmatch der Kolumbianer wegen Dunkelheit beendet wurde. Fußballspiele sieht man an vielen Orten. Da muss kein Rasen- oder gar Kunstrasenplatz vorhanden sein, da reichen schon viel, viel einfachere Plätze aus. Sie scheinen hier ziemlich Fußball verrückt zu sein, denn auch die Champions League läuft hier im Fernsehen.

Was das Schlafen im Zelt hier an der südlichen Karibikküste betrifft, kann man das nicht als Schlafen bezeichnen, denn man wälzt sich von einer auf die andere Seite, das Ganze auch noch im eigenen Saft. Schon vor der Morgendämmerug liege ich wach im Zelt. Ich entschließe mich auf zu stehen und mein Frühstück in Strandnähe und mit Blick aufs Meer ein zu nehmen.


6.15 Uhr hatte ich mein Gepäck geschultert und verlies dieses schöne, aber viel zu warme Fleckchen Erde. Das erste Teilstück verlief eben bis zum Gebirgsrand. Hier hatte die Erosion "nur" noch die härtesten Granitblöcke übrig gelassen. Diese lagen groß und klein, kreuz und quer übereinander. Ihr ahnt es sicher, der Weg führte mitten über dieses Chaos scheinbar endlos steil bergan. Anfangs steckte ich diese Kraftanstrengung noch ganz gut weg. Später musste ich dem zu hohen Anfangstempo Tribut sollen. Vor allem die Hitze und der Tagesrucksack, bei ihm hängt die gesamte Last an den Schultern, machten mir zu schaffen. Ich bekam ganz schnell die "Schaufensterkrankheit", d. h. ich musste immer mal wieder verschnaufen. Hinweisschilder zeigten an wieviel % der Gesamtstrecke schon geschafft waren, 10...20...30%..., schon bei 50% sehnte ich  das Etappenziel in Pueblito herbei. Aber ich musste noch sehr viel dafür tun und der Schweiß rann in Strömen. Es gab schon lange keinen trockenen Fetzen Stoff mehr an mir. Mit dem Trinkwasser konnte ich ach nicht "moschen", denn ich hatte nur noch 1 Liter Wasser dabei.


Endlich, endlich in Pueblito angekommen, konnte ich mich nicht so recht für diesen archäologischen Platz erwärmen. Große Pausen mit Gepäck abstellen und gemütlich Hinsetzen waren genau das richtige Rezept den Moskitoattacken noch mehr ausgeliefert zu sein. 


Es ging als nahtlos an die zweiten 6 km. Die Hoffnung den Gebirgsscheitel schon erreicht zu haben, zerschlug der Wegverlauf sehr schnell. Es ging weiterhin bergan. Ich würde einschätzen, dass ca. 60% des Weges bergan führten, 15% hatten einen eher "Hoch- und Runtercharakter" und 25% verliefen bergab. Endlich, endlich erreichte ich die Küstenhauptstrasse und gönnte mir ein gekühltes Wasser. Da hielt auch schon ein "Collektivo". In diesen Kleinbussen ist man preiswerter als im Taxi, aber teuer als im Öffentlichen Bus unterwegs. Mir war`s "Wurscht", Hauptsache ich saß entspannt im klimatisierten Fahrzeug.


Wer Kolumbien besucht und nicht so recht weiß, ob die Tour zur Cuidad Perdido das Richtige für ihn ist, der sollte erst diese Tour machen. Besteht danach der Wunsch nach mehr "Quälerrei", der sollte unbedingt die "Lost City-Tour" machen. Wer meint, er möchte mit der Herausforderung "wachsen", im Sinne von, wie lerne ich Schwierigkeiten zu trotzen, der nimmt beides mit "Kusshand".  


Ich wurde am "The Dreamer Hostel" in Mamatoco wunschgemäß abgesetzt, packte nun wieder alle meine Habseligkeiten in tragbare Portionen und bereit für des zweite Tagesabenteuer. Am Busbahnhof hoffte ich einen Bus nach Cartagena zu bekommen. 12.45 Uhr stand ich am Schalter von "Berlinave" und fragte nach einem Ticket und 13 Uhr saß ich im Bus meines Reisewunsches. Man muss auch mal Glück haben. Da der Bus noch nicht voll besetzt war, konnten am Wegesrand auf Handzeichen noch einzelne Reisewillige mitgenommen werden. Für viele "Winkende" blieb der Reisewunsch jedoch unerfüllt, denn es war kein Platz mehr frei. Sie mussten auf den nächsten Bus warten, in der Hoffnung einen Platz zu bekommen. Die Lehre daraus ist, besser schon vom Busbahnhof aus die Buslinie benutzen. Die Hauptorte erreicht man ganz gut auch mit dem Bus. Diese Linien werden von mehreren Busgesellschaften bedient und täglich mehrmals angesteuert. Das macht das Reisen in Kolumbien recht flexibel und günstig.


Allerdings geht es im Straßenverkehr, wegen des hohen Verstädterungsgrades oftmals ausufernd lange "hauteng" zu. Die Vorfahrt wir da auch ganz gern mal erzwungen. Auch ja Fußgänger und Motorräder schlängeln sich ja auch noch durch die PKW`s und LKW`s. Es gibt ein Hupkonzert, da ständig jemand auf sich Aufmerksam machen will, oder Passanten am Straßenrand werden angehupt, weil das Taxi, des Collektivo oder der öffentliche Bus noch freie Plätze hat.


Auch sind die Bussfahrer und ihre Gehilfen clevere Kerle. Ab und an lassen sie Leute in den Bus, die irgend etwas verkaufen wollen, Snacks oder Getränke. Wenn diese Typen in den Bus einsteigen, wird erst einmal für den Busfahrer und seinen Gehilfen etwas rüber gereicht. danach versuchen sie ihre Ware feil zu bieten um etwas zu verkaufen. Wenn das Geschäft gut läuft wird der Typ auch einige Kilometer mitgenommen und dann irgendwo wieder herausgelassen. Da hatten es die fliegenden Händler an den Mautstellen schwieriger. Sie rannten zwischen den anstehenden Fahrzeugen herum, um etwas los zu bekommen. Sehr virtuos auch das Geschäftsgebaren von Straßenkünstlern die an den großen Ampelkreuzungen in Cartagena in den Rotphasen ihre Tricks (Jonglagen) zeigen. Da wird ein Regenschirm auf dem Kopf balanciert, auf dessen Spitze dreht ein Ball und mit den Händen werden Reifen jongliert. Noch vor der nächsten Grünphase geht er durch die Autoschlangen und sammelt ein paar Pesos ein. Letzteres erlebte ich schon auf der Taxifahrt zum El Viajero Hostel in der Altstadt von Cartagena de Indias.


5. 10.2014 - Cartagena de Indias


Cartagena heißt die Stadt im Sprachgebrauch und auf den Straßenschildern steht nur C/tagena. Cartagena de Indias wurde 1533 von den spanischen Konquistadoren gegründet und stieg schnell zum wichtigsten Hafen im Norden Südamerikas auf. Es war die Eingangspforte in den Norden des Kontinents. Die "Mitbringsel" der Spanischen Beutezüge wurden in Cartagena gelagert und auf Galeeren verladen, bevor wertvolle Schätze Südamerikas ins spanische Königreich abtransportiert wurden. Das zog natürlich auch Piraten an. 5 Belagerungen durch Freibeuter hat Cartagena allein im 16. Jahrhundert überstanden ohne zu fallen. Die bekannteste wurde 1586 vom Piratenkapitän Fancis Drake angeführt. Danach befestigten die Spanier die Stadt Schritt für Schritt. Sie umgeben sie mit einer Stadtmauer und bauten eine Reihe von Forts, so dass die Stadt bei weiteren Belagerungen nie eingenommen werden konnte. Cartagena blühte in dessen immer weiter auf,  übte als Schlüsselstützpunkt der spanischen Kolonialgebiete in Südamerika eine großen Einfluß auf die geschichtliche Entwicklung Kolumbiens aus.


Die größte Sehenswürdigkeit Cartagenas ist die Altstadt selbst. Sie ist von Las Muchalas, den dicken Mauern, umgeben. Die Bauarbeiten zu diesem Schutzwall begannen Ende des 16. Jahrhunderts nach dem die Stadt von Francis Drake befehligten Freibeutern angegriffen worden war. Ihre endgültige Fertigstellung verzögerte sich um schlappe 200 Jahre. Dagegen ist doch die Verzögerung der Fertigstellung des Berliner Großflughafens nicht der Rede wert. Obwohl die Stadt selbst mit zahllosen Vororten ins scheinbar Uferlose wuchs, ist die Altstadt nahezu erhalten geblieben. Mit ihrer Architektur aus dem 16./17. Jahrhundert ließen sich in den engen Straßen, den vielen grünen Plätzen und den Balkonen an den Häusern viele Motive für Postkarten finden.


Das Castillo San Filipe De Barajas ist die imposante Festung deren Bau 1639 begann und nach 150 Jahren abgeschlossen war. Sie war die größte Verteidigungsanlage, die die Spanier in all ihren Kolonialgebieten errichteten. Tatsächlich wurde sie auch nie von fremden Mächten eingenommen. Von diesem Castillo hat man einen 360°-Panorama auf die Stadt.


In dem großen klimatisierten Einkaufszentrum "MALL PLAZA-EL CASTILLO"  konnte ich meine Körpertemperatur herab kühlen. Ansonsten bot dieser Einkaufstempel für die Gutverdiener keine Unterschiede zu deutschen Modellen. Die "Fressmeile" unterschied sich nicht durch die Anwesenheit von McDonald, Burger King oder Subway, sondern eher durch die große Zahl noch anderer Anbieter, wie "Kokoriko", "Baraka", "Presto", "Sarku Japan", "Patacon Todo", "Palota", "Don Jediondo", "La Barbilla", "El Corral" oder "Temaki". Dieser Teil des Einkaufszentrum war der am frühen Nachmittag mit Abstand bestbesuchteste Bereich. So zeigen sich auch in Kolumbien erste Anzeichen überschüssiger Körperfette durch ungezügeltes Essvergnügen und falscher Ernährung.


Ansonsten Männer gibt es in Kolumbien durchaus noch etwas mehr zu bestaunen. Das sind vor allem die kolumbianischen Frauen. Sie weisen doch in der überwiegenden Mehrzahl sehr hübsch geschnittene Gesichtszüge mit langen dunklen Haaren auf. Auch die Körperproportionen und die mehr oder weniger dunkle Hautfarbe trägt zur insgesamt sehr attraktiven Erscheinungsform der kolumbianischen Frauen bei. Um mich jetzt bei den deutschen Frauen nicht so sehr unbeliebt zu machen, vertiefe ich dieses Thema jetzt nicht weiter, sondern beende es lieber.


Als ich weiter wollte setzte mich der nachmittägliche Gewitterregen erst einmal Schach Matt.   


6. - 8. 10. 2014 - Meine letzte Station in Kolumbien

Eigentlich wollte ich mir von Cartagena aus eine 14-stündige Busfahrt nach Medellin gönnen. Nach dem ich einen Tip für eine günstige innländische Fluglinie (www.vivacolombia.co) bekam, knickte ich ein und buchte auf dieser spanisch sprachigen Homepage einen Inlandflug.

Irgendetwas muss da was schief gelaufen sein, denn am Flughafen konnte man mir kein Ticket ausstellen. Nach telefonischen Recherchen sagte mir eine Mitarbeiterin, dass meine Buchung gechancelt sei, ich aber bezahlt hätte. Sie meinte es wäre ein Problem der Internetbuchung. Nach einem weiteren Telefonat bekam ich dann mein Flugticket. In diesem ganzen Trubel, vergaß man wohl, dass mein Rucksack 5 kg Übergewicht hatte. Ich kam wieder mal mit einem blauen Auge davon und musste kein Übergepäck zahlen.
Am Flughafen Medellin gab es eine Tourist Information. Die beiden Damen berieten mich vorzüglich, so dass ich zielsicher vorbei an den Taxifahrern zum öffentlichen Bus gehen konnte. Von der Endstelle dieser Airport-Linie konnte ich mit einer Stadtplan-APP auf meinem iPad-Mini, aus eigener Kraft das Hotel in Medellin Downtown finden.
Ich hatte mich in dieser einst mörderischsten Stadt weltweit, die mein ursprünglich negatives Kolumbienbild mit geprägt hatte, freiwillig, allein, problemlos zu recht gefunden und dabei nicht einen einzigen Gedanken an das Organisierte Verbrechen, Kidnapping oder Raub verschwendet. Mein Bild von Kolumbien hatte sich vollständig gewandelt.
Wer Medellin hört, der kommt wahrscheinlich auch nicht an dem Inbegriff für Furcht und Schrecken, Mord und Totschlag, dem Medellin Kartell und einem seiner Gründer Pablo Emillio Escobar vorbei. Der Kleinkriminelle Escobar stieg zu einer Zeit in den Rauschgiftschmuggel ein in der Kokain in den USA und Europa zu einer Modedroge wurde. Der Bedarf wuchs gigantisch und mit dem Bedarf auch die Gewinne der Schmuggler. Er investierte sein Geld in Kokapaste (wird über Fermentierung aus Kokablättern gewonnen) dem Grundstoff für die Kokainherstellung. Er entwickelte damit die Grundlagen der industriellen Kokainherstellung in leistungsfähigen Dschungel-Laboren. Des weiteren gelang ihm die Befriedung und Einigung der sechs einflussreichsten Drogengruppen Medellins. Er gilt als Vater des Medellin Drogenkartells. 
... "Er schuf ein an Organisation, Management und krimineller Energie kaum zu überbietendes Wirtschaftsimperium. Die Region um Medellin wurde wie ein Hochsicherheitsgelände bewacht. Die Einwohner zahlreicher Dörfer standen auf der Gehaltsliste des Kartells. Mit modernstem Gerät wurde in Laboratorien, die im Dschungel versteckt waren, Kokain raffiniert und mit Sportflugzeugen ausgeflogen. Zur Tarnung der Landebahnen wurden diese mit Häusern bebaut, die man auf Rollen zur Seite fahren konnte. Die Startfreigabe wurde von der Funkzentrale gegeben, die im Stande war, nicht nur amerikanische Radarflugzeuge zu erkennen und deren Funk abzuhören, sondern auch Spionage-Satelliten zu orten." ... (www.whoswho.de)
Nach dem der Öffentlichkeit bekannt wurde, woher der "edle Spender sozialer Projekte" Escobar seine Dollar-Millionen hatte, verstärkten die USA den Druck auf Kolumbien, Escobar aus zu liefern. Auch die öffentliche Meinung gegen Escobar zwang die Regierung zum Handeln. In den folgenden Polizeieinsätzen und den brutalen terroristischen Gegenreaktionen der Escobar-Killer fanden viele Politiker, Beamte, Journalisten und unbeteiligte Menschen den Tod.
Nach seiner Gefangennahme und Verurteilung saß er in seinem eigens luxuriös gebauten Gefängnis. Vor seiner Auslieferung in die USA konnte er fliehen und wurde am 2. Dezember 1993 von einer Special Forces des US Geheimdienstes aufgespürt und außerhalb jeglicher Legalität erschossen. 
Medellin wurde 1616 von hart arbeitenden europäischen Einwanderern gegründet. Heute ist Medellin zurück gekehrt und eine im ewigen Frühling befindliche, geschäftige und weltoffene Metropole in den kolumbianischen Anden. Längst hat ihre Ausdehnung die Talhanglagen erreicht und immer neue Vororte klettern an den Bergflanken hinauf. Ihr Wirtschaftsmotor wird durch Blumen, Kaffee, Textilien und den "paisas", wie die stolzen und geschäftstüchtigen Einwohner Medellins genannt werden, bestimmt. Die Farbe grün überwiegt in der bergigen Umgebung der 3 Millionenstadt, so dass auch der Tourismus mehr und mehr den Wirtschaftsmotor mit antreibt.
Zudem besitzt die Stadt das einzige U-Bahnsystem Kolumbiens. Dieses befördert die Fahrgäste sicher, schnell und bezahlbar, dazu noch graffitifrei durch die Stadt. (Lonely Planet)
Einen Ausflug in ein weit entferntes Stadtviertel unternahm ich mit der Metro und zu Fuss nur deshalb, weil ich das Colegio Aleman (Deutsche Schule) besuchen wollte. Über die allgemeine Lage des Deutschen Auslandsschulwesen hatte mich freundlicher Weise schon der Stellvertretende Schulleiter des Colegio Andino in Bogota aufgeklärt. Diesmal wollte ich wissen, welche Erwartungen und Anforderungen an die deutschen Kollegen/innen gestellt werden, wenn sie aus Deutschland kommend, an einer Deutschen Schule im Ausland zeitlich befristet unterrichten. Leider hatte ich Pech, denn es waren Schulferien und es lies sich auch kein kurzfristiger Termin mit der Schulleitung vereinbaren. 
Ansonsten stürzte ich mich ausschließlich ins Großstatdtgetümmel in Hotelnähe. Am ersten Abend hatte ich noch Probleme mich zum Hotel zurück zu finden, da die Straßen alle irgendwie gleich aussehen, weil sie mit Passanten, Straßenverkehr und Händlern vollgestopft sind. Die folgenden Stadtbummel klappte da schon besser, da ich mir doch ein paar markante Punkte einprägen konnte. In Downtown reiht sich ein Ladengeschäft ans andere, dazu kommen noch feststehende Kleinstläden auf den Gehsteigen und mobile Verkaufsstände, wo Obst, Gemüse oder Getränke gekauft werden können. Dazu ein Verkehr der wie durch eine unsichtbare Kraft Taxis, Busse, PKW`s und Motorräder und -roller dicht an dicht wie einen zähen Brei durch die Straßen schiebt und quetscht. 
Ich sah in einer Straße auch Leute mit einer Schreibmaschine sitzen. Sie übernehmen den Schreibkram für Menschen die nicht Schreiben können, mal ein förmliches Schreiben benötigen für die Staatsbeamten, oder vielleicht der Brief an die Geliebte eine besondere Form haben soll. Interessierte Zuhörer fanden sich auch immer, wenn Händler ihr "Wundermittel" wort- und gestenreich, manchmal bis an den Rand der Erschöpfung dem geneigten Publikum näher brachten. Es war jedenfalls nie langweilig. Manchmal setzte ich mich auf die Stufen der Metrostation Parque Bario und schaute mir nur das bunte Treiben auf dem Platz an. Morgens schänkten die Leute aus Thermoskannen in großen Einkaufswagen Kaffee in kleine Plastikbecher. 
Apropos Kaffee. Ich war im Kaffeeland Kolumbien unterwegs und hatte erst am letzten Tag meiner Reise durch Kolumbien Kaffeesträucher in einem Garten von Medellin gesehen. Wahrscheinlich war das nördliche tropische Kolumbien, wo ich die längste Zeit verbrachte, nicht das bevorzugte Kaffeeanbaugebiet, so dass ich dazu meine Kenntnisse nicht erweitern konnte.
Im Parque Bario fanden sich auch Leute zu kleinen Protestkundgebungen mit Transparenten und Megafon zusammen. Unweit davon in einer Nebenstraße stand schon die "gepanzerte" (sie hatten Schutzprotektoren) Bereitschaftspolizei. Ihr Einsatz scheint immer mal nötig zusein, denn ich sah sie immer dort, wenn ich da vorbei kam. Vielleicht war es auch nur zur Abschreckung. Die sehr hohe Polizeipräsenz in den Straßen der Städte, Sicherheitspersonal mit Pumpgun oder nur Pistole vor Banken oder teuren Läden und Armeeposten auf den Überlandstraßen trägt wohl zur Sicherheit der Bevölkerung und der Touristen bei. 
Ich fühlte mich in Kolumbien jedenfalls sicher genug, so dass ich mein Bild von Kolumbien komplett über den Haufen werfen musste und hier groß verkünde: "Backpacker, geht auch nach Kolumbien, ihr werdet diese Erfahrung nicht bereuen". Ihr trefft auf überaus freundliche und hilfsbereite Menschen und die Landschaft und Sehenswürdigkeiten haben einige "AHA-Effekte" zu bieten. Geht hin, auch wenn ihr nur ein paar Brocken Spanisch könnt. In den Touristengebieten kommt ihr auch mit Englisch zurecht.
Für mich wird es Zeit Abschied zu nehmen von Kolumbien. Weiter geht die Reise durch Südamerika von Medellin nach Quito, der Hauptstadt von Ecuador.

9. - 12. 10. 2014 - Einreise in Ecuador

Eine teure Taxifahrt vom Aeropuerto Internacional Mariscal Sucre etwas abseits von Quito konnte ich vermeiden, da ich gerade noch einen modernen Bus des Aero Servicios für 8,- US$ bekam. Ja, ihr lest richtig. Die offizielle Währung in Equador ist der US-Dollar. Dieser Bus fährt zum Antiguo Aeropuerto de Quito (Alter Flughafen von Quito). Von dort kostete das Taxi nur noch 5,- US$. Es wird von allen Seiten empfohlen, nach Einbruch der Dunkelheit auch für die kleinste Strecke ein Taxi zu benutzen, da es ein Kriminalitätsproblem in Ecuador besonders in den Touristenregionen gibt. Aber es ist auch nicht so ganz einfach, nach Einbruch der Nacht, in einer unbekannten Millionenmetropole öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, um zum Hostel zu gelangen. Mit vereinten Kräften schafften wir es das Boutiquito Design Hostel zu finden.

Glaubte ich auf der Busfahrt vom Flughafen nach Quito durch Nebel zu fahren, aber nein die Scheiben waren nur so beschlagen (?), bestätigte sich meine Wahrnehmung beim Aussteigen aus dem Taxi. Ich war im "November grauen Deutschland" angekommen, nur dass es Wärmer war. Quito liegt immerhin auf 2800 Meter über dem Meeresspiegel. Da fehlen in Deutschland nur knapp 200 Höhenmeter zum Gipfel der Zugspitze. Hier breitet sich auf dieser Höhe eine Millionenmetropole aus. Andernorts wälzen sich auf dieser Höhe Gletscher zu Tal. Ganz tief im Innern spürte ich, dass da auch mal ein ganzer Atemzug dabei war der einfach fehlte. Klar der Sauerstoffpartialdruck war in dieser Höhe geringer. Mein Körper würde sich durch die vermehrte Produktion roter Blutkörperchen daran anpassen, da hatte ich keinen Zweifel.

Quito hatte ich für die nächsten Tage als mein Basecamp ausgewählt. Ursprünglich wollte ich, von hier aus meine Höhenakklimatisierung voran zu treiben, um nach dann den Gipfelsturm auf den Cotopaxi zu wagen. Ich entschied mich jedoch zugunsten eines einwöchigen Spanischkurses um. In den Touristengebieten Südamerikas kommt man auch mit Englisch weiter, aber fern ab dieser Gebiete helfen da nur Hände, Füße und der gute Wille weiter. Ich entschied mich deshalb meine Spanischkenntnisse zu verbessern, da hatte ich sicher auf Dauer mehr davon, denn ich hatte auch noch in Peru die Gelegenheit größere Höhen zu erreichen.

Also recherchierte ich im Internet nach Spanischkursen in Quito und wurde bei der Academia Columbus fündig. Sie bietet einwöchige Kurse, die immer montags beginnen. Diese Schule lag in Wanderentfernung zum Hostel. Ich zog dahin und buchte einen Wochenkurs. Beim schriftlichen Test, der vor allem mit Grammatik gespickt war, sah ich ziemlich alt aus. Meine letzte Spanischlesson in der Volkshochschule lag ja auch schon Monate zurück. Noch dazu bin ich kein Typ, dem das Lernen einer Sprache nur so zu fliegt.

Dann zog ich nach "Gringolandia". In der Zona Touristka Mariscal kommen viele Touristen unter. Dort befindet sich ein Gechäftsviertel der Stadt und nachts geht wegen der vielen Bars, Clubs und Restaurants die "Post" ab und man "lässt die Puppen" tanzen. Für alle "Partyhaie" nach Einbruch der Dunkelheit auch und besonders in diesem Stadtviertel das Taxi benutzen, auch wenn es nur ein kurzer Weg bis zum Hotel/Hostel ist. Dies wird von allen Seiten empfohlen. Das Kriminalitätsproblem harrt leider noch immer einer Lösung.

Am Tag, wenn der Morgennebel sich verflüchtigt hat, kann man sich sicher in der Stadt bewegen. Das konnte ich auch am Intepandence Day Guayaquil, einem nationalen Feiertag, in der Praxis ausprobieren. Ich wanderte in die historische Altstadt von Quito, die zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört. Am Vormittag und frühen Nachmittag ist das Wetter noch ziemlich ansprechend. Die Temperaturen erlauben die Softshell in den Tagesrucksack zu stecken da die Sonne sie überflüssig macht. Die Altstadt ist der Edelstein Quitos. Gespickt mit Plazas, prächtigen Kirchen und den Fassaden der Häuser aus dem 17. Jahrhundert fühlt man sich in die Kolonialzeit zurück versetzt. Das man nicht ganz in diesen Zeitentunnel abgleitet dafür sorgen die zahlreichen Passanten und Touristen die an diesem Nationalfeiertag die Altstadt sehr zahlreich bevölkern, sowie der zur Aufmerksamkeit zwingende motorisierte Verkehr auf manchen Straßen der Altstadt.

An drei Seiten ragen die Berge über die Altstadt hinaus. Im Süden thront das Monumento a la Virgen de Quito auf dem El Panecillo genannten Platz. Im Reiseführer wird die Benutzung eines Taxis wegen des Kriminalitätsproblems empfohlen. Vielleicht traut man den Touristen auch nicht zu die steilen Treppen zu erklimmen. Ich versuchte es trotz der Warnungen allein. Den kürzesten Weg hinauf fand ich wegen meiner fehlenden Ortskenntnisse nicht. Aber die Kombination aus Straße und Stufen war auch nicht schlecht und ich hatte schon ganz schön treppauf zu kämpfen. Ein deutliches Zeichen, dass die Höhenanpassung noch nicht abgeschlossen war. Auf dem Weg nach oben und erst recht vom Gipfelplateau hat man ein umwerfendes Gesamtbild auf einen großen Teil der Stadt Quito. Ein Künstler spielte vor dem Monument auf seinen verschiedenen Flöten. Ich fragte ihn, welche seiner CD´s die beste wäre. Er empfahl mir mehrere, so musste ich doch auf gut Glück auswählen.

Über den westlichen Berggipfeln brauten sich dicke dunkle Wolken zusammen, so dass ich den kürzesten Weg über die Stufen nahm um an der Ambato Ecke Garcia Moreno wieder die Altstadt zu erreichen. Am nördlichen Ende der Altstadt kehrte ich auf der Guayaquil in ein kleines Straßenrestaurant ein, denn ich wollte mich nun endlich mal an die "Haute Cuisine" Ecuadors heran wagen. Ich entschied mich für eine Ceviche cameron Schrimps). 

Ceviche ist ein Gericht, dass an der gesamten nördlichen Pazifikküste Südamerikas bekannt ist. Auch in Peru und Kolumbien ist Ceviche weit verbreitet, allerdings gibt es je nach Region kleinere Unterschiede in der Zubereitung. In Ecuador finden Sie Ceviche überall. Je nach Region wird das Gericht entweder mit Shrimps oder Muscheln, Fisch und Tintenfisch zubereitet. Trotz der Unterschiede in der Art des Ceviches sind die weiteren Zutaten zur Zubereitung gleich: Ein Sud aus Zwiebeln, Tomaten, Zitrone und verschiedenen Gewürzen. Dazu wird entweder canguil (Popcorn), tostado (geröstete Maiskörner) oder chifles (Bananenchips) gereicht. Ein köstliches Gericht, beliebt bei den meisten Besuchern und mit der positiven Nebenwirkung, dass es den "Chuchaqui" (Kater). Üblich sind Preise um die 4 USD pro Portion. (www.viventura.de) Etwas überrascht war ich, dass dieses Suppen-Gericht kalt gereicht wird, aber es schmeckte vorzüglich.

Mein Weg führte mich nun in Richtung Mariscal. Ich passierte auch den Park El Ejido. Dieser war dicht mit hauptstädtischen Ausflüglern aller Altersgruppen bevölkert. Eine Traube von Menschen interessierte mich. Es war ein Straßenkünstler der seine Späße mit den Zuschauern machte. Diese hatten ordentlich ab zu lachen und alle hatten offensichtlich Spaß daran. Ich schaffte es natürlich nicht vor dem großen Regen ins Hostel zurück. Aber Regenkleidung gehört bei mir in den Tagesrucksack, so dass mir der Regen nichts ausmacht.

Da ich mich erst später durchringen konnte eine Trekkingtour auf den Gipfel des  Pechoa-Vulkan mit zu gehen, war natürlich am Feiertag das Büro der Agentur nicht mehr besetzt, so dass die Tour auch nicht mehr gebucht werden konnte. So blieben 75,- US$ plus Hin- und Rückfahrt nach Machachi in meinem Besitz. Deshalb sah mein Samstag auch etwas trist und bewegungsarm aus. Noch trister wurde er durch das Wetter, welches eher einem grauen regnerischen Novembertag in Deutschland glich, nur dass es hier um die 20°C am Tag werden. So bestand mein einziger fester Tagesordnungspunkt aus dem Wechsel meines Hostels. Ich hatte also Zeit und Gelegenheit eine doppelte Sicherung meiner bisherigen Bilder aus Südamerikas auf einer externen Festplatte vor zu nehmen.

Die Sonne schien zwar nicht in mein Zimmer, aber die frühe Morgensonne erreichte schon den Innenhof meines Hostels und ich wußte noch nicht welch ein Kräfte zehrender Tag das werden würde. Die Sonnenstrahlen passten gut zu meinem Vorhaben, denn ich wollte zur Seilbahn um die Berghänge Quitos kräftesparender zu überwinden. Auf dem Weg dahin musste ich leider feststellen, dass ich zwar die Kamera dabei hatte, aber es war keine Speicherkarte drin. Umdrehen und die Speicherkarte holen, oder auf Bilder verzichten, dass war hier die Frage? Da ich noch die kleine Kamera dabei hatte, entschied ich mich für weiter gehen. 

Die TeleferiQo bietet eine gute Gelegenheit um große Teile Quitos aus der Vogelperspektive zu betrachten. Auf einer Höhe von 4050 m über dem Meeresspiegel liegt einem die Stadt wie auf dem Präsentierteller zu Füßen. 
Ich entschloss mich dem Trail Richtung Gipfel des Rupu Pichincha zu folgen. Ich hatte keine Ahnung wie hoch der Gipfel lag, welche Anforderungen er an die Ausrüstung und meine Physis stellte und wie schwer er zu bewältigen war. Zur Not konnte ich ja jeder Zeit umkehren. Ich schlug ein sehr gemäßigtes Tempo an denn der Pfad folgte gespickt mit Steilanlagen immer weiter bergan. Mein Körper merkte schon die große Höhe, denn der begrenzende Faktor war die Atmung, die es nicht schaffte genügend Sauerstoff aufzunehmen. Somit hatte sich sich ein zügiger Wanderschritt schon erledigt.

Die Nacht vorher sind die Niederschläge im Gipfelbereich als Schnee herunter gekommen. Das konnte ich erkennen, wenn die Wolken den Blick auf den Gipfel frei gaben. Als ich die Felswand erreichte, musste ich eine Entscheidung treffen, weiter gehen oder umkehren? Betrachtete ich meine Sandalen an den Füßen, sollte ich umkehren. Da ich aber keinerlei Symptome der Höhenkrankheit spürte, sagte mir mein Ehrgeiz, es doch zu versuchen. Umkehren konnte ich dann immer noch. Der Trail führte jetzt an der Steilflanke des Rupu Pinchincha entlang und es gab schon mal die eine oder andere Kletterpartie über Felsgestein. Mein Schuhwerk hielt gut dagegen, so dass ich immer weiter aufstieg. Dann begann der Schnee und meine Strümpfe waren schnell nass. Der Weg führte steil bergan und ich spürte die nassen Socken nicht, da der Körper durch die Kraftanstrengung genügend Wärme produzierte. 

Der Geröllabhang ging dann nahtlos in Fels über. Über eine zünftige Felskletterpartie, mit genügend Griffen und Tritten, erreichte ich dann das Gipfelplateau. In schnellem Wechsel veränderten sich die Sichtverhältnisse am Gipfel. Mal sah man die Nachbargipfel und mal kaum die Hand vor den Augen. Ein Grund mehr den Gipfelaufenthalt ab zu brechen und den Rückweg an zu gehen. Ich hatte bei der Besteigung des Rupu Pinchincha mit 4696 m einen neuen persönlichen Höhenrekord aufgestellt. Dieser lag über 900 m höher als der Alte von der Besteigung des Mt. Fuji. Dabei hatte ich überraschender Weise keine Probleme mit der Höhenkrankheit. Auf dem Rückweg war ich dann verständlicher Weise schneller. Wieder im Stadtgebiet füllte ich meine Energiedepot mit Kuchen an einer Bäckerei wieder etwas auf.

13.-17. 11. 2014 - Ich gehe wieder zur Schule

Im Vorfeld musste ich einen kleinen Spanischtest absolvieren um mein Leistungsniveau für die folgende Gruppeneinteilung zu ermitteln. Ich saß dann bei Lou, aus Paris, Elisabeth aus Kalifornien und Phillipe aus Zürich in der Klasse die von Jorge Bernal aus Kolumbien beschult wurde. Meine 3 Mitschüler/innen waren Anfang zwanzig und verstanden recht zügig. Ich hatte eine etwas längere Leitung und Phillipe musste mir manchmal einiges in deutsch erklären, da ich Jorges spanische Erklärungen nicht gleich verstand. Aller Anfang ist schwer, aber eine Woche ist gar nichts. Lou wollte 12 Wochen bleiben, Philippe 8 Wochen investieren und Elisabeth brachte schon Spanischkenntnisse aus ihrer Schulzeit mit. So eine Schule im fremden Land mit internationalen Schüler/innen ist keine schlechte Sache, wenn man eine Sprache lernen will. Die Schule selbst tut auch einiges für den Lernerfolg ihrer Schüler/innen und organisiert Nachmittagsveranstaltungen sowie die Unterbringung in Gastfamilien, wenn es gewünscht wird.

Noch ehe ich mich versah, war die eine Woche um und ich bekam Besuch aus Deutschland.
Für diesen legte ich mich ins Zeug und organisierte den Flughafentransfer und schaffte es gerade so pünktlich am Flughafen zu sein.

18.-21. 10. 2014 - Ausflüge in und rund um Quito

Hier muß noch nachgeliefert werden.

22.-28. 10. 2014 - "Wir fahren in den Zoo" auf die Islas Galapagos

Eine "Luftveränderung" im wahrsten Sinne des Wortes stand für die nächsten Tage an. Die Abgas geschwängerte Hochgebirgsluft Quitos wurde mit ganz weit draußen liegender äquatorialer Pazifikluft eingetauscht. Das erforderte die Anreise über mehrere Etappen. Zunächst von Quito hinab zum Flughafen Mariscal Sucre mit dem Flughafentransfer unseres Hotels. Dort erwartete uns die erste Tagesüberraschung, denn der alles überragende Vulkan Cotopaxi gab sich doch noch die Ehre und zeigte sich in voller Pracht im Licht der aufgehenden Sonne in seinen regelmäßigen Konturen eines Schichtvulkands dem erstaunten Betrachter. Neben den regulären Kosten für die Flugtickets waren zunächst einmal 10 US$ fällig um unser Gepäck einchecken zu können. Auch durften wir bestimmte agrarische Produkte (Blumen und Gran....?) gegen ein Blatt Papier eintauschen, denn deren Mitnahme war nicht gestattet.

Diese 10 US$ werden fällig, weil die zusätzlichen Kontrollen für die Einreise auf den Galapagos Inseln finanziert werden müssen. "Galapagos Islands - The Islands That Changed The World", so lautet der Titel einer DVD und bezieht sich auf die Studienreise eines Charles Darwin. Das Studium der Inselfaune und -flora lieferte diesem britische Wissenschaftler wichtige Bausteine zur Begründung seiner Evolutionstheorie. Sie veränderte den Blick auf unsere Welt grundlegend.

Unser Flug mit Zwischenlandung in Guayaquil nach San Christobal verlief unspektakulär. Schon auf dem Flughafen wurde man um 100 US$ Nationalparkgebühr erleichtert. Der Flughafen liegt so nah an der Inselhauptstadt Baquerizo Moreno, dass man auch zum Hotel laufen könnte. Wir zogen die bequeme Variante mit dem Taxi vor und erreichten nach kurzer Fahrt unser Hotel "Grande Hotel Chatham", so zumindest der Name unserer vorgebuchten Bleibe. In Wirklichkeit fanden wir uns auf einer Baustelle wieder. 

Der einzige Vorteil, der uns zum Bleiben veranlasste, war die Tatsache, dass wir den aus der Vorbuchung resultierenden Übernachtungspreis erheblich reduzieren konnten. Diesen zu bezahlen war anschließend aber ein Fehler, denn in der anschließenden Nacht gab es erhebliche Ruhestörungen, durch sich immer wieder aktivierende Aggregate in der Nähe unseres Zimmerfensters. So fassten wir den Entschluss unsere Bleibe zu wechseln und fragten im Hotel Royal Bambu Inn nach. Da wir in der Nebensaison unterwegs waren, lag der Zimmerpreis unter unseren Erwartungen. Da wir über 50% vom "Baustellenhotel" zurück bekamen, erhöhte sich unser Übernachtungsbudget lediglich um 34 US$. Das trug wesentlich zur Aufhellung unserer Stimmung bei. Wir waren auf Galapagos angekommen. 

Dabei gab es schon am Ankunftstag erhebliche "AHA-Effekte". So aalten sich schon auf der Hafenpromenade die Seelöwen und es konnte auch vorkommen, dass die Sitzbank am Wegesrand von einer Seelöwendame belegt wurde. Die Seelöwen okkupierten quasi die Prachtstraße von Baquerizo Moreno und ließen sich auch wenig von den Passanten stören. Die Tageszeit war ihre Siesta-Zeit, erst in der Nacht gehen sie ins Meer zurück zum Jagen, oder wenn es ihnen an Land zu warm wird und sie eine Abkühlung benötigen.

Schon im Stadtgebiet passiert man einige Strände auf denen sich die Seelöwen lang ausstrecken. Hektik kennen sie nur, wenn ein Rudel fremdes Männchen in den Herrschaftsbereich des "Harembesitzers" eindringt. Dann wird der "Silberrücken" böse und verjagt den fremden Eindringling, manchmal nur durch Imponiergehabe oder Brüllen. 

Legt man sich zwischen die Seelöwen an den Strand und döst wie sie vor sich hin, dann kann es einige Zeit später passieren, man ist von ebenfalls dösenden Seelöwen umringt und wird schon mal von der Seelöwennase berührt, da sie "erschnuppern" wollen, ob man auch zum Rudel dazu gehört. Wir haben es selbst vermieden die Seelöwen zu berühren, denn ihre Wirbelsäule ist sehr beweglich und sie können sehr schnell und überraschend ihren Kopf in alle Richtungen bewegen. Ein Seelöwe kann fester zubeißen als ein Hund. Da kann ein unbedarfter Strandaufenthalt schnell zum Alptraum werden. Wählen die aus dem Wasser kommenden Seelöwen selbst den Platz in unmittelbarer Nähe eines Menschen, oder rücken sie beim Dösen am Strand selbst näher heran, ist alles ok und man kann die Tiere aus nächster Nähe studieren. Richten sie sich jedoch auf und nehmen die Imponierstellung ein, oder kommen auf einen zu, dann sollte man Platz machen. In der Regel sind es nur Scheinangriffe zur Warnung: "Na mein Freund, jetzt gib mal ein bißchen Fersengeld und verzieh dich". Im Wasser dagegen muss man sich keine Gedanken um den Sicherheitsabstand zu den Tieren machen. Dort sind sie in ihrem Element und sehr schnell und elegant unterwegs. Sie bestimmen selbst, wie nah sie beim Spielen im Wasser herankommen.
Nach diesem für uns überraschenden Tiererlebnissen hatten wir genügend Hunger mitgebracht, um bei Eduardo ein zünftigen Geburtstagsschmaus, Aroz Marisco (Reis mit Meeresfrüchten) vertilgen zu können.

Die Galapagos Inseln sind Vulcaninseln, so dass das dunkle Vulkangestein die Strände einrahmt. Dort tummeln sich Meereskrabben. Je größer diese sind, desto auffälliger ist ihre Rotfärbung und Körperzeichnung. Im Kontrast zu dem schwarzen Lavagestein ergeben sich mit ihnen schöne Fotomotive. Man muss sich allerdings sehr behutsam bewegen, denn die Krabben sind sehr aufmerksam und flinkt über die Lavabrocken unterwegs. Mit etwas Glück kann man auch mal ein paar dunkle Galapagos Meerechsen erspähen. Sie sind die einzige Leguanart die zur Nahrungsaufnahme ins Meer geht und die Algen unter Wasser abgrast. Sie können bis zu 30 Minuten und bis zu 15 m tief tauchen. Diese Tiere erreichen Körperlängen von 1,6 m. Ihre dunkle Körperfärbung resultiert aus der Tatsache, dass sich sich aus dem Meer kommend schnell wieder aufwärmen müssen, da sie wechselwarme Tiere sind. Im Gegensatz zu den Krabben lassen sie den Menschen überraschend nah heran kommen. Sie sehen aus als ob sie aus dem "Jurassic-Park" entflohen sind.  

Letzters glaubt man auch von den Galapagos Landleguanen. Sie werden auch Drusenköpfe genannt und kommen in drei Unterarten endemisch auf den Galapagos Inseln vor.

Das alles erlebten wir am ersten Tag auf San Christobal, nicht etwa in einem besonders geschützten und bewachten Teil des Nationalparks, nein direkt am Strand "Playa Man", am Rande der Ortschaft Puerto Baquerizo Moreno, übrigens auch die Hauptstadt der Galapagos Inseln.

Auch eine Kajaktour gehörte zu unserem Inselprogramm. So konnten wir auch einige der Strände von ihrer Wasserseite ansteuern. Da die Brandung nicht so stark war meisterten wir die Ab- und Anlandemanöver bravorös. Eine Spritztour durch den Hafen offenbarte uns, dass die Seelöwen auch auf der Seeseite jeden möglichen Ort für ihre Siesta okkupieren. Bordwände von Fischerbooten sind vor ihnen nicht sicher. Manche Boote sind mit Stacheldraht oder Fischernetzen gesichert, um sich vor der Einnahme durch die Seelöwen zu schützen.

An einem der Folgetage charterten wir für 60 US$ ein Taxi und fuhren auf der einzigen Überlandstraße der Insel auf die südöstliche Inselseite. Die Straße kletterte die Berghänge hinauf und schon bald hüllten die Wolken die mittler Weile grüne Vegetation in dichten Nebel. Wieder aus den Gipfelbereichen der Insel herunter gefahren, erreichten wir eine Zucht- und Auswilderungsstation für die berühmten Galapagos Landschildköten.

Sie gaben über Umwege diesem ca. 1300 km vor der ecuadorianischen Küste gelegenen Inselarchipel ihren Namen. Piraten nutzen die Inseln als Stützpunkte für ihre Beutezüge. Die auf den Inseln vorkommenden Landschildkröten schleppen einen Sattelförmigen Panzer mit sich herum. Ein altes spanisches Wort für Sattel heißt: "Galapago", so dass die Piraten die großen Landschildkröten Galapagos Schildkröten nannten. Erst viel später gab man der sehr unterschiedlich genannten Inselgruppe den einheitlichen Namen Galapagos Inseln (Wikipedia).

Ein Pfad führte durch das natürliche Habitat dieser urtümlichen Tiere. An den Futterplätzen und manchmal auch in unmittelbarer Nähe zum Weg, oder gar auf dem Weg stolperte man förmlich über große und größte Exemplare dieser Tierart. Schnell oder gar wehrhaft sind sie nicht gerade, aber sie können Kopf und Beine ziemlich gut unter ihrem Panzer zurück ziehen und damit schützen. Diese Strategie und ihre Genügsamkeit trägt wahrscheinlich dazu bei, dass diese Tiere weit über 100 Jahre alt werden können und ihre Art schon Millionen von Jahren überlebte. 
Da es sich um eine Aufzucht- und Auswilderungsstation handelte konnten wir auch die "Baby- und Kleinkindabteilung" sehen. Die Eier werden in Inkubatoren ausgebrütet. Man ahmt sogar die Bruthöhle künstlich nach, in dem man die geschlüpften Tierbabys einen Monat in einem dunklen Raum hält, ehe sie das "Licht der Welt" erblicken. Bis zum zweiten Lebensjahr bleiben sie quasi "hinter Gittern", ehe sie in das Freigehege der 2-5 Jährigen kommen. Danach wechseln sie in das Gehege der 5-8 Jährigen, bevor sie "entlassen" werden.

Unser Taxifahrt ging weiter zum einem Puerto Chino genannten Strand. Ein kurzer Wanderweg führte durch die trockene und karge Vegetation der unmittelbaren Küstenregion. Am Eingang zum Stand wurden wir wieder von zahlreichen dösenden Seelöwen erwartet. Das war aber neben dem Baden nicht das Besondere dieses Strandes. Am Ende einer den Strand begrenzenden Halbinsel befand sich eine Blaufuß-Tölpel-Kolonie. Wie bei anderen Tierarten bereits beobachtet, waren wir überrascht, wie nah uns diese Vögel herangelassen haben. Sie ließen sich in keinster Weise von unserer Anwesenheit bei ihrer Gefiederpflege oder Mittagssiesta stören. Einige Tiere waren in der Luft und zeigten uns mit ihrem Sturzflug ins Wasser ihr Jagdverhalten. Mit ihren blauen "Gummistiefeln" sahen sie irgend wie putzig aus. Leider war nicht die Zeit ihr Balzverhalten zu sehen. Das hätte dem Ganzen noch die Krone aufgesetzt.

Auch per Fahrrad statteten wir der näheren Umgebung der Ortschaft unseren Besuch ab. Der Fahrt zum Playa Punta Carola setzte ein Nationalparkposten das Stoppschild für die Weiterfahrt mit dem Rad und die Ebbe den Sprung in das kühlende Wasser, denn an diesem Strand versperrten Vulcanbrocken den ungehinderten Zugang zum Wasser. Machte nichts, denn am südlichen Ende des Ortes, hinter dem Flugplatz, gab es mit dem Playa La Loberia einen weiteren von uns noch unentdeckten Strand. Auch dort aalten sich zahlreiche Seelöwen. Einer machte auf der Suche nach etwas Schatten auch nicht einmal halt vor unseren abgestellten Fahrrädern. Selbst als wir diese wieder nutzen wollten, regte sich die Seelöwendame nicht. Wenn wir Spuren richtig lesen könnten, hätte uns schon auf dem Hinweg die Anwesenheit von Galapagos Landleguanen auffallen müssen, denn ihre Spuren im Sand verzierten einen Großteil des Strandes mit langen Schlängellinien. Diese resultieren aus den Schleifspuren ihrer langen Schwänze.

Am Nachmittag wollten wir noch etwas das Hinterland unseres Aufenthaltsortes erkunden und entschieden uns zur Ortschaft El Progreso zu radeln. Die neue Inselstraße führte fast ausschließlich Berg an und wir hatten mit unseren ungewohnten Fahrrädern schwer zu kämpfen. Die Schweißtropfen begannen schon von der Stirn zu tropfen, als der Straßenverlauf noch einmal an Steilheit zu nahm, das Ende der Steigung blieb unsichtbar hinter den folgenden Kurven verborgen. Wir wollten uns aber diese Blöße nicht geben und vor dem Erreichen unseres selbst gewählten Etappenzieles die Tour abbrechen. Als uns dann zwei Reiter auf ihren Pferden und einer Polizeieskorde entgegen kamen wunderten wir uns schon über diesen Auftritt. Als diese beiden Reiter im gestreckten Galopp wieder an uns vorbei schossen waren wir mitten drin im Pferderennen, denn im Zielbereich warteten zahlreiche Schaulustige gespannt auf den Zieleinlauf.

Schade das wir dieses Finale nur aus Versehen miterleben durften, denn Reiter und Zuschauer trollten sich mit unserer gequälten Zielankunft von dannen. Da sie alle in eine Richtung gingen, glaubten wir, dass es im Dorf noch eine Fiesta geben würde. An einem überdachten Sportgelände stellten wir fest, dass die "Dorfolympiade" stattfand, denn Männer- und Frauenfußball sowie Volleyball fesselten die begeisterten Zuschauer. Wir mischten uns unter die Zuschauer und ließen die Stimmung auf uns wirken. Es sind die nicht planbaren Zufallsbegegnungen die das Reisen in fremden Ländern so spannend machen. 


Mit einem kühlen ecuadorianischen Bier begossen wir diese Zufallsbegegnung mit dem authentischen Dorfleben auf San Christobal. Auch die ein oder andere örtliche Köstlichkeit ließen wir uns schmecken. Allerdings hatten wir erhebliche Probleme beim Verspeisen einer "Humita" die Etikette einzuhalten, denn wir "zuschten" an den Maisblättern herum. Eine Ecuadorianerin sah sich genötigt uns das Geheimnis der Speise zu verraten, denn wir sollten die Maisblattumwicklung aufrollen. Wir folgten ihrem Geheiß und ließen uns das süße Innere schmecken.
Noch eine Stunde bis zum Abgabetermin unserer Fahrräder. Wir traten den Rückweg an. D. h. alle Anderen außer mir, denn ich hatte einen Fast-Platten und mußte mich erst einmal um Luft für mein Vorderrad kümmern. Ich sprach viele Leute an, leider konnte mir keiner helfen. Bis mir ein Taxifahrer einen Tip gab, ich solle doch zur Polizeistation gehen. Als ich dort ankam, fuhren gerade zwei Fahrzeuge vor. Aber auch sie konnten mir keine Luft verschaffen, bedeuteten mir aber, ich solle mein Fahrrad auf die Ladefläche des Pickup legen. Das sah schon mal gut aus, denn sie wollten mich mit nach Puerto Baquerizo Moreno nehmen. Unterwegs gab es noch einen Polizeieinsatz, denn ein Motorroller lag am Straßenrand auf der Seite. Dessen Besatzung krabbelte soeben die Böschung hinauf und schob ihre Köpfe durch das Gebüsch. Alle waren heil geblieben, der Motorroller wurde mit vereinten Kräften wieder aufgerichtet. Der Polizeieinsatz war beendet noch ehe er richtig begonnen hatte. Am Ortseingang gab es einen Fahrradverleih, dort erhielt ich Luft für meinen luftschwachen Vorderreifen. Nahtlos ging es weiter Berg ab zum Malecon, wo ich noch rechtzeitig mein Fahrrad abgeben konnte.

Da die Geldautomaten unsere Kreditkarten offensichtlich nicht mochten, denn sie rückten kein Geld heraus, entschieden wir uns aus Mangel an genügend Dollar-Bargeld die Möglichkeiten zum Besuch anderer Inseln aus zu schlagen. Allerdings war das auch nicht so richtig nötig, denn beeindruckende Tiere hatten wir ja schon zur genüge gesehen.

Für eine Schnorcheltour reichte unserer Dollar-Vorrat aber noch. Ein fast bis auf den letzten Platz besetztes Boot stach nach 9 Uhr mit tauch- und schnorchelwilligen Touristen und der Bootsbesatzung in See. Entlang der Nordwestküste ging es zur Isla Lobos dem ersten Schnorchelspot. Kleine und größere bunte Fische sowie Seeigel bevölkerten den flachen Küstenabschnitt. Danach brachte man uns PS-stark über die Wellenkämme zum Kicker Rock, dem 2. Schnorchelspot. Dieser Einzelfelsen ragt weitab von der Inselküste senkrecht aus dem Meer heraus. Genau so steil setzten seine Felsflanken ihren Weg unter der Wasseroberfläche in unergründliche dunkle Tiefen fort. Im lichtdurchfluteten Bereich gab es eine rege Wasserflora und -fauna zu bestaunen. Durch die Meereswellen wurden wir wie in einem Fahrstuhl immer wieder mehrere Meter an der senkrechten Felswand hinauf und hinunter "gefahren". Nach einer kurzen Melonennascherrei gab es den 3. Schnorchelgang an einer anderen Stelle des Kicker Rock. Unser Guide mahnte uns zur Eile, denn er hatte Haie gesichtet. Als ich im Wasser war, konnte ich tatsächlich in größerer Tiefe unter mir Galapagos Haie und große Rochen wahrnehmen. Mein Herz schlug nicht unbedingt schneller, denn die Haie schienen sich nicht für uns zu interessieren. 


Wieder an Bord ging die Reise weiter zum Manglecito Beach. Dort reichte man uns einen Lunch und es war möglich unsere schaukelnde Plastikhülle für ein paar Minuten zu verlassen und den weitab jeglicher Siedlung gelegenen Strand zu besuchen. Mit teilweise etwas harten Schlägen über die Wellen ging es anschließend wieder zurück nach Puerto Baquerizo Moreno, wo nicht alle  von uns Appetit für ein richtiges Abendessen verspürten. 
Der Hoteleigner vom Royal Bambu Inn, Eduardo ist ein liebenswerter Typ. Im ecuadorianischen Amazonasgebiet geboren, ist er über Frankreich, Deutschland und Japan weit umher gekommen. In diesen Jahren hatte er französisch, deutsch und englisch zu sprechen gelernt. Auch mußte er 13 Jahre lang in Panama im Exil leben. Studiert hat er nicht etwa um einen Beruf zu erlernen, nein, er hat sich in verschiednen Fachrichtungen Wissen angeeignet und nie seine Heimat vergessen. Es gab nie einen Chef über ihm, sondern er verdiente sein Geld immer auf eigene Kappe. Beim Bau seines  Hotels hatte er mit vielen eigenen Ideen selbst Hand angelegt und auch mal eine Wand wieder heraus gerissen, wenn sie ihm nicht gefiel. Uns präsentierte er sich als umtriebiger Geschäftsmann der sein Hotel mit 8 Zimmern nebst kleinem Restaurant über alle Bereiche hinweg selbst führte. An einem Nachmittag zeigte er uns auch seine nicht all zu kleine Farm mit allerlei nützlichen Fruchtpflanzen, wie Avocado, Banane, Papaya, Zuckerrohr oder Orange. Auch ein voll ausgestattetes Bambusrestaurant stand zur Vermietung für verschiedene Anlässe bereit. Gewohnt hat er in einem unscheinbaren einfachen Bambusgebäude mit einfachster Einrichtung, ein Regal als Schrankersatz, ein Stuhl, ein Spiegel und einem Bett. Kamen englisch-, deutsch- oder französisch sprachige Touristen in sein Restaurant sprach er sofort in deren Sprache mit ihnen. Auch legte er sich in der Tagespresse mit dem Präsidenten des Landes an. Eduardo wurde für uns zu einem funktionierenden Phänomen. 

Viel zu schnell vergingen die Tage auf San Christobal und unsere Rückreise zum Festland war schon wieder heran gerückt. Eine Maschine der südamerikanischen Airline LAN brachte uns nach Guayaquil. In der größten Metropole des Landes (ca. 3 Millionen Einwohner) herrschte Trockenzeit und es wurden ca. 8-10 Grad weniger gemessen als in der Regenzeit, so dass die Einwohner der Stadt 25/26 °C als kühl empfanden.

29. - 31.10. 2014 - Was hat Guayaquil nicht alles zu bieten?

Gleich am ersten Morgen nach der Anreise hieß es kurz nach Sonnenaufgang aus den Federn klettern, denn unsere Freunde hatte von Deutschland aus eine Tagestour in die nähere Umgebung von Guayaquil gebucht. Dabei ging es vor allen Dingen um die Natur und deren Nutzung. Unser deutschsprachiger Guide, in diesem Fall eine junge Frau, hatte das Colegio Aleman in Guayaquil besucht und dort ihre sehr ordentlichen Deutschkenntnisse erworben. Wir fuhren zunächst zu einem örtlichen Tourguide, der wie kein anderer Kenntnisse hatte zum Ökosytem eines Mangrovenwaldes und des Urwaldes. An diesem Ort wird ein Tourismusprojekt aufgebaut, welches dem Ziel dient, das Verständnis für den Schutz und Erhalt dieser einzigartigen und komplexen Ökosysteme zu erhöhen.

Gleich im Eingangsbereich des Mangrovenwaldes demonstrierte uns der Guide wer in den Löchern des bei Ebbe wasserlosen Waldbodens steckte. Er lies einige Mangrovenblätter auf den Boden fallen und schon krabbelten aus allen Löchern Krabben heraus die sich ihre Malzeit in den Krabbenbau holten. Sie leben also von den Mongrovenblättern. Im Gegenzug durchlüften sie den Boden in dem die Mangroven wurzeln und verbessern somit die Lebensbedingungen der Mangroven. Das ist also eine richtig klassische Symbiose zwischen Planzen und Tieren.

Mit einem kleinen Boot ging es dann hinaus in ein weit verzweigtes System von Wasserläufen. In diesen Mangrovenwäldern haben ca. 70% der industriell verarbeiteten Fischarten ihre Kinderstube. Diese den Küsten vorgelagerten Wälder bieten einen effektiven und natürlichen Schutz vor Tsunamies. Besser als das je ein künstliches System je leisten könnte. Die Flutwelle rauscht mit voller Wucht hinein und reibt sich im Mangrovenwald und seinem weit verzweigten Gewässersystem auf, verliert dabei den Großteil seines Zerstörungspotentials. Die Siedlungen im Hinterland bleiben als vor der Zerstörung geschützt. 

Auf dem Rückweg demonstrierte uns der Guide welche Strategie zur Erhaltung ihrer Art die Evolution entwickelt hat. Die Mangrovenfrüchte sind Pfeilförmig konstruiert und sind, wenn sie sich vom Baum lösen, voll funktionsfähige Planzen, denn sie fallen wie Pfeile von ihren Mutterpflanzen herab und bleiben aufrecht im Mangrovenschlick stecken, so dass die Wurzeln bei ihrer Entwicklung sofort Halt finden. 

Auch die Krabben rückten noch einmal in den Mittelpunkt, denn täglich schwärmen ca. 1000 Krabbenfänger in die Mangrovenwälder aus um die männlichen Tiere dieser Krabbenart zu fangen. Diese werden dann fein zu Paketen verschnürt auf den Märkten für den Verzehr angeboten. Wir konnten einigen dieser Krabbenfänger bei der Arbeit zu schauen. Dieser Job gehört wahrscheinlich zu den schmutzigsten Jobs weltweit. Die Krabben graben Höhlen bis zu einem Meter tief. Die Krabbenfänger langen mit ihren Armen bis an die Schultern in diese Höhlen hinein. Manchmal müssen sie noch eine kleine Metallverlängerung benutzen, um an die Tiere heran zu kommen. Das ganze spielt sich im Schlick und Schlamm eines Mangrovensumpfes ab. Ihr könnt euch sicherlich lebhaft vorstellen, wie die Krabbenfänger aussehen. Jeder Krabbenjäger fängt pro Tag durchschnittlich 96 Tiere. Allerdings ist es nur erlaubt die Männchen zu fangen. Trotzdem ist diese Krabbenart, die so wichtig für den Mangrovenwald ist, nicht in ihrem Bestand gefährdet.

Dann ging es zum zweiten Tageshöhepunkt der Kakaoproduktion. Auf einer Kakaoplantage demonstrierte man uns die Gesamte Produktionskette. Der Weg vom für die Keimung bestimmten Samen bis zum pflanzbaren Kakaobaum dauert normaler Weise 3 Jahre. Durch Aufsucht und Veredelung der Sämlinge wird dieser Prozess jedoch auf 8 Monte verkürzt.

Die Kakaopflanze produziert in ihrer Lebenszeit ca. 240.000 Blüten. Das sind also mehrere hundert pro Monat. Die Blüten sprießen an der ganzen Pflanze vom Stamm bis zu den Ästen. Da in den Tropen ganzjährige Wachstumsbedingungen herrschen, sprießen auch die Blüten ganzjährig. Deshalb findet man an der Kakaopflanze neben den Blüten, kleinste Früchte, zu Jünglingen herangewachsene Früchte bis hin zu ausgewachsenen reifen Früchten. Im Unterschied zu unseren Obstbäumen in der Gemäßigten Klimazone, gibt es keine zeitlich begrenzte Ernteperiode, denn Erntezeit in einer Kakaoplantage ist täglich. Wenn die Früchte sich beginnen gelb zu färben, werden sie geerntet. 

Die Fruchtschalen werden geöffnet und die in einer weichen weißen Fruchthülle befindlichen Kakaobohnen entnommen. Die weiße Fruchthülle schmeckt beim nutschen süß und von ihr kann ein süßer Fruchtsaft gewonnen werden. Angereichert mit Rum wird daraus ein leckerer Cocktail. Die Kakaosamen kommen noch eingebettet in ihrer weißen Fruchthülle in Plastiksäcke udnverweilen dort 3 Tage. Aus diesen Sächen strömt ein gäriger Geruch.Danach werden sie auf dem Boden ausgebreitet und luftgetrocknet. Wird danach die Samenhülle entfernt kommt der Kakao zum Vorschein. Diesen kann man malen und zu leckeren Kakaoprodukten verarbeiten. Wir bekamen bei einem leckeren Mittagessen eine nur mit Wasser angerichtete dicke Kakaosoße gereicht.

Leider war damit ein sehr kurzweileger, unterhaltsamer und interessanter Ausflug in des Hinterland von Guayaquil schon wieder beendet. Allerdings bot die Rückreise aus dem Fenster eines Kleinbusses noch viele Eindrücke vom Leben auf dem Lande in Ecuador.

Wandertag in Guayaquil - ob das mal gut geht, denn die Reiseführer und andere Stimmen hatten uns vor dieser Stadt gewarnt, wir sollten sehr vorsichtig sein und Taxis benutzen. An den letzten beiden Abenden sind wir erst nach Einbruch der Nacht zum Hotel zurück gekehrt. Wir hatten den Eindruck, dass wir uns sicher durch die Straßen bewegen konnten. Allerdings war unser Weg vom Polizei überwachten Malecon 2000 bis zum Hotel nur wenige Blocks weit und wir konnten beobachten, dass die Mehrzahl der Läden bereits ihre Pforten geschlossen hatten. Die kleinen Ladenbuden die noch geöffnet hatten, verkauften durch ein Stahlgitter ihre Getränke oder einfache Lebensmittel.

Diesmal wollten wir einen größeren Teil der Stadt zu Fuß erkunden. Wir begannen mit dem Malecon 2000. Dieser Übergang von der Stadt zum Fluß erstreckt sich 3 km entlang des Rio Guayas. Er wird durch den Zusammenfluss des Rio Daule und Babahoyo gebildet und entwässert weite Teile des ecuadorianischen Küstentieflandes in einem weiten Flußdelta übler den Canal de Jambeli in den Golfo de Guayaquil (Pazifik). Normaler Weise erkennt man bei der Betrachtung eines Flusses seine Fließrichtung. Da hat man in Guayaquil als Ortsfremder zunächst so seine Probleme, denn uns fiel auf, dass der Fluss mal in die eine Richtung und mal in die andere Richtung floss. Das verwirrte uns total, konnte aber nur damit im Zusammenhang stehen, dass der nahe Pazifik mit seinen Gezeiten Einfluss auf die Fließrichtung nahm.

Aber nun zurück zur Uferpromenade Malecon 2000. Dieses Vorzeigeprojekt der Stadtsanierung mit Restaurants, Spielplätzen, tropischen Gärten, Einkaufspassagen und einem Kino wird von Sicherheitskräften gut bewacht und ist deshalb eines der sichersten Stadtgebiete Guayaquils. Wir schlenderten diese Promenade in Richtung Cerro Santa Ana bis zum Barrio Las Penas. Dort fanden wir zunächst die Stufentreppe die zum Leuchtturm hinauf führte nicht. Bei dem Versuch den Cerro Santa Ana auf der Suche nach der Stufenattraktion zu umrunden, rieten uns Einheimische davon ab, denn dieses Viertel wäre nicht so sicher. Einzig die 444 Stufen wären gut mit Sicherheitspersonal gesichert und für Touristen geeignet. Noch vor Jahren wagte sich kaum ein stadtfremder Ecuadorianer in diese Elendsviertel. Wir waren einsichtig und drehten bei.

Aus der Entfernung sehen die Stadtviertel, um den Cerro Santa Ana und Cerro del Carmen mit ihren bunten Häusern sehr farbenprächtig aus. Bei genauer Betrachtung aus der Nähe erkannt man die Schlichtheit dieser Häuser. Jede einzelne Stufe ist nummeriert. Kleine Geschäfte, Bars und Cafes säumen den Weg und sichern den Einwohnern ein kleines Auskommen. Bei der Stufe 444 war Schluss mit dem Aufstieg. Dort endete der Weg auf dem Gipfel des Hügels direkt neben dem Leuchtturm. Vom Gipfelplateau und der Plattform des Leuchtturms hatte man eine ausgezeichnete Panoramaaussicht auf die Stadt Guayaquil.

Auf zur nächsten Wanderetappe durch die Stadtmetropole. Über die Avenida Julian Coronel wollten wir einen besonderen Cementario (Friedhof) erreichen. Aber auch hier empfahlen uns Einheimische diesen unsicheren Bereich über einen Umweg zu umgehen. Uns war nicht so ganz wohl auf dem Weg durch vom Großstadtgewimmel abgeschiedene Straßen. Aber die Leute die uns begegneten und die wir nach dem Weg fragten, waren sehr freundlich und gaben uns bereitwillig Auskunft. Am Friedhof wollten wir mit den normalen Tagesbesuchern durch den Eingangsbereich schlüpfen. Das misslang, denn der Posten erkannte uns sofort als Touristen, rief seinen Vorgesetzten an und lies uns dann mit einem Begleiter zu dem Bereich bringen, den wir besuchen durften. Ziemlich wichtige Leute und deren Familienangehörigen fanden dort in sehr großen und pompösen Gräbern ihre Ruhestätte.

Nach diesem Kurzbesuch war wieder Suchen angesagt, denn wir wollten zum Blumenmarkt. Auch hier halfen uns freundlich Auskunft erteilende Ecuadorianer weiter. Die Stände auf dem Blumenmarkt waren gespickt mit Blumengestecken für alle möglichen Anlässe. Da steckte sehr viel Arbeit und Ideenreichtum drin. Nach einem langen Arbeitstag waren die Floristinnen immer noch freundlich drauf und ließen uns "schießwütigen" (Fotos) Touristen gewähren.

Wir hatten alle Orte die wir aufsuchen wollten gefunden dabei ein ganzes Stück mehr von Guayaquil kennen gelernt. Auch den Rückweg meisterten wir problemlos und erlebten dabei ein interessantes Stück Leben Guayaquils. Auf dem Plaz del Centenario rezitierte inbrünstig ein "Moralapostel" Verse heiliger Schriften seiner Kirche. An der Catedral Catolica streiften wir auch den Iguana Parc. Kurz vor der Dämmerung hatten sich die im Park lebenden Leguane schon auf ihre Schlafplätze in den Bäumen verzogen. Da kam eine Einladung zum Chorkonzert im Parkpavillion gerade recht um die Kulturszene der Stadt kennen zu lernen. Die wichtigste Erkenntnis für uns an diesem Tag war, dass man sich in Eigeninitiative am Tag und frühen Abend gefahrlos auch ohne Taxibenutzung in Guayaquil als Tourist bewegen kann. Auf dem von Sicherheitspersonal überwachten Malecon 2000 funktioniert das auch zu fortgeschrittener Stunde nach einem Restaurantbesuch.

Es war unbedingt nötig, dass ich die Bilder und Videos die bisher in Ecuador aufgenommen hatte auf einer externen Festplatte zu speichern, damit ich wieder Platz bekam auf den Speichermedien meiner Aufnahmegeräte. In der Bibliothek nahe dem Iguana Park war dies problemlos möglich. Kurz vor Schulschluss hatten wir einen Termin bei der Schulleiterin des Colegio Aleman Humboldt  (Deutsche Schule) bekommen. Auch diese Deutsche Schule ist eine Privatschule und die Eltern der Kinder die diese Schule vom Kindergarten bis zur 12. Klasse besuchen, zahlen Schulgeld. Es gibt an dieser Schule Klassen, die in Deutsch, Biologie und Geschichte deutschsprachigen Unterricht erteilt bekommen und auch in diesen Fächern das Deutsche Abitur ablegen. Das halte ich für eine große intellektuelle Leistung der Schüler/Innen die das in einer Fremdsprache schaffen - Respekt. Deutschland unterstütz die Deutschen Schulen im Ausland unter Anderem auch durch die Entsendung von Lehrern für den Deutschunterricht und Fachunterricht in Deutsch. 

Am Vorabend eines auch in Ecuador begangenen katholischen Feiertages war der Malecon 2000 am Abend dicht mit Menschen gefüllt. Die Kinder von klein bis groß zeigten kostümiert, dass die Helloween-Welle auch schon in Ecuador angekommen ist. Uns trieb es zum nördlichen Ende des Malecon 2000, denn wir hatten auf einem Plakat gelesen, dass mit der Fiesta Cubana eine Musikveranstaltung stattfinden sollte. Für 5,- US$ pro Person ergatterten wir Stehplatzkarten. Bei lateinamerikanischen Rhythmen ging die Post ziemlich ab. Wir konnten beim Tanzen von Samba und Cha-Cha-Cha auch etwas den Rhythmus aufnehmen. Aber bei den Salsaklängen zeigten uns die Ecuadorianer deutlich unsere Grenzen auf, denn wir mussten neidlos akzeptieren, dass sie definitiv ein anderes Gen in ihren Hüften haben.



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